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Designerin Iris von Arnim : Sie hat durchgehalten

Iris von Arnim in ihrer Hamburger Wohnung. Bild: Lucas Wahl

Iris von Arnim ist eine Designerin – und sie ist eine Marke. Eine überaus erfolgreiche im hart umkämpften Modemarkt. Und das seit 35 Jahren.

          Bevor man sie sieht, hört man sie. Iris von Arnim sitzt hinter verschlossenen Türen in ihrem Büro und diskutiert. Mit ihrer kräftigen, rauchigen Stimme könnte sie eine Fußballmannschaft vom Spielfeldrand aus dirigieren. Oder eine Kompanie befehligen. Oder ein Blues-Album aufnehmen. Ihre Begrüßung ist herzlich, ihre Präsenz raumgreifend.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Iris von Arnim ist ein Mensch – und sie ist eine Marke. Diese Kombination gibt es nicht mehr oft in der Branche, seit die Mode globalisiert, vertikalisiert und entpersonalisiert wurde. Chanel, Dior, Gucci leben vom alten Glanz ihrer Gründer – und wirken doch oft seelenlos. Die deutsche Luxusmode schwächelt, seit ehemalige Familienunternehmen wie Rena Lange und Escada entweder insolvent werden oder als Investorenfutter ihre Identität verlieren. Doch Iris von Arnim bleibt Iris von Arnim. Seit 35 Jahren. Ende Januar feierte sie ihren 70. Geburtstag.

          Geburtstagsparty bis um fünf Uhr morgens

          Das Alter sieht man der schlanken, großen Frau nicht an, obwohl sie jede einzelne Falte mit Würde trägt. Stolz wie ein Teenager erzählt sie von ihrer Geburtstagsparty und lacht ihr rauhes Lachen, während sie an der Zigarette zieht. 300 Gäste waren da, Videos von ihren frühen Modenschauen aus den achtziger Jahren wurden an die Fassade ihrer weißen Villa in Hamburgs vornehmem Stadtteil Harvestehude projiziert. Um fünf Uhr morgens gingen die letzten Gäste.

          Von Arnims Weg in die Mode war alles andere als gradlinig. Wenn sie davon erzählt, sprudelt es aus ihr heraus, ein lebendiger Bericht mit vielen Erzählsträngen, die sich manchmal ineinander verheddern. Mehr als einmal sagt sie: „Was war noch mal die Frage?“ Meistens weiß man es selbst nicht mehr, weil man das Erzählte längst schon interessanter findet als das, was man eigentlich wissen wollte.

          Sie fläzt sich in den Ledersessel am Kamin. Vom Wintergarten aus blickt man in Richtung Außenalster. Harvestehude, Sylt, die Hamburger Gesellschaft, der Adel – es scheint ein geschlossener Kosmos zu sein, in dem von Arnim lebt. Aber nur auf den ersten Blick, denn sie ist mehr als eine Designerin hochwertiger Kaschmirpullover für betuchte Kundinnen. Sie lebt und arbeitet in der Welt des Luxus, aber sie ist kein Luxusgeschöpf, das betont sie, während sie ihre Haare nach hinten wirft. Statt Geschenken wünschte sie sich an ihrem Geburtstag Spenden für ein geplantes, aber umstrittenes Flüchtlingsheim zwei Straßen weiter. Anders als viele im Viertel hätte sie nichts gegen den Einbruch des Realen in die blankgeputzte Welt der Fassaden.

          Die Suche nach Halt im Leben

          Iris von Arnims Start ins Leben war frei von Glamour. Kurz nach ihrer Geburt musste die Familie Hab und Gut in Schlesien aufgeben und Richtung Westen fliehen. Drei Jahre später starb ihre Mutter. Im Jahr 1951 saß sie mit ihrem Vater, der an seinen Kriegsverletzungen laborierte, und ihrem Bruder in einer Sozialwohnung in Hannover. Mit sechs Jahren war das Mädchen Iris führungslos. „Mein Vater war kein Vorbild, weil er traumatisiert war. Wir waren zwar alter preußischer Adel, aber wenn man Flüchtling ist und nichts hat, glaubt man nicht, dass man etwas Besseres ist“, erzählt sie. Das Mädchen orientierte sich an anderen, an den Müttern der Freunde, an entfernten Tanten.

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