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Designer Omer Arbel : Der Erleuchter und sein ganz großer Traum

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Glenn Adamson, Kurator, Kritiker und ehemaliger Direktor des Museum of Art and Design in New York, fasst das einmal so zusammen: „Im zeitgenössischen Design ist das modernistische Erbe des Funktionalismus in alle Winde zerstreut; das Feld hat sich zunehmend von der Problemlösung als seiner Raison d’être entfernt und ist stattdessen zu einem expressiven und individualistischen Akt geworden. Ohne viel Trara hat sich Arbel in die vordersten Reihen der in dieser Richtung arbeitenden Designer emporgearbeitet.“

Trotzdem gelangen viele von Arbels Ideen kaum in die Öffentlichkeit. Weil sie sich ohne klar definierbaren Zweck vielleicht nicht gut verkaufen lassen. Oder weil sie schwer skalierbar und damit ohnehin kaum seriell produzierbar sind. Oder weil bei Bocci und OAO sowieso nur ein bis zwei neue Produkte pro Jahr vermarktet werden. So hält der Chef für sein Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitern, das vom Experiment über die Idee und Produktion alles selbst gestaltet, bewusst die kreative Messlatte hoch – und sorgt für gesundes Wachstum. Wobei er selbst sagt: „Oft sind die kommerziell erfolgreichsten Ideen nicht unbedingt meine besten.“

In der eigenen Glasbläserei in Vancouver: alles Handarbeit
In der eigenen Glasbläserei in Vancouver: alles Handarbeit : Bild: Fahim Kassam

Während Arbel spricht, kann man durch ein offenes Raumregal das lautstarke Treiben im Lager beobachten. Gerade werden dort Lampen mit Leuchtmitteln ausgestattet und zum Versand in Boxen gepackt. Es ist einer von Boccis Klassikern, unterschiedlich farbige Glasballons, in etwa so groß wie ein Gummiball für Kleinkinder.

Wie die genau gemacht werden, lässt sich ein paar Türen weiter in der Glasmanufaktur beobachten, in der es trotz geöffneter Fenster ziemlich warm ist. Eine Handvoll hipper Mittzwanziger in T-Shirts und Jeans holen hier heißes Glas an langen Stäben aus den heißen Öfen wie Honig aus dem Pott, während im Hintergrund laute elektronische Musik aus den Boxen schallt. Glasblasen gilt traditionell als Männerdomäne, hier arbeiten viele Frauen. Die Annahme, man brauchte dazu besonders viel Körperkraft, ist falsch: Wie beim Fechten – übrigens noch etwas, worin Arbel meisterhaft ist – geht es vielmehr um Tempo und Taktik.

Einer der Glasbläser ist jetzt, mit Luftschlauch im Mund und allerlei Werkzeug ausgestattet, dabei, mit Hilfe eines Verfahrens, bei dem die Temperatur des Glases und die Richtung des Luftstroms abwechselnd manipuliert werden, einen dieser bunten Klassiker zu blasen. Als der durch den Prozess leicht verzerrte Ballon fast fertig ist, geht er von außen noch einmal mit einem Bunsenbrenner partiell über die Oberfläche, wodurch hübsche Krater entstehen, „kontrollierte Implosionen“. In die Öffnung des bunten Ballons lässt er nun milchig flüssiges Glas flutschen, welches durch seine Bearbeitung zu einem kleinen Innenballon wird, der später das Leuchtmittel aufnimmt.

Mundgeblasen:, mit dem Bunsenbrenner bearbeitet, so entstehen die Objekte.
Mundgeblasen:, mit dem Bunsenbrenner bearbeitet, so entstehen die Objekte. : Bild: Fahim Kassam

Mit diesem Modell gelang Arbel der Durchbruch in der Designwelt, 2013 war das, als 280 dieser Kugeln an kupfernen Fäden zu einer gigantischen Skulptur arrangiert 30 Meter von der Decke des Atriums des Londoner Victoria and Albert Museums hingen – meistens angeschaltet, ein Traum erhabener Erleuchtung.

Bei Bocci kommt ein Leuchtkörper selten allein. Meistens erhellen, vor allem aber: erkunden, viele Lichtobjekte gemeinsam an Kabeln hängend oder wie zu Tentakeln ausgestreckt als ortsspezifische Installationen ihre Umgebung. Oft wirken sie wie elegant wuchernde Seerosen oder schwerelose Mindmaps. Sie machen die Architektur um sie herum in ihren Dimensionen greifbarer.

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