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Designerin Iris von Arnim : Sie hat durchgehalten

Nach fünf Jahren hatte sie genug von Motivpullovern und reiste nach Italien, um sich einen Textilhersteller zu suchen, der nach ihren Entwürfen Kaschmirpullover fertigte. „Damals gab es auf dem deutschen Markt relativ wenig Kaschmir.“ Der Erfolg stellte sich schnell ein. Wenige Jahre später gab man ihr den Namen „Kaschmir-Queen“, der noch heute bemüht wird, wenn man von Arnim zu kategorisieren versucht. Einen Teil ihres Erfolgs sieht sie darin, dass sie eine Frau wie jede andere ist, „die mal dicker, mal dünner ist, die sich mal mehr präsentieren oder mal mehr verstecken will“. Ihre Mode ist alltagstauglich. „Männliche Designer haben nur das Model, an dem sie drapieren, aber was nützt das schönste Styling, wenn man es nicht tragen kann?“

Von Arnims Sohn will Marke vorantreiben

Mitte der achtziger Jahre war sie eine handfeste Unternehmerin. Sie kaufte sich eine Stadtvilla in Harvestehude, die heute gleichermaßen als Firmensitz wie als Wohnhaus dient. Das Atelier ist nun dort untergebracht, wo damals das Kinderzimmer ihres Sohnes Valentin war. Der ist mittlerweile 35 Jahre alt und vor neun Jahren in das Unternehmen eingestiegen. Mitgebracht hat er seine Kenntnisse als Investmentbanker bei Goldman Sachs in New York. Er will als Geschäftsführer die Marke vorantreiben, nicht zuletzt mit preußischen Tugenden: Er wirkt diszipliniert, durchsetzungsstark und ist dabei höflich und zuvorkommend. Dass es zwischen ihm und seiner Mutter anfangs geknirscht hat, deuten beide nur an.

Vor allem, was das Marketing der Marke betrifft, hat er an der Schraube gedreht. Man arbeitet mit einer Agentur in Los Angeles zusammen. Seitdem trägt auch die Hollywood-Prominenz von Jessica Alba bis Gwen Stefani Pullover von Iris von Arnim. Gerade die Vereinigten Staaten seien ein ausbaufähiger Markt, sagt Valentin von Arnim. Das Luxuskaufhaus Bergdorf Goodman hat die Kollektion, die längst nicht mehr nur aus Kaschmirpullovern besteht, in der dritten Saison im Sortiment, der größte Kunde sitzt in Aspen, Colorado. Die wohlhabenden Amerikaner interessierten sich zunehmend weniger für Massenkonsum, das könne man nutzen. Iris von Arnim, ein Familienunternehmen, das für Nachhaltigkeit und für hochwertige Alltagsmode steht – das passt in die Zeit. Die Luxuskundin von heute sei nicht an einer Yacht interessiert, sondern an ihrer Familie und an Gesundheit, sagt von Arnim. Demnächst wird ein neuer Laden in Düsseldorf eröffnet, im Juni ein weiterer in Kitzbühel.

In den letzten Wochen hat Iris von Arnim viel Anerkennung erfahren, sie freut sich darüber und scheint auch irgendwie verwundert, so als könne sie es selbst kaum glauben: Ausgerechnet sie, das kopflose Mädchen von einst, hat das alles auf die Beine gestellt – und so lange durchgehalten.

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