https://www.faz.net/-hrx-a3ck8

Designer Omer Arbel : Der Erleuchter und sein ganz großer Traum

  • -Aktualisiert am
Lichtdurchflutet: das kanadische Hauptquartier des Unternehmens
Lichtdurchflutet: das kanadische Hauptquartier des Unternehmens : Bild: Fahim Kassam

In Berlin hat der Tausendsassa indes andere Pläne. Im Bezirk Reinickendorf hat das Unternehmen das gigantische Areal einer ehemaligen Eisengießerei erworben, wohin Bocci voraussichtlich im Herbst umziehen möchte. Auch für andere Kreative ist Platz, man hofft auf Synergien – obendrein schreit der Ort förmlich nach Materialbearbeitung. Arbels Augen funkeln, und er mag noch nicht zu viel versprechen, sagt aber: „Berlin ist Weltklasse im Umgang mit Porzellan.“

Weil Bocci gerade „einen Moment hat“, kann sich der Architekt zurzeit gut auf das Realisieren seiner Hausprojekte konzentrieren. In Surrey, eine halbe Stunde außerhalb von Vancouver, entsteht auf einem Heufeld sein aktuelles Projekt – Katalognummer 75.9 –, für dessen Design er beim World Architecture Festival 2019 den „Future Project of the Year“-Award in der Kategorie Haus gewann – beachtlich, wenn man bedenkt, dass bislang erst einer seiner Hausentwürfe tatsächlich gebaut wurde: vor zwölf Jahren.

Idee No. 76: besonderer Leuchteffekt durch weißes und durchsichtiges Glas
Idee No. 76: besonderer Leuchteffekt durch weißes und durchsichtiges Glas : Bild: Fahim Kassam

Das Haus 75.9 baut im wahrsten Wortsinn auf Säulen, die wie Engelstrompeten oder Teile eines Grammophons aussehen und nach Arbels neuestem „Hack“ entstanden sind, Beton nicht einfach in eine starre Konstruktion zu gießen, sondern in ein ebenso fluides Textil, das von einem eher minimal eingesetzten Bauholzgerüst gestützt wird. Das Volumen des Stoffes wird erst durch das Einfließen des Betons voll ausgefüllt, das heißt, die finale Form, die auch an den flüssigen Aggregatzustand appelliert, ergibt sich hier über das betoneigene Gewicht.

Bei der Baustellenbesichtigung sind diese Säulen gerade fertig gegossen, der Effekt ist beeindruckend: Selbst die stoffeigenen Charakteristika lassen sich im gehärteten Beton erkennen, von der Gewebestruktur bis zu ausgehärteten „Falten“ – was dem Ganzen einen Hauch von Luftigkeit und Flexibilität verleiht und in den Rundungen der Haut eines Elefantenfußes ähnelt. Die Säulen sind wie Trichter hohl und bieten Platz zum Bepflanzen auf dem Dach, Arbel denkt an knallige Magnolien.

Idee No. 14: Leuchte vor der Bocci-Zentrale in Vancouver.
Idee No. 14: Leuchte vor der Bocci-Zentrale in Vancouver. : Bild: Fahim Kassam

Dass ihm der zukünftige Bewohner des Hauses eine Carte blanche gegeben hat, ist Arbels Glück, immerhin konnte er weder sagen, ob die Idee, Beton in Textil zu gießen, in dem Maßstab überhaupt realisierbar ist – noch, was das kosten würde. „Man muss mit mir schon bereit sein, für etwas zu bezahlen, was im Zweifelsfall nicht klappt“, sagt er verschmitzt.

Etwas hadert Arbel aber noch damit, die Idee „Haus“ ganz generell in seine prozesshafte Arbeitsweise zu integrieren. Bislang bestanden alle seine Objekte aus einer einzigen Idee, im Rahmen eines Gebäudes sind es zwangsläufig mehrere.

Seine Utopie? „Ein Haus aus Glas“ – ganz klar, geblasen wie seine Leuchten, nur viel größer, man muss ans Prinzip einer aufgepusteten Hüpfburg denken. Allerdings: „Glas hat extrem lange Kühlzeiten. Bei einem Gebäude wäre das bestimmt ein Jahr, von der Größe des Ofens ganz zu schweigen. Das ist kaum je technisch machbar“, sagt Arbel. Und nach einer kurzen Pause: „Aber es wird ein Traum bleiben.“

Der Architekt, Designer, Künstler und Visionär Omer Arbel wanderte mit seinen Eltern mit 13 Jahren von Jerusalem nach Vancouver aus, wo er später seine Firma Bocci gründete – und das Omer Arbel Office (OAO). „Architectural Digest“ zählt ihn zu den Top- 200-Einflussnehmern der Branche weltweit.

Weitere Themen

Das sind Apples neue iPhones

Mit Verspätung und 5G : Das sind Apples neue iPhones

Bei seinen neuen iPhone-Modellen setzt Apple künftig nun auch auf den 5G-Mobilfunkstandard. Neben dem iPhone 12 und dem iPhone 12 Pro bietet Apple nun zudem ein Mini-Modell seines neuesten Smartphones an – und enthüllt weitere Neuheiten.

Annes Familie

Jüdisches Museum Frankfurt : Annes Familie

Bildung war wichtig, aber bei den Franks wurde auch gespielt und Karneval gefeiert. Eine einmalige Sammlung von Alltagsgegenständen im Jüdischen Museum Frankfurt zeigt, wie die Frankfurter Familie gelebt hat.

Topmeldungen

Auf weiter Flur: Der Großeinsatz rund um den Dannenröder Forst ist nicht der einzige, der die hessische Polizei derzeit stark in Anspruch nimmt.

Hessische Polizei : Am Rande der Erschöpfung

Die hessische Polizei wird in den nächsten Wochen noch stärker gefordert als ohnehin schon. Gleich drei Großlagen lassen kaum Erholung zu: der Protest gegen die A 49, Corona und Atomtransporte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.