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Designerin Iris von Arnim : Sie hat durchgehalten

Die Suche nach etwas, das von Arnim Halt gibt, blieb lange Zeit ihr Lebensthema. Positiv betrachtet, war sie eine Abenteurerin, ein „freier Vogel“, wie sie selbst sagt, aus preußischer Sicht war sie eine junge Frau, die kein Ziel vor Augen hatte. „Ich konnte immer Menschen begeistern, weil ich neugierig bin und die Menschen anstrahle, aber ich habe auch manche enttäuscht, weil ich keine Disziplin hatte.“ Sie fing schnell etwas an, hatte schnell Erfolg, aber sie blieb nie bei einer Sache.

Da war die Idee, Fotografin werden zu wollen. Sie war 27 Jahre alt und flog mit ein paar Freunden auf die Seychellen. „Damals wurde auf der Insel gerade erst der Flughafen eröffnet, und wer landete, wurde persönlich vom Ministerpräsidenten abgeholt.“ Sie hatte eine Kamera dabei und fotografierte die Einheimischen. Ein Freund sagte: „Das sind ja tolle Porträts.“ Dabei hatte sie einfach nur draufgedrückt. Zu der Erkenntnis, dass man für schöne Fotos auch die Technik einer Kamera kennen muss, kam sie später. Und dazu, dass ihr der Aufwand zu groß war, sich damit ernsthaft zu beschäftigen.

Sie versuchte sich als Boulevard-Journalistin, als PR-Frau, als Werbetexterin. Sie lebte in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und München, wo sie auch schon mal auf dem Oktoberfest jobbte. Ihr Leben war spätestens aus den Fugen, als sie Anfang der siebziger Jahre mit ihrem VW-Käfer einen schweren Autounfall am Eschborner Dreieck hatte. Über mehrere Jahre musste sie immer wieder ins Krankenhaus, mal ein halbes Jahr, mal zwei Monate.

Erster kleiner Laden für 160 Euro Miete im Monat

Im Rückblick war das womöglich ihr Glück: Ein Freund brachte ihr Wolle und Stricknadeln ins Krankenhaus, damit sie Beschäftigung hatte. Sie strickte, erst nur zum Zeitvertreib, dann gab es immer mehr Freundinnen, die ihre Pullover in knalligen Farben toll fanden und auch einen haben wollten. Schließlich kehrte sie München den Rücken, der Stadt, die ihr kein Glück gebracht hatte („verkehrte Freunde, verkehrte Jobs“), und zog nach Hamburg. Das war 1976. Sie mietete einen kleinen Laden am Großneumarkt für 160 Mark im Monat. In den hinteren Räumen konnte sie wohnen. Ein Freund, der Architekt war, baute ihr ein Regal aus Papprollen und Glasplatten, „das war alles ein bisschen ,do it yourself‘“. Aber genau das Richtige. Ihre Pullover kosteten 300 Mark, die Miete war schnell verdient. Und sie war ihr eigener Herr, zum ersten Mal.

Ein lukratives Geschäft wurde aber erst daraus, als sie die Pullover auch in einem Laden in Kampen auf Sylt anbot. In Hamburg verkaufte sie sechs Pullover im Monat, auf Sylt waren es plötzlich sechs am Tag. „Ich war damals relativ einmalig mit meinen Motivpullovern“, erklärt sie den Erfolg und ergänzt belustigt: „Damals war kein Fuchs, kein Pandabär, keine Giraffe vor mir sicher. Ich wälzte unentwegt Kunstbände und verarbeitete Kandinsky, Schlemmer oder Miró.“

Auf einmal war sie in der Luxuswelt angelangt. Mit ihrer Mode – und ihrem Leben. 1979 wurde ihr Sohn Valentin geboren, der Vater ein angesehener Arzt. Ihre Existenz wäre gesichert gewesen. Sie entschied sich anders. „Ich wollte immer selbst etwas schaffen, und das auch nicht aufgeben, um als Gattin an der Seite eines vermögenden Mannes zu leben“, sagt sie heute, „deshalb habe ich den Vater meines Sohnes verlassen, als ich merkte, wir passen nicht zusammen.“

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