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Designer Michele De Lucchi : Il Maestro und sein Bleistift

Michele de Lucchi, hier in seinem Studio in Mailand, erläutert die Funktion des von ihm gestalteten Espressekochers „Pulcina“. Bild: Frank Röth

Michele De Lucchi gründete einst die Protestbewegung Memphis. Immer noch will der Designer mit seinen Entwürfen die Welt verbessern. Heute wird er 65 Jahre alt.

          Der Mann hat einen Bart. Und was für einen. Er trägt ihn, unabhängig von allen Moden, schon fast sein ganzes Leben lang. Warum? Dazu muss Michele De Lucchi etwas ausholen: Er habe einen Zwillingsbruder, Ottorino, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Lange sei es wunderbar gewesen, ein identisches Ich zu haben, weil man sich beim Betrachten des Anderen auch prüfen und hinterfragen konnte. Dieses Einssein zu zweit ergab sich von selbst: „Wir gingen zusammen zur Schule, waren in derselben Klasse, schliefen im gleichen Raum, aßen zur selben Zeit.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dann aber ging Michele nach Florenz, um Architektur zu studieren, und Ottorino blieb in Padua und studierte erst Chemie, dann Pharmazie. Plötzlich wollte man nicht mehr so sein wie der Zwillingsbruder. Jeder führte sein eigenes Leben. „Nun wollte ich unbedingt anders sein. Darum ließ ich mir einen Bart stehen.“ Und auch weil sein Bruder stets glattrasiert blieb, behielt er sein erstes Designprojekt, wie er den Bart lachend nennt.

          Michele De Lucchi sitzt in seinem Studio an seinem Schreibtisch, vor ihm Pinsel in Gläsern, Dutzende Blei- und Farbstifte in hölzernen Schachteln. An den Wänden hängen Fotos und Zeichnungen seiner besten, schönsten und vor allem neuesten Projekte, aber auch einige Porträts: Zwei stammen von dem amerikanischen Fotografen Elliott Erwitt. Das eine zeigt De Lucchi, wie er unter seinem wohl berühmtesten Entwurf steht, der Schreibtischleuchte Tolomeo, die es für den Garten auch im XXL-Format gibt. Auf dem anderen Bild hält der Designer die verästelte und kreisförmige Leuchte Led Net über seinen Kopf. Die Widmung lautet: „Dem Heiligen Michele De Lucchi, mit Bewunderung, Elliott Erwitt.“

          Oben entstehen die Ideen, unten wir gehämmert, gesägt, geschliffen

          De Lucchi, wahrlich eine biblische Figur, ist ein sanftmütiger Mensch, der bedächtig und leise spricht. Überhaupt herrscht in seinem Studio an der Via Varese in Mailand eine erstaunliche Ruhe. Sein Arbeitsplatz befindet sich in einer weiträumigen Dachkammer im vierten Stock, die Büros seiner gut 40 Mitarbeiter liegen verteilt darunter. Hin und wieder steckt einer von ihnen den Kopf herein. Ansonsten dringt kaum ein Geräusch nach oben. Der Chef mag es friedvoll, seine Angestellten sollen gerne zur Arbeit kommen. Gehämmert, gesägt und geschliffen wird im Keller. In den Etagen darüber entstehen Ideen und Entwürfe vor allem an Computern. De Lucchi selbst greift am liebsten zum Bleistift.

          „Meinen Beruf habe ich wohl auch deswegen gewählt, weil ich jeden Tag einen Zeichenstift in der Hand halten will.“ Als De Lucchi als Architekt anfing, wurde alles noch von Hand gezeichnet. Stifte trägt er immer bei sich, auch einen Radiergummi („Wir alle machen doch Fehler“), dazu ein Skizzenbuch. Seit mehr als 40 Jahren ist so ein Heft sein ständiger Begleiter. Fast 50 dieser Bücher hat er gefüllt. Sie sind sein Anker, seine Zuflucht. Er hütet sie und zieht die alten Kladden als Ideengeber immer wieder hervor - „auch um mich aus der Realität zu befreien“.

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