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Sebastian Herkner Bild: Evelyn Dragan

Designer Sebastian Herkner : „Was mir zum Glück fehlt? Geduld“

  • -Aktualisiert am

Sebastian Herkner gehört zu den gefragtesten Designern unserer Zeit. Zum Start der Möbelmesse in Köln beantwortet er unseren Fragebogen.

          3 Min.

          Wenn am Montag die Möbelmesse in Köln beginnt, dann ist sein Name wieder in aller Munde. Der Offenbacher Sebastian Herkner, der unter anderem für Thonet, Moroso und Wittmann entwirft, gehört zu den gefragtesten Designern unserer Zeit. Er fusioniert sinnliche Formen mit ehrlicher Handwerkskunst ohne jede Angst, „zu sehr im Dekor" zu stecken. Im Gepäck hat Herkner nach mehreren Jahren Arbeit die Neuinterpretation eines Klassikers: seinen Beistelltisch Bell Table, der den Designer vor acht Jahren auf einen Schlag berühmt machte. Er wird von Classicon nun auch als großer Esstisch produziert.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Ich frühstücke prinzipiell nicht. Ich stehe früh auf, mache mich fertig und gehe ins Studio.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Immer spontan, meistens, wenn ich unterwegs bin. Ich verbinde Kleidung eher mit einem Ort als mit einer Marke: Wenn ich etwas sehe, und es gefällt mir, dann kaufe ich's. Tokio ist ein guter Ort dafür, von Uniqlo bis zu kleinen Labels.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ein schwarzer Trenchcoat im Frackschnitt von Hedi Slimane, aus seiner ersten Dior-Homme-Kollektion 2001/02. Leider passt er mir nicht mehr, und er wird mir auch nie mehr passen. Im Schrank bleibt er trotzdem.

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          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Ich schreibe lieber Postkarten als Briefe. Das Problem ist leider, dass es in manchen Ländern keine Postkarten gibt, zum Beispiel in China.

          Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?

          „Lettres à Yves" von Pierre Bergé, ein Buch über Liebe und Verzeihen, sehr intim. Es zeigt, wie vielgestaltig Liebe sein kann. Und es ist kurzweilig: Ich habe es auf einem Flug gelesen.

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Ich lese werktags die „Süddeutsche" und sonntags die F.A.S., ab und an den „Spiegel". Und ich schaue immer die „Tagesschau", zumindest wenn ich zu Hause in Offenbach bin.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Smalltalk ist lästig, gerade auf Messen. Die Standardfragen: „Wo kommst du her?" oder „Was machst du gerade?" Glücklicherweise gibt es aber auch Möglichkeiten, Smalltalk aus dem Weg zu gehen.

          Entworfen von Sebastian Herkner: Die Plissee Leuchte

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Ich weine bei jedem zweiten Film, zuletzt bei „Green Book". Am unangenehmsten ist das im Flugzeug, wenn die Stewardess kommt und fragt, ob alles okay ist.

          Sind Sie abergläubisch?

          Gewissermaßen. Vor jedem Flug schicke ich meinem Mann aus dem Duty Free ein Foto des Parfums, das er am Tag unseres Kennenlernens getragen hat. Ich darf das auf keinen Fall vergessen. Erst wenn ich es ihm geschickt habe, bin ich sicher unterwegs.

          Worüber können Sie lachen?

          Als Kind über Louis de Funès, heute aber auch oft und gern über mich selbst. Zugfahrten sind auch nicht zu missachten: Die sind meist sehr unterhaltsam.

          Ihr Lieblingsvorname?

          Der zweite Vorname meiner Mutter: Helga Meta Ritter. Meta – ein Wahnsinnsname. Erstaunlich, dass der in Zeiten von „Ida“ und „Frieda“ noch keine Karriere gemacht hat.

          Machen Sie eine Mittagspause?

          In der Regel bringt mir mein Team etwas zu essen mit. Richtiges Mittagessen mache ich nur mit Kunden – bei Italienern kann das auch schon mal zwei Stunden dauern, inklusive Wein.

          In welchem Land würden Sie gerne leben?

          Es kommt nicht auf das Land an, sondern auf die Begegnungen. Selbst in Ländern, die ich nicht sonderlich mag, habe ich schon tolle Menschen kennengelernt.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Eiswürfel, denn die macht er von alleine. Und Wasabi. Nicht zum Sushi, sondern als Brotaufstrich. Bestimmt ein Frevel für Japaner.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Ich bin Autofahrer. Ich benutze meines nicht oft, aber wenn ich es benutze, benutze ich es gern, häufig für Fahrten zum Flughafen. Carsharing gefällt mir nicht.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Beobachten.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          Rolltreppe fahren.

          Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?

          David Bowie während seiner Zeit in Berlin.

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Ich trage einen Goldring an der Linken, in den das Datum der Verlobung mit meinem Mann eingraviert ist. Er war erst der Verlobungsring und wurde später zum Ehering. Außerdem trage ich eine Automatik-Uhr.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Ja: Panierte Ringelbratwürste zu Rotkraut und Bratkartoffeln mit Kümmel. Das ist das Gericht, das mein Vater nur einmal im Jahr kocht: an Weihnachten. Wenn ich daran denke, habe ich den Duft sofort in der Nase.

          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Ein Roadtrip durch die endlose Weite Islands mit meinem Mann.

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          Bei Aura Dione im „Bett“ in Frankfurt. Ich kannte sie zwar nicht, aber der Name klang gut, und sie ist Dänin, also habe ich zwei Karten gekauft. Es war ein phantastisches Konzert.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Geduld.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Weil ich den ganzen Tag über nur Wasser trinke und keinen Kaffee, darf es zum Abendessen schon mal ein Gin Tonic sein.

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