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Raf Simons neben Miuccia Prada : Erstmals Co-Chefdesigner bei Prada

  • -Aktualisiert am

Raf Simons und Miuccia Prada: Er wird für sie als Ko-Chefdesigner arbeiten. (Archivbild) Bild: Prada

Sensation in Mailand: Der belgische Designer Raf Simons wird neben Miuccia Prada Chefdesigner bei Prada. Das ist ein überraschender und mutiger Schritt für eine der besten Modemarken der Welt.

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          Die Mailänder Modewoche neigte sich langsam dem Ende zu, da steuerte sie plötzlich auf ihren Höhepunkt zu. Kurzfristig wurde für Sonntagmittag eine Pressekonferenz bei Prada angekündigt – just zu der Zeit, als die deutsche Marke Hugo Boss ihre Kollektion für Herbst und Winter 2020 präsentierte, die dann nicht im Fokus der Öffentlichkeit stand.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Miuccia Prada und ihr Mann Patrizio Bertelli, der die Geschäfte führt, hatten eine Sensation zu verkünden. Die Chefdesignerin, die seit mehr als drei Jahrzehnten Kreativdirektorin ihrer eigenen Marke ist und sie zu einem der wichtigsten Luxushäuser der Welt aufgebaut hat, wird künftig noch einen Mann an ihrer Seite haben: den belgischen Designer Raf Simons.

          Schon Tage zuvor hatte es Gerüchte gegeben, er werde die Zweitlinie MiuMiu übernehmen, er suche schon eine Wohnung in Mailand. Niemand hätte vermutet, dass nun beide gemeinsam zu gleichen Teilen alle kreativen Entscheidungen verantworten – das klingt zu seltsam in einer von Eitelkeiten geprägten Branche. Aber offensichtlich, auch das wird bei der Pressekonferenz in einem schmucklosen Konferenzraum in der Prada-Zentrale deutlich, verstehen sie sich gut. Die Siebzigjährige und der Zweiundfünfzigjährige suchen nicht das Rampenlicht, beide wirken in ihren Antworten ungelenk und schüchtern. Im Gegensatz zu CEO Bertelli, der beinahe väterlich über die Kooperation sagt: „Es ist nicht nur eine professionelle, sondern auch eine menschliche Beziehung.“

          Gleichberechtigte Zusammenarbeit

          Prada und Bertelli kennen Raf Simons seit 2005, als er Kreativdirektor der damaligen Prada-Tochtergesellschaft Jil Sander wurde. Simons, der seit 1995 seine eigene Herrenmode-Marke betreibt (und sie auch nun weiterführen wird), blieb bis 2012 bei Jil Sander. Dann ging er als Chefdesigner zu Dior, bevor er 2016 zu Calvin Klein nach New York wechselte. Als er die amerikanische Marke nach nur wenigen Saisons Ende 2018 verließ, sei er wegen einer möglichen Zusammenarbeit angesprochen worden, berichtet er. Seitdem habe es mit Miuccia Gespräche gegeben. Irgendwann hätten sie gesagt: „Lass es uns machen.“

          Miuccia Prada sagte, sie werde sich damit nicht aus der kreativen Verantwortung für die Marke zurückziehen. „Ich arbeite gerne. Machen Sie mich nicht älter, als ich bin“, sagte sie auf eine entsprechende Frage und ergänzte: „Ich bin sehr erfreut darüber. Es wird frischen Wind bringen.“

          Prada am vergangenen Donnerstag: Die Kollektion für Herbst und Winter 2020 ist die vorerst letzte, die Miuccia Prada allein entworfen hat.

          Die Zusammenarbeit sei gleichberechtigt. „Ich mache Prada in all seinen Facetten“, sagte Simons. „Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf den Dialog mit Miuccia und ihrem Team freue.“ Zu einer möglichen Beteiligung am Unternehmen wollte er sich nicht äußern. „Es ist eine Herausforderung, aber wir respektieren uns und werden sehen, wo wir gemeinsam hingehen“, sagte Prada. „Wenn beide an etwas glauben, machen wir es. Wenn einer etwas nicht will, machen wir es auch nicht. So simpel ist es.“

          Simons Kritik an der Modebranche

          Auf die Frage nach unterschiedlichen Stärken sagte Raf Simons: „Ich erkenne schon Unterschiede, aber ich beabsichtige, das als Herausforderung zu sehen.“ Simons, der künftig zwischen Antwerpen und Mailand pendeln wird, verglich die neue Kooperation mit einer politischen Partei, die gemeinsame Ideen verfolge. Prada sagte dazu nur kurz: „Ich stimme zu.“

          Raf Simons nutzte die Gelegenheit, um Kritik an der Modebranche zu üben. Es gebe immer mehr Marken, bei denen die geschäftliche Seite wichtiger als die kreative sei. Als ein Journalist nachfragte, wie er das meine, fragte er zurück: „Bin ich der Einzige, der das so sieht?“ Viele andere Designer, mit denen er gesprochen haben, sähen es auch so. Es sei wichtig, in dieser Branche nicht die Kreativität zu vergessen.

          Vom 2. April an zeigt sich, ob seine Ideen mit den geschäftlichen Vorstellungen von Patrizio Bertelli harmonieren, der sich schon mit Designern wie Jil Sander und Helmut Lang überwarf. Simons gilt als hochbegabter und zugleich sensibler Modemacher. Seine Eigenwilligkeit passt andererseits zu Miuccia Prada, die stets ihren eigenen Weg gegangen ist und so Trends setzte. Im September wird man es sehen: Dann präsentieren die Doppel-Designer in Mailand ihre erste gemeinsame Kollektion, für Frühjahr und Sommer 2021.

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