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Designer Michele De Lucchi : Il Maestro und sein Bleistift

Pendeln zwischen Refugium und Großstadt

Das gelingt ihm fern der Großstadt besonders gut. Seit 1994 pendelt er zwischen Angera in der Provinz Varese am südöstlichen Ufer des Lago Maggiore und dem gut 60 Kilometer entfernten Mailand hin und her. In seinem Refugium am See, errichtet in einer alten Hühnerfarm, lebt und arbeitet er wie ein Einsiedler. Er nennt es „Chioso“ (wie „chiuso“, geschlossen), weil es ein eingefriedeter Komplex mit Mauern ist, wo ihn höchstens einmal seine Frau Sibylle Kicherer stört, die aus Karlsruhe stammt. Die Kinder, erzählt sie, mussten früher mit dem Schiff zur Schule nach Arona am anderen Ufer fahren. „Wir vermissen den Trubel in der Großstadt kaum“, meint sie. Trotzdem ist es eine elende Fahrerei, die De Lucchi auf sich nimmt. Warum er sich das antut? „Ich brauche Abstand!“

Pulcina: Dank der Geometrie des Kesselinneren bereitet der Espressokocher (für Alessi, 2015) den Kaffee besonders aromaschonend zu.

Er liebt die fast klösterliche Abgeschiedenheit, seine Experimentierkammer, wo er mit Freude seit ein paar Jahren auch zur Kettensäge greift, um aus einem groben Stück Holz Skulpturen zu formen, kleine Häuser, wie er sie nennt, denen er mit Werkzeugen den letzten Schliff gibt. Zahllose der stufenartigen Pyramiden, spiralförmigen Türme und Tempel mit Säulenhallen hat er geschaffen.

Georgien einen westlichen Anstrich verpasst

Doch der „Architetto“ hält sich nicht nur mit Modellen auf. Seit Jahren schon baut er im ganz großen Stil - zum Beispiel für den ehemaligen georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili. Der hatte ihn zu Beginn seiner Präsidentschaft 2004 in seinem Studio besucht und war begeistert von den futuristischen Ideen des Italieners. Mit ihnen wollte der Staatschef sein Land modernisieren. Georgien wollte er mit Hilfe bedeutender Architekten einen westlichen Anstrich verpassen.

De Lucchi baute unter anderem in Tiflis die 150 Meter lange Friedensbrücke über die Kura, die aussieht wie ein gezähmtes Seeungeheuer aus Glas und Stahl. Auch das Innenministerium in der Hauptstadt Georgiens sowie ein 17 Stockwerke hohes Gerichtsgebäude in Batumi am Schwarzen Meer stammen von ihm. Mit dem Abtritt des der Korruption verdächtigen und nun in der Emigration lebenden Saakaschwili endete De Lucchis lukrative Kaukasus-Connection im Jahr 2013 schlagartig.

De Lucchi neben dem Modell des Hotels Medea im georgischen Batumi

An Aufträgen aber mangelt es nicht. In diesem Jahr erst wurde das angeblich größte Einkaufszentrum Europas eröffnet: Zusammen mit Davide Padoa und Arnaldo Zappa verwandelte De Lucchi die alte Alfa-Romeo-Fabrik in Arese in die fast 92.000 Quadratmeter große ShoppingMall „Il Centro“. Im vergangenen Jahr war er Botschafter der Weltausstellung in Mailand und einer ihrer Chefarchitekten: Er entwarf den Informationspavillon zur Expo im Castello Sforzesco als begehbaren Heuhaufen aus Holz sowie gleich zwei Pavillons auf dem Expo-Gelände in Rho vor den Toren Mailands - den „Padiglione Zero“ am Westeingang, den er einem hügeligen Stück Erdkruste nachbildete, und das aus Kegeln bestehende „Expo Center“.

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