https://www.faz.net/-hrx-8h5rb

Designer Philippe Starck : „Ich bin schrecklich langweilig, sogar für mich selbst“

Drei Haselnüsse für Philippe Starck: Genau drei Nüsse isst er nämlich zum Frühstück. Bild: Frank Röth

Philippe Starck gelingt als Produkt-Designer einfach alles. Im Stil-Fragebogen spricht er über seine Verachtung für Jogginghosen, die er aber selbst trägt. Und warum er nie in den Urlaub fährt.

          3 Min.

          Er ist der Star unter den Designern, aber er mag es überhaupt nicht, wenn er im Mittelpunkt steht. Philippe Starck nennt das „Folter“. „Aber ich weiß, es ist Teil meines Jobs.“ Kein anderer Produktdesigner ist so berühmt. Der Franzose, 1949 in Paris geboren, kann alles: Schuhe, Yachten, Stühle, Motorräder, Hotels, Champagner und Parfüm. Auf der Möbelmesse in Mailand stellte er gleich mehrere Neuheiten vor, darunter den superbequemen Sessel „Cinemascope“ (Driade). „Wenn alle Staatschefs diesen Sessel hätten“, sagt er, „wären sie besser gelaunt – und die Welt wäre ein besserer Ort.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Eine Scheibe glutenfreies Schwarzbrot mit Honig, Granatapfelkerne, frisch gepressten Granatapfelsaft, zwei Walnüsse, zwei Paranüsse, drei Haselnüsse, drei Mandeln und einen Aufguss, der den Säure-Base-Haushalt unterstützt. Ich hoffe, Pillen ersetzen das alles irgendwann.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Dafür habe ich nie Zeit. Wenn mir etwas gefällt, kaufe ich gleich 20 Teile. Mein Stil hat etwas von Motorrad- und Lastwagenfahrer zugleich: Bergwanderschuhe von Salomon, graue Levis 501, mein „S+arck with Ballantyne“-Kaschmir-Pullover, Motorrad-Jacke, meine Starck-Brille.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?

          Nein, aber meine weibliche Seite kauft gerne Kleider für meine Frau.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Meine mit Fell gefütterten Pilotenlederstiefel, die ich von meinem Vater geerbt habe.

          Was war Ihre größte Modesünde?

          Als ich jung war, war ich meiner Großmutter und Mutter nicht maskulin genug. Sie verpassten mir den Haarschnitt von Warren Beatty, einen schwarzen Rollkragenpullover, eine weiße Seidenhose und weiße Mokassins. Ich kann froh sein, dass ich nicht mit Tomaten beworfen wurde.

          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?

          Ich verachte Menschen, die in Flugzeugen Jogginghosen tragen. Das Schlimmste daran ist, dass ich sie heute selbst überall trage: zu Hause, im Flugzeug, auf der Straße. Ich habe jede Achtung vor mir verloren.

          Haben Sie Stil-Vorbilder?

          Cary Grant und Fred Astaire. Jeder Versuch meinerseits, ihren Stil zu imitieren, wäre sinnlos.

          Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder ein Möbelstück selbst gemacht?

          An vielen, wie der Starck-Kaschmir-Kollektion mit Ballantyne, habe ich mitgearbeitet. Sie war wunderbar. Als die Teile für 1000 Euro auf den Markt kamen, bot Uniqlo welche für 39 Euro an. Damit hatte sich das Ganze erledigt.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?

          Ich mische japanische Schalen mit Holztellern, die aus den „Briccole“ gemacht sind, den alten Eichenpfählen, auf denen die Lagunenstadt Venedig steht, und den Gläsern des italienischen Kochs Massimiliano Alajmo.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?

          Wenn ich koche, dann ein Mahl à l'impromptu in 30 Minuten für 30 Freunde, mit allem, was der Kühlschrank hergibt, während ich Champagner trinke. Das hilft.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?

