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Alte Tasche neu aufgelegt : Die Spezialisten für neue Klassiker

Rams-Interpreten: Dimitrios Tsatsas und Esther Schulze-Tsatsas in ihrem Frankfurter Atelier. Die Tasche ist eine Neuauflage des Modells, das Dieter Rams einst für seine Frau entworfen hatte. Bild: Claus Setzer

Ein Archetyp von einer Tasche: Schlicht, mit Riemen zum Umhängen, leicht zu öffnen und mit viel Platz – so ein Modell haben jetzt die Designer des Frankfurter Labels Tsatsas zusammen mit Dieter Rams entworfen.

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          Dieses Label wird langsam zur Anlaufstelle für Ikonen des 20. Jahrhunderts. Vor zwei Jahren kamen Lore Kramer, die Witwe des Architekten Ferdinand Kramer, und die zwei Designer des Taschenlabels Tsatsas zusammen. Ferdinand Kramer hatte für seine Frau in den sechziger Jahren zwei Handtaschen entworfen, eine für den Alltag, eine für den Abend. Esther Schulze-Tsatsas und Dimitrios Tsatsas nahmen sich die Tasche für den alltäglichen Gebrauch vor und entwickelten daraus ein neues Modell. „Erst vor zehn Minuten war ein Ehepaar da und hat eine Kramer-Tasche gekauft“, sagt Esther Schulze-Tsastsas.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und nun arbeiten die Designer mit Dieter Rams zusammen. Wieder ist es eine Tasche, wieder war sie ursprünglich für die Ehefrau gedacht, damals, in den sechziger Jahren. Und wieder passte die Tasche nicht so recht in die Produktsammlung des Mannes. In diesem Fall ist es einer, der mit Rasierern, Weckern, Lautsprechern zur Design-Legende wurde. „Aber Dieter Rams hatte als Chefdesigner von Braun Kontakt mit der Lederindustrie“, sagt Dimitrios Tsatsas. Braun sitzt in Kronberg, und in Offenbach ließ man Lederetuis fertigen, für Rasierer und Feuerzeuge. Da lag es nahe, dass er ein Modell für seine Frau Ingeborg entwarf. „Diese Tasche gab es nur ein einziges Mal, und sie ist noch immer im Besitz seiner Frau. Es ist ein Archetyp von einer Tasche. Wenn ein Kind eine zeichnen müsste, würde sie so aussehen.“ Ein Rechteck, daran ein Henkel, ein Schloss, das oben sitzt, so dass sich die Tasche leicht öffnen und breit auffächern lässt. Im Inneren eine für die Zeit außergewöhnlich gute Organisation, Fächer für das Wichtige und Nötige. Die Farbe: Schlamm.

          Eine ähnliche Tasche steht auf dem Tisch im Frankfurter Atelier der Tsatsas-Designer. Für die Neuauflage, oder besser Erstauflage, denn bislang gab es ja nur den Prototypen, haben die zwei in Zusammenarbeit mit Dieter Rams nicht viel verändert. Die Farbe ist anders, nämlich grau oder schwarz, und es gibt zusätzlich einen Riemen zum Umhängen. „Das braucht man heute“, sagt Esther Schulze-Tsatsas. Eine der größten Herausforderungen, die der heute 86 Jahre alte Designer den beiden jungen Kollegen mit dem Modell bereitete, war die Geometrie. „Aber es ist natürlich ein von Hand gefertigtes Produkt und mit Leder ein Naturmaterial. Es steht nicht einfach so.“ Bis die Geometrie stimmte, verging Zeit.

          Die nächste Zusammenarbeit mit einem Mann, der unsere Welt umgebaut hat, läuft schon. Fürs kommende Jahr planen die Designer ein Projekt mit dem Architekten David Chipperfield. „Es ist fast so, als fielen uns diese Projekte vor die Füße“, sagt Esther Schulze-Tsatsas. Es wird kein Zufall sein.

          Neuer Klassiker: Handtaschen-Modell von Esther Schulze-Tsatsas und Dimitrios Tsatsas.
          Neuer Klassiker: Handtaschen-Modell von Esther Schulze-Tsatsas und Dimitrios Tsatsas. : Bild: Claus Setzer

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