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Deutsche Mode : Der Bubikragen schnürt uns ein

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Diese Entwicklung bekamen auch die Einzelhändler zu spüren. Immer mehr namhafte Geschäfte gaben auf. Eickhoff in Düsseldorf verpachtete nach mehr als 50Jahren Firmengeschichte seine Immobilie an der Königsallee an Dior – bis dahin war man Referenzadresse für Luxusmarken und Pilgerort für Modefans gewesen. „Der mittelständische Multibrand-Store ist ein Auslaufmodell“, meint Albert Eickhoff. „Da findet weltweit ein Strukturwandel statt.“

Wo an der Frankfurter Goethestraße einst Möller & Schaar war, ist nun Burberry, wo an der Stuttgarter Königstraße Fischer saß, ist nun Abercrombie, Maendler an der Münchner Theatinerstraße wurde zu Mango, Männermode Burger an der Zürcher Bahnhofstraße übernahm Prada – die Jahresmiete für die 600 Quadratmeter soll bei drei Millionen Schweizer Franken liegen. Im Kampf um die besten Lagen in den Innenstädten haben mittelständische und kleine Unternehmen das Nachsehen. Nur Firmen in der Größenordnung von Marc Cain oder Hugo Boss können diesem Wettbewerb standhalten – und eröffnen viele neue Läden.

Die Berliner Fashion Week braucht Zeit zu wachsen

Die Mittelständler – Händler und Hersteller – werden zerrieben zwischen den großen internationalen Designermarken und den preisaggressiven Filialisten mit ihrer gut gemachten schnellen Mode. Der Gigantismus macht es kleinen Firmen schwer. Gerade erst hat das Berliner Designerlabel „Firma“ nach 17 Jahren geschlossen, unter anderem wegen des Einzelhändler-Sterbens.

Die Bread & Butter litt ebenfalls unter den strukturellen Veränderungen. Auch bei Jeans und Sportswear machen vertikale Anbieter das große Geschäft. Sie brauchen gar keine Modemesse, weil sie alles in Eigenregie entwerfen, produzieren und verkaufen. Und weil der Multi-Label-Fachhandel kein ausreichendes Marktpotential für Designer-Kollektionen mehr bietet, ist die Internationalisierung zwingend. Die Designer Thomas Bentz und Oliver Lühr des jungen Labels Achtland haben daher vergangenes Jahr ihren Firmensitz von Berlin nach London verlagert.

Auf der Michalsky Stylenite: Berliner Modewoche im Sommer 2014

Das Münchner Designer-Duo Talbot Runhof, das knapp die Hälfte des Umsatzes auf dem amerikanischen Markt erzielt, hat schon lange Paris als zweite Verkaufs- und Präsentationsplattform gewählt. Odeeh, ein aufstrebendes Designer-Label von Jörg Ehrlich und Otto Drögsler, präsentiert sich ebenfalls in Paris, wegen der internationalen Kunden. Allude, die Kaschmir-Marke aus München, veranstaltet seine Schauen auch beim Prêt-à-porter.

Was bleibt da noch für Berlin? Die Fashion Week hat schon einige zugkräftige Marken verloren, darunter Escada, Strenesse und Rena Lange. Nun hat Michael Michalsky seine „Stylenite“ abgesagt. Auf dem Schauenkalender wimmelt es von Unbekannten. Immerhin zeigt Kaviar Gauche wieder. Neu ist der Berliner Modesalon im Kronprinzenpalais, wo Allude, Odeeh, Augustin Teboul, René, Iris von Arnim, Perret Schaad zu sehen sind. Und Dorothee Schumacher. Die Designerin, ohnehin ein Fan von Berlin, ist trotz starker Internationalisierung wieder in der Hauptstadt dabei. Berlin brauche Zeit zu wachsen, lautet ihr unermüdliches Credo. Bleibt zu hoffen, dass der Markt das genauso sieht. Nicht die Journalisten werden es entscheiden – sondern die Einkäufer. Auch, wie es mit den deutschen Kollektionen weitergeht.

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