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Deutsche Mode : Der Bubikragen schnürt uns ein

  • -Aktualisiert am

Am Ende ihres Weges: Rena Lange - hier die Kollektion von Frühjahr/Sommer 2013 - ist nicht mehr. Bild: Fricke, Helmut

Den deutschen Modelabels geht es schlecht. Und das schon seit Jahren. Da hilft auch keine Berliner Fashion Week.

          Als ich vergangene Woche die Nachricht las, dass die Münchner Traditionsmarke Rena Lange den Geschäftsbetrieb einstellt, beschlich mich Wehmut. Das alte Jahr hatte mit der Hiobsbotschaft geendet, dass die Bread & Butter, die größte deutsche Jeans- und Sportswear-Messe, Insolvenz anmelden muss. 2015 begann also nicht besser. Man hatte es geahnt, weil Rena Lange schon im September Insolvenz angemeldet hatte und seitdem einen Investor suchte. Aber es ist doch ein Menetekel für die deutsche Modeszene – die sich nächste Woche auf der Berliner Fashion Week wieder groß feiern wird, aber an vielen Ecken schwächelt und kriselt.

          Der Markt spielt längst nach internationalen Regeln. Da gilt ein Unternehmen wie Rena Lange als schwer vermittelbar. Veraltete Strukturen, Kollektionen, die nicht mehr am Puls der Zeit sind, zu wenig internationales Potential – da halten Investoren Abstand. Hinzu kommen hohe Verbindlichkeiten. Mit einer Anleihe von 5,4Millionen Euro versuchte Inhaber Siegmund Rudigier, an Kapital zu kommen. René Lezard, Laurèl und Strenesse hatten sich so ebenfalls Geld besorgt.

          Seit 20 Jahren verfolge ich als Journalistin die Höhen und Tiefen von Firmen wie Rena Lange, Strenesse, Escada, Joop!, Laurèl, René Lezard und St. Emile. Alles große Namen, die heute nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.

          Der Kragen war der Markenkern

          Rena Lange hat den Kampf ums Überleben verloren. Ein Jahr vor dem hundertjährigen Jubiläum schließt das Unternehmen. Die sechs Geschäfte in Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf, Mannheim und London machen zu: Räumungsverkauf! Das schöne Firmengebäude von Architekt David Chipperfield steht zum Verkauf. Jetzt geht es allenfalls darum, für die Markenrechte einen Abnehmer zu finden. Dann würde Rena Lange dasselbe Schicksal wie Toni Gard ereilen. Die einstige Avantgarde-Marke, deren Schauen in den neunziger Jahren auf der Modemesse CPD in Düsseldorf fast so begehrt waren wie derzeit ein Ticket für die Show von Saint Laurent in Paris, führt heute eine bescheidene Existenz als Eigenmarke des Einkaufverbunds Katag in Bielefeld.

          Deutsche Modelabels wie Lala Berlin haben es schwer: Sie gelten als zu akkurat und bieder.

          Ich erinnere mich noch an mein erstes Rena-Lange-Teil, eine Seidenbluse mit weißem Bubikragen. Dieser Kragen war so etwas wie der Markenkern, wie die Couture-Kleider mit Goldknöpfen. Renate und Peter Günthert hatten aus dem Wäschehaus eine Marke von internationalem Format aufgebaut, mit Kundinnen wie Senta Berger und Romy Schneider.

          Bei Strenesse war es nicht anders. Gabriele und Gerd Strehle: Sie die Kreative, er der Unternehmer. Ein Traumpaar, das aus einer Mantelfabrik eine Designermarke schuf, mit Modenschauen in Mailand, bei denen Gisele Bündchen über den Laufsteg ging. Dann die Expansion, die Herrenlinie, ein geplanter Börsengang – alles brachte kein Glück. Nun ist Strenesse ein weiterer Wackelkandidat. Das Unternehmen aus Nördlingen befindet sich seit Juli 2014 im regulären Insolvenzverfahren und ist ebenfalls auf Investorensuche. Bislang ohne Erfolg.

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