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Modedesigner Nicola Formichetti : In allen Gassen

Vom Flugzeugsitz auf die Couch: Nicola Formichetti ist ständig unterwegs. Zu Hause ist dort, wo seine Hunde Tank und Bambi schon warten, in seiner Wohnung im New Yorker Stadtteil Soho. Bild: Nedden, Kai

Nicola Formichetti, der Kreativ-Chef von Diesel, ist so digital wie kein zweiter Designer. Ein bisschen nervt ihn das selbst schon. Um wirklich zu arbeiten, muss er raus auf die Straße.

          7 Min.

          Eigentlich ist Nicola Formichetti überall. Sein Twitter-Account sieht aus wie eine Hauswand, die jemand mit bunten Graffiti besprüht hat. Mehr als eine Viertel Million Menschen folgen seinen Kurznachrichten. Auf Instagram findet man Tausende Fotos, die er selbst geschossen hat. Bei Facebook kann er keine weiteren Freundschafts-Anfragen mehr beantworten, er ist schon am Limit. Nicola Formichetti ist immer on.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eigentlich, denn an diesem Freitagnachmittag sitzt Formichetti in einer Halle am Stadtrand von Venedig. Wer ihn besuchen will, muss mit dem Boot kommen. Es ist der Tag nach seiner ersten Schau für Diesel. Seit genau einem Jahr arbeitet er als Artistic Director für die Marke.

          Um ihn herum zig coole Leute, die sein allseits dokumentiertes Leben aufsaugen, die seine Freunde auf Facebook sind, die für große Magazine arbeiten und seine gerade einmal einen Tag alte Kollektion gleich für ihre Produktionen an Ort und Stelle verwenden. Die Chefredakteurin der italienischen „Vogue“, Franca Sozzani, hat gestern Usern per Twitter Fragen zur Kollektion beantwortet. Das System Formichetti, das immer überall mitmischt, das sich die besten Leute zusammensucht: Es läuft.

          Formichetti: Realist und abgedreht

          Nur Formichetti selbst spricht hier über das Warten. Auf der Website von Diesel steht jetzt, gegen 14 Uhr, immer noch kein Video von der gestrigen Schau. Er möchte den Schnitt persönlich übernehmen und hatte bislang eben nur so viel Zeit, um es halbherzig zu machen. „Die Leute müssen auch mal warten“, sagt er. „Wir haben das längst verlernt.“

          Nicola Fomichetti sucht seine Inspiration auf der Straße – dort hat er auch die Models für seine letzte Show gefunden

          Nicola Formichetti ist höchstens an zweiter Stelle Designer. Erst einmal ist da sein Gespür für das, was die Menschen heute von Mode erwarten. Er ist ein Realist und zugleich ganz abgedreht. Wie kaum ein anderer steht er für die aktuelle Haltung der Mode.

          Die verrückte Seite von Nicola Formichetti zeigt sich, wenn er darüber spricht, was er Tank und Bambi alles ermöglicht. „Sie haben zwei Nannys, einen Trainer, Spa-Besuche gehören für sie dazu. Ich weiß, ich verwöhne sie zu sehr. Manchmal sind sie auch mit mir zusammen auf Reisen unterwegs, aber ich möchte nicht, dass sie viel fliegen.“ Tank und Bambi sind seine zwei kleinen Hunde. Wenn er über die beiden Zwergspitze spricht, dann zeigt Nicola Formichetti, wie viel er anderen geben kann, selbst wenn es Hunde sind. Er behandelt sie wie Menschen, in Menschen kann er sich hineinfühlen.

          Prêt-à-porter im Supermarkt

          Seine Arbeit soll für die Leute auf der Straße einen Sinn haben und trotzdem beeindrucken. So sieht die Mode von heute aus. Sie ist nicht mehr in Träumen versunken. Es geht nicht mehr, wie noch vor einigen Saisons, um eine Kreuzung der Dekaden, damit man die Kunden in den neuen Märkten bedient, die diese Jahrzehnte, so wie sie im Westen gelebt wurden, verpasst haben. Auch die Kunden in den neuen Märkten sind anspruchsvoller geworden.

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