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Designerin Sandra Choi : Die Choo-Macherin

Auf dem Boden geblieben: Sandra Choi, die Nichte des Gründers, entwirft Jimmy Choo. Bild: Jimmy Choo

Sandra Choi hat studiert wie Galliano – und den Blick für den Wow-Effekt. Sie ist die Desigerin hinter Jimmy Choo, dessen Geldgeber eine deutsche Familie ist.

          Das hatten die Schuhfabrikanten in Italien auch noch nicht erlebt. Da standen ihnen vor etwa zwei Jahrzehnten plötzlich zwei junge Frauen aus London mit großen Plänen gegenüber, Tamara Mellon und Sandra Choi. Dabei war das Schuhhandwerk damals fest in Männerhand. „Für die Fabrikbesitzer war das ein bisschen seltsam“, erinnert sich Sandra Choi an ihre frühen Jahre in dem Geschäft. „Aber sie arbeiten immer noch für uns.“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Wobei Sandra Choi mit „uns“ heute die Marke Jimmy Choo meint. Denn Tamara Mellon, die den noch unbekannten Jimmy Choo im Londoner East End entdeckte und den frühen Markenaufbau zu großen Teilen finanzierte, ist längst ausbezahlt und ausgestiegen. Sandra Choi dagegen, die Nichte von Jimmy Choos Frau, die früh in das Geschäft ihres Onkels eingestiegen war, ist als Kreativdirektorin mit kristallklarem Erfolgswillen die treibende Wachstumskraft – und bringt die Marke ins Gespräch und ins Geschäft. Das ist schon die erste Überraschung. Denn Frauen sind selten in der Szene der High-End-High-Heels. Warum eigentlich haben da vor allem Männer wie Manolo Blahnik, Stuart Weitzman, Christian Louboutin, Giuseppe Zanotti, Sergio Rossi oder sein Sohn Gianvito Rossi ihren Auftritt? „Weiß ich auch nicht“, sagt Sandra Choi erfrischend direkt. Aber ihr fällt gleich ein Argument ein, warum es nicht so sein muss: „Wir Frauen sind sensibler.“

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          Ein bisschen Expertise schadet auch nicht. Bei ihr begann es als Kind. „Ich habe Mode immer geliebt.“ Mit 15 Jahren sah sie in einem Magazin John Gallianos Modeschulen-Abschlusskollektion. „Ich erinnere mich noch an das dekonstruierte zweireihige Jackett. Da sagte ich zu mir selbst: So etwas will ich machen.“ Das Mädchen, das auf der Isle of Wight geboren wurde und nach einigen Jahren in Hongkong wieder dort lebte, musste also fort. Die Inseljahre waren wie eine Inkubationszeit für eine Pubertierende, die in die Welt hinaus wollte. Die britische „Vogue“ konnte man dort zwar kaufen, aber für eine Fünfzehnjährige war sie einfach zu teuer. „Man versucht natürlich, der Insel zu entfliehen“, sagt sie heute, etwas unpersönlich, damit es nicht tiefenpsychologisch wird. Für eskapistische Gedanken bot die Londoner Szene, in der vor drei Jahrzehnten John Galliano der junge Wilde war, die ideale Projektionsfläche.

          Studium an der Central Saint Martins – wie Vorbild Galliano

          Also studierte sie Mode an Central Saint Martins, wie John Galliano. Nebenher arbeitete sie für ihren Onkel Jimmy Choo, der zwar nur eine Werkstatt im East End hatte, aber gute Jet-Set-Kunden wie Prinzessin Diana. Schon früh war sie auch an Architektur interessiert. Da ist es nur ein kleiner Schritt zu Schuhen, in denen gutes Design und stabile Konstruktion zusammenkommen müssen.

          „Glamour lives on“, meint Sandra Choi. Die Modelle der Marke Jimmy Choo jedenfalls stehen für den schönen Schein. Bilderstrecke

          Das alles hätte nicht viel gebracht, wenn sie nur nett geblieben wäre. Der nächste Satz der Selbstbeschreibung fällt denn auch deutlicher aus: „Ich bin ehrgeizig. Ich bin hungrig.“ Auf dem Weg zur Weltherrschaft stieg 2001 ihr Onkel aus, weil ein neuer Anteilseigner kam. Ihre einstige Partnerin Tamara Mellon ließ sich 2011 ausbezahlen, weil ein anderer Teilhaber kam. Sandra Choi, heute 47 Jahre alt und von alterslos strenger Schönheit, machte einfach immer weiter.

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