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Alle paar Jahre wieder : Designer Raf Simons verlässt Calvin Klein

Goodbye! Raf Simons verlässt Calvin Klein. Bild: AFP

Kurz vor Weihnachten gibt Calvin Klein den Rücktritt des Designers Raf Simons bekannt. Seine Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück. Die Mode unserer Zeit prägen andere gerade stärker als er.

          Dieses Mal sollte es für länger sein, wirklich. Nachdem Raf Simons nach nur drei Jahren seine Stelle als Kreativ-Direktor bei Dior 2015 verlassen hatte, unterschrieb er im Jahr drauf den Mega-Deal bei Calvin Klein. Ein bombastisches Gehalt von 18 Millionen Dollar im Jahr, Verantwortung nicht nur für die Damenlinie, sondern für alles, was bei diesem Haus, das so sehr für amerikanische Mode steht wie ansonsten nur noch Ralph Lauren und Tommy Hilfiger, mit Produkt zu tun hatte – für die Düfte, die Jeans, die Unterwäsche, die Herrenmode. Sein Titel im auf jobtitel-fixierten Amerika: Kreativ-Vorstandsvorsitzender. Dass die Aufgabe für den Belgier mehr als ein Engagement sein sollte, also echt mal für länger als einige Saisons, zeigte sein konsequenter Umzug. Auch seine gleichnamige Marke siedelte er von Antwerpen nach New York um. Er kaufte sich einen Hund.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gut möglich, dass Raf Simons sich in New York mittlerweile zu Hause fühlt, das Arbeitsverhältnis mit Calvin Klein ist nun trotzdem schon wieder Geschichte, bevor er überhaupt richtig dazu kam, hier seine eigene Geschichte zu schreiben. Ganz kurz, bevor sich auch die Modeleute aufmachen in die Weihnachtsferien, am frühen Freitagabend New Yorker Zeit, kündigte das Haus den Rücktritt von Raf Simons an. Die Auffassungen davon, wohin es für den Kahn von einem Modehaus in Zukunft gehen sollte, seien dann doch zu unterschiedlich gewesen.

          Fellslipper, Strumpfstiefel und Daunenjacken

          Auf der einen Seite steht da Raf Simons, der 1968 in Flandern geborene Designer, mit dem feinen Sinn für Schönes, für Stücke, die auf den Laufstegen für atemberaubende Schauen sorgten, denen es an Botschaft wahrlich nie fehlte. Man sah es früh an seiner Arbeit für Jil Sander, damit gab er dem im Minimalismus verhafteten Haus in der nuller Jahren eine Zukunft. Bei Dior knüpfte er nach der Ära John Galliano an die Wurzeln der Marke an und half ihr so, zu sich selbst zurückzufinden. Auch seinen Entwürfen bei Calvin Klein fehlte es im Amerika unter dem Eindruck von Donald Trump wahrlich nie an Botschaft. Der Wilde Westen, die Siedler von damals und die Migrantenkultur, die das Land bis heute prägen, waren seine Themen. Und natürlich die amerikanische Popkultur, ohne die Mode, wie sie heute ist, gar nicht möglich wäre. Die Damenlinie stand im Zeichen eines völlig neuen Labels. 205W39NYC hieß es, die Adresse der Firmenzentrale. Soll niemand sagen, Raf Simons wäre nicht in New York angekommen.

          Die Mode unserer Zeit prägten andere mit ihrem Stil trotzdem stärker, Alessandro Michele bei Gucci zum Beispiel. Oder Demna Gvasalia bei Balenciaga. Gegen die Fellslipper und die Kollision an Farben und Muster des einen, gegen die Strumpfstiefel und fetten Daunenjacken des anderen kam Calvin Klein mit Raf Simons' Cowboyboots und Rollkragenpullover nicht an. Die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück.

          Denn auf der anderen Seite steht der Phillips-Van-Heusen-Konzern, Eigentümer von Calvin Klein, der mit der wirtschaftlichen Performance der Marke schon länger nicht zufrieden gewesen sein wird. Im November äußerte sich der PVH-Chef Emanuel Chirico recht deutlich. Dazu musste er gar nicht den Namen Raf Simons erwähnen. Das Geschäft von Calvin Klein 2015W39NYC sei „enttäuschend“, die Ware von Calvin Klein Jeans zu „überhöht“, um kommerziell ein Erfolg zu sein. Dabei hatte er damals, als Raf Simons dazu kam, große Pläne: Aus der 8-Milliarden-Marke sollte eine 10-Milliarden-Marke werden.  

          Spannungen habe es nach Informationen des Branchenblatts „Women’s Wear Daily“ schon länger gegeben, nachdem das Haus es für besser hielt, Raf Simons’ Verantwortung ein wenig einzuschränken, um Bereiche wie Ladendesign, Online-Handel und Kommunikation. Auch mit dem Einhalten von Budgetvorgaben habe es Simons nicht so genau genommen. Das alles führte zu Differenzen. Zuletzt soll Raf Simons nicht mehr viel Zeit im Büro verbracht haben. Es ist die dritte Tür in sechs Jahren die er hinter sich schließt, die sich auch hinter ihm schließt.

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