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Oscarnominierte Deutsche : Die Frau, die 4000 Komparsen für „Mulan“ einkleidete

  • -Aktualisiert am

Roben für die Kriegerin: Für die Kostüme zum Disney-Film „Mulan“ erhielt Bina Daigeler eine Oscarnominierung. Bild: dpa

Sie hat schon die Filmkostüme für Cate Blanchett und Tilda Swinton ausgesucht, aber nie musste Kostümbildnerin Bina Daigeler so viele Leute koordinieren wie für Disneys „Mulan“. Dafür ist die Deutsche für einen Oscar nominiert.

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          Ein amüsantes Gespräch über Filmprojekte und Kino-Karrieren mit Kameraleuten und Drehbuchautoren in einer Madrider Taverne beendete Bina Daigeler 1993 mit dem schönen Satz: „Ich gehe jetzt nach Hause und mache schon mal Platz im Regal für den Oscar.“ Humor und fester Wille zeichnen die Kostümbildnerin aus, die in München geboren wurde und seit mehr als 30 Jahren in Madrid lebt.

          Dass sie jetzt tatsächlich für einen Oscar nominiert ist, scheint nur folgerichtig: die Ernte harter Arbeit in vielen Ländern, mit kommerziellen Produktionen und Autorenfilmen, Plattform-Serien und bisweilen Budgets, die bei weitem nicht so groß sind wie bei „Mulan“, der Disney-Superproduktion über eine chinesische Heldin. Ein Jahr arbeitete sie an dem Film mit Regisseurin Niki Caro in deren Heimat Neuseeland und in China. 4000 Komparsen mussten Daigeler und ihr Team von 126 Leuten im Blick haben. Für diese Arbeit ist sie nun nominiert.

          Kostümbildnerin Bina Daigeler bei der Premiere von „Mulan“ im März 2020 in Los Angeles
          Kostümbildnerin Bina Daigeler bei der Premiere von „Mulan“ im März 2020 in Los Angeles : Bild: Picture-Alliance

          In Spanien hat Bina Daigeler sich einen Namen gemacht mit Filmen wie „Airbag“ (1997) und den Almodóvar-Produktionen „Alles über meine Mutter“ (1999) und „Volver – Zurückkehren“ (2006). Viermal war sie für die Goya-Filmpreise nominiert. Die polyglotte Deutsche hatte es, trotz spanischen Ehemanns und zweier Kinder, auch nach Jahrzehnten in Madrid nicht leicht, sich im spanischen Filmbusiness vollends durchzusetzen. Ihren Namen sprach man französisch aus: Degelé.

          Sie stattete Tilda Swinton und Cate Blanchett aus

          Den Erfolg brachten ihr internationale Produktionen mit Regisseuren wie Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, Oliver Stone oder John Malkovich. Tilda Swinton stattete sie für Jarmuschs „Only Lovers Left Alive“ (2013) aus, Cate Blanchett für „Mrs. America“ (2020). Regie führte die Kanadierin Dahvi Waller. 2018 erhielt sie für Julian Rosefeldts Filminstallation „Manifesto“ in der Sparte „Bestes Kostümbild“ den Deutschen Filmpreis in Berlin: Cate Blanchett in 13 verschiedenen Rollen. Im September 2020 war sie für einen Emmy nominiert. Für den Costume Design Guild Award (CDGA) war sie dieses Jahr gleich in zwei Sparten nominiert und hat mit „Mulan“ auch als bestes Kostüm in der Kategorie „Fantasy Film“ gewonnen.

          Die Arbeit mit Stars wie Penélope Cruz, Javier Bardem, Benito del Toro, Robert de Niro, Daniel Brühl oder Bruce Willis erfordert Einfühlungsvermögen. „Meine Kostüme müssen den Schauspielern helfen, sich mit der Rolle zu identifizieren. In welche Richtung diese Rolle geht, liegt auch an meiner Interpretation und dem Verständnis, das sich zwischen Kostümbildnerin und Schauspielern entwickelt.“ Deshalb legt sie viel Wert auf gute Laune, Humor, Wärme, nicht nur auf Dokumentation, Wissen, Materialkenntnis und Schnittmuster. „Handwerk allein reicht nicht“, sagt sie. „Man muss psychologisches Gespür mitbringen. Das kann man nicht erlernen. Wenn man es hat, lässt es sich durch Erfahrung natürlich ausbauen.“

          Opulente Ausstattung: Jet Li als Kaiser in „Mulan“
          Opulente Ausstattung: Jet Li als Kaiser in „Mulan“ : Bild: AP

          Zurzeit arbeitet sie für Netflix

          Noch immer werde Kostüm- und Maskenbild als „inhaltliche und atmosphärische Stütze des Films“ unterschätzt, sagt sie. Viele Produzenten glaubten, sie könnten diese Sparten finanziell vernachlässigen. „Ein großer Irrtum!“ In diesem Zusammenhang setzt sie sich auch für Gehalts-Gleichberechtigung ein. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist in unserer Branche, in der überwiegend Frauen arbeiten, eine unerfüllte Forderung.“ Sie freut sich, dass die Bemühungen um mehr weibliche Präsenz im Kino etwas fruchten. Dass Disney eine Superproduktion wie „Mulan“ der Regisseurin Niki Caro anvertraut, ist bezeichnend. Aus dem großen Kinostart wurde leider nichts. Die Werbe-Tournee um die halbe Welt musste Daigeler im März 2020 abbrechen, als das Coronavirus alles lahmlegte.

          Zurzeit arbeitet sie in Berlin an der Netflix-Serie „1899“ von Baran bo Odar und Jantje Friese. Daigeler hat auch während der Pandemie durchgearbeitet. Das sei schwierig, weil der direkte Kontakt fehle: „Anproben über Zoom sind mühsam und langwierig. Das Reisen ist ein Problem, da Quarantäne-Pflichten jegliche Planung erschweren.“ Der Flug nach Los Angeles zu den Oscars ist abgesagt. „Corona und die Arbeit in Berlin machen meine Präsenz unmöglich, obwohl ich wahnsinnig gerne dabei wäre. Aber die Academy hat etwas für mich in Berlin vorbereitet.“ Große Hoffnungen, den Oscar ins Regal zu stellen, macht sich die Sechsundfünfzigjährige nicht. „Die Konkurrenz ist groß und sehr gut.“ Nicht nur Humor und fester Wille, auch ein ausgeprägter Realitätssinn gehört zu ihrem Beruf.

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