          Ich lese kaum Zeitungen und Magazine außer „Le Chasse-Marée“ wegen des Meeresrauschens darin, „Le Tigre“ wegen der Schärfe des Geistes und „Sciences et Avenir“ fürs mentale Training.

           Welche Websites und Blogs lesen Sie?

          „Soon Soon Soon“, „Bio Consom'acteurs“, „TEDBlog“.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Ich habe kein Handy und keinen Computer und daher nicht das Gefühl, zu wenig mit der Hand zu schreiben.

          Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

          Es gab viele Bücher in meinem Leben, „Ubik“ von Philip K. Dick gehört zu den wichtigsten.

          Ihre Lieblingsvornamen?

          Die Namen meiner Kinder: Ara, Oa, K, Lago und Justice.

          Ihr Lieblingsfilm?

          „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Ich meide Autos. Wenn ich reise, dann in Flugzeugen und auf Schiffen, auf dem Motorrad und Fahrrad.

          Tragen Sie eine Uhr?

          Eine 25 Jahre alte Starck-Uhr für 80 Dollar.

          Tragen Sie Schmuck?

          Mir fehlt die Software, um Schmuck an mir zu schätzen. Ich hoffe aber, ich habe sie für meine Frau.

          Haben Sie einen Lieblings-Duft?

          Mit meiner Frau Jasmine habe ich vier Jahre an drei Düften gearbeitet, die im September als „Starck Paris“ auf den Markt kommen. Dafür haben wir Moleküle verwendet, die noch nie zuvor benutzt wurden.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Selbstkritik.

          Was ist Ihre größte Schwäche?

          Andere Menschen zu beobachten und darüber nachzudenken, was sie wohl gerade bewegt.

          Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

          Mich einfach zu mögen.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Ich schweige lieber. Der französische Philosoph Jacques Lacan sagte: „Le dit tue.“ Damit meinte er: Wer redet, zerstört, was er eigentlich ausdrücken will. Das heißt, ich bin schrecklich langweilig, sogar für mich selbst.

          Sind Sie abergläubisch?

          Ich sollte mich schämen, abergläubisch zu sein. Denn der Aberglaube stammt aus einer Zeit, als das Gehirn des Menschen zu klein war, um das Universum zu begreifen.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?

          Ich gehe nie in Urlaub, bin aber für meine Arbeit jeden Tag auf Reisen, manchmal in drei verschiedenen Ländern an einem Tag. Zum Vergnügen würde ich mich höchstens eine Stunde in ein Flugzeug oder ein Auto setzen.

          Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

          An meinem Zeichentisch mit Blick aufs Meer.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Entweder den Champagner, den ich mit Louis Roederer kreiert habe, den Brut Nature 2006, oder einen ungeschwefelten Rotwein wie den Morgon von Lapierre.

          Weitere Themen

          Ein Einblick in die Berliner Clubszene Video-Seite öffnen

          „Wie eine Droge“ : Ein Einblick in die Berliner Clubszene

          Freiraum und Kreativität sind Berlins Markenzeichen. Das zieht Künstler, Musiker und Clubpublikum aus der ganzen Welt an. Doch die Szene ist im Wandel. Der angesagte Club Griessmuehle und Techno-DJ DVS1 versuchen, die Clubkultur zu retten.

          Schaut auf diesen Schuh!

          Sneaker-Designer Inan Batman : Schaut auf diesen Schuh!

          Der Konsum von Mode muss bewusster werden, findet Inan Batman. Der Wahlberliner erfindet Sneaker, entwirft Mode – und hat eine Plattform eingerichtet, auf der man Getragenes tauschen kann.

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Sie setzt alles auf eine Karte

          Sollte die Verteidigungsministerin einmal Kanzlerin sein, wird sie für den Mut gepriesen werden, den sie mit ihrem Syrien-Vorstoß beweist. Sollte sie es nicht werden, wird der Vorschlag ein Beispiel dafür sein, dass sie sich übernommen hat. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.