https://www.faz.net/-hrx-8n0ej

Designer Michele De Lucchi : Il Maestro und sein Bleistift

De Lucchi, 1951 im oberitalienischen Ferrara geboren und in Padua groß geworden, ist einen weiten Weg gegangen. Er ist ein Achtundsechziger, der als Student Teil einer Bewegung wurde, die sich von Italien aus in die Welt ausbreitete. Zeitgleich mit den politischen Protesten begannen Architekten und Designer, die in der Nachkriegszeit zunehmende Industrialisierung und Kommerzialisierung in Frage zu stellen. Aus der „Architettura Radicale“ (den Begriff prägte Germano Celanet 1966) entwickelte sich das Anti-Design, das seinen Höhepunkt in Memphis fand. Vor allem in Venedig sorgten die jungen Radikalen schon früh für Tumulte. „Mein Vater wollte darum nicht, dass ich in Venedig studiere“, erzählt De Lucchi. Aber als er 1969 sein Studium in Florenz begann, polemisierten auch dort seine Kommilitonen gegen das ewig gleiche „bel design“ der Wiederaufbauzeit.

Legendärer Auftritt als „Designer in Generale“

De Lucchis Vorbilder wurden Ettore Sottsass, Alessandro Mendini und Andrea Branzi. Bald schon schloss er zu den Großen seines Fachs auf. Unvergessen ist sein Auftritt als „Designer in Generale“. In napoleonischer Generalsuniform protestierte er 1973 vor der Mailänder Triennale gegen das Design-Establishment: „Ich werde dafür bezahlt, damit ihr es schön und bequem, weich und funktional, bunt und fröhlich habt“, begann seine Rede. „Für euch gestalte ich Möbel und Städte . . . doch ich, der Designer, liebe auch die Natur und werde mit all meiner Kraft um das Blau des Himmels und der Meere, das Grün der Felder, das Weiß des Schnees und das Rot des Sonnenuntergangs kämpfen ... verlasst euch auf mich und darauf, dass ich neue Technologien in einer Weise verwenden werde, die nützlich und nicht schädlich sind.“

Der „Designer in Generale“, der es damals auf die Titelseite der von Gio Ponti gegründeten Architekturzeitschrift „Domus“ schaffte, stand für den alles beherrschenden Gestalter, der tonangebend in seinem Büro war. So wollten die Studenten nicht sein. Sie trafen sich als Gruppe, entwarfen „unmögliche Architektur“ und hielten ihre Seminare und Vorlesungen auf Eisenbahnbrücken ab: „Wir konnten froh sein, dass kein Zug kam.“ Dabei entstand zum Beispiel ein Haus zum Herumtragen, eine Art überdimensionierte Sänfte, die sie mit ihren wehenden roten Gardinen durch die Felder trugen. „Mit unseren Happenings wollten wir Neues, nie Dagewesenes erschaffen“, sagt De Lucchi. „Eine neue Welt.“

Mit einer Tischleuchte fing alles an

Nach dem Studium ging Michele De Lucchi 1978 nach Mailand und schloss sich dort der Design-Avantgarde an. Für Alessandro Guerrieros Studio Alchimia - Galerie und Labor für die freien Radikalen in einem - entwarf er sein erstes Design-Objekt, das verrückt und funktional war, und das gekauft werden konnte: seine Tischleuchte Sinerpica. Bei ihr rankt sich eine Glühbirne wie eine Blume aus einem rosa Topf an einem grünen Zweig um einen blauen Stab 75 Zentimeter in die Höhe.

Weitere Themen

Käfer in cool Video-Seite öffnen

Bei Äthiopiern beliebt : Käfer in cool

In Äthiopien sind gerade Jahrzehnte alte VW Käfer wieder in, die auf alle erdenklichen Arten „gepimpt“ werden. So wird aus dem Auto der Alten ein Fashion Statement – dessen Wert hoffentlich steigt.

Topmeldungen

Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.