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Keramik von Kirsten Landwehr : „Für mich ist Töpfern meditativ“

  • -Aktualisiert am

Kirsten Landwehr mit ihrer Keramik Bild: Claudia Hornemann

Sie war Stylistin, Galeristin und betreibt ein kleines Accessoires-Label in Berlin. Seit kurzem hat Kirsten Landwehr die Keramik für sich entdeckt – mit erstaunlichen Nebeneffekten.

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          Bucklige Becher, zu einem wankenden Turm gestapelt; Schüsseln, mal in warme Farbe getunkt, mal mit rauer, matt scheinender Außenhaut und kunstvoll aufeinander drapiert. Vasen, die sich wie die Blumen, die sie vielleicht einmal bewohnen werden, zur Sonne zu krümmen. „21 Sculptural Things“ heißt die Pop-up-Ausstellung von Kirsten Landwehr, bei welcher sie vor einigen Wochen in den Berliner Räumlichkeiten des Goldschmiedeateliers Georg Hornemann erstmals die „skulpturalen Dinge“, die Tonarbeiten ihres jungen Labels „KL Keramik“ präsentiert.

          Ist das Kunst? Alltagsobjekte? Verführung zum Konsum? Fragen, die in Kirsten Landwehrs Arbeit schon immer irgendwie mitschwingen. In der Hauptstadt ist die sympathische Kreative keine Unbekannte. Ihre Karriere startete sie als Stylistin für Modemagazine. 2008 eröffnete Landwehr die mittlerweile geschlossene Galerie für Moderne Fotografie. Gerade kuratiert sie Kunst für ein im kommenden Jahr eröffnendes Hotel. Und mit Female Female betreibt sie nebenbei ein eigenes kleines Mode-Accessoires-Label. „Neulich erzählte ein Freund, er sei Sammler von Karrieren. Ich glaube, dass das auch auf mich zutrifft“, sagt sie und lacht.

          Neigen sich der Sonne entgegen: Vasen von Kirsten Landwehr
          Neigen sich der Sonne entgegen: Vasen von Kirsten Landwehr : Bild: Hersteller

          Mit „KL Keramik“ ist jetzt also noch eine Karriere dazu gekommen. Damit hat sich Landwehr nicht das schlechteste Handwerk ausgesucht. Immerhin erlebt Keramik derzeit eine Renaissance. Weg war es ja nie. Nur kommt heute keine Wohnung oder kein Restaurant, das in Sachen Zeitgeist etwas auf sich hält, mehr ohne idealerweise selbst getöpferte Schalen, Vasen und Teller aus, ob in bunten Farben glasiert oder in erdigen Tönen belassen. Oft stammen die aus kleinen Manufakturen von Menschen, die einfach mal losgelegt haben und sich sukzessive professionalisieren. Wie Kirsten Landwehr.

          „Für mich ist Töpfern meditativ“

          Vor drei Jahren begann sie, bei einem Freund Stunden zu nehmen. Zweimal die Woche, ein intensives wie strenges Programm. „Irgendwann sagte er: ‚Ich habe jetzt keine Zeit mehr‘, und schubste mich damit aus dem Nest“, sagt Landwehr. Also launchte sie ihre eigene kleine Linie aus Keramikobjekten. Derzeit verkauft sie „KL Keramik“ auf Anfrage, etwa über ihre Social-Media-Kanäle. Oder, wie jetzt zum Berliner Gallery Weekend, für einen Monat im Pop-up-Shop der Boutique Salbazaar in Berlin-Mitte.

          Angefangen hatte sie aus einem „Wunsch nach Konzentration“ heraus: „Das klingt nach einem totalen Klischee, aber für mich ist Töpfern meditativ.“ Gleichzeitig sei Arbeiten heute oft unkonkret. Beim Töpfern hätte man gleich etwas in der Hand. Arbeiten mit den Händen? Das ist sowieso die Sehnsucht nach Haptik in einer zunehmend entkörperten digitalen Welt. Ton, vielleicht der Archetyp menschlichen Produktionsmaterials, ist für Landwehr zudem „irre spannend – da kannst du dich bis an dein Lebensende dran abarbeiten.“

          Perfekt unperfekt: Keramik von Kirsten Landwehr
          Perfekt unperfekt: Keramik von Kirsten Landwehr : Bild: Hersteller

          Es ist in der Tat faszinierend, dass aus diesem Jahrtausende alten Material doch immer wieder Neues entsteht. Landwehr zum Beispiel lässt ihre Erfahrungen im Umgang mit Oberflächenbeschaffenheiten, wie sie es noch von Stoffen aus der Mode kennt, genauso in ihre Keramiken einfließen wie einen besonderen Umgang mit Formen und Farben – auch in der Auseinandersetzung mit Fotografie hat sie dafür ihr Auge geschult. „Im Grunde“, sagt sie, „läuft alles, was ich vorher gemacht habe, auf die Töpferei hinaus.“

          Landwehrs Töpferarbeiten leben von kleinen Verschiebungen in der Wahrnehmung, die den Betrachter irritieren, weil sie mit gelernten Sehgewohnheiten brechen. Aus allem spricht heute ihre Freude für Ungewöhnliches, „vielleicht auch für Unförmigkeit“, sagt sie. „Alles ist etwas wild und nicht zu perfekt.“

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