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Interview Manolo Blahnik : „Carrie, wer?“

Fast Brite: Blahnik ist zwar auf La Palma aufgewachsen, aber in London sozialisiert. Bild: Getty

Schuhdesigner Manolo Blahnik über High Heels in „Sex and the City“, Turnschuhe und warum er nicht ans Aufhören denkt.

          Sein Lachen hört man schon durch die verschlossene Hoteltür. Dabei fühlt sich Schuhpapst Manolo Blahnik, der an diesem Donnerstag nach München gekommen ist, um hier seinen neuen Bildband vorzustellen, eigentlich leicht angeschlagen. Blahniks Mitarbeiter reichen ihm ein Päckchen Paracetamol – und ein neues Talkum-Puder. „Talkum! Können Sie sich das vorstellen, die Menschen benutzen kein Talkum mehr“, ruft er.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Blahnik, beigefarbener Karo-Anzug, gelbe gemusterte Fliege, 1942 als Sohn einer spanischen Mutter und eines tschechischen Vaters auf der Kanaren-Insel La Palma geboren, ist nicht erst seit „Sex and the City“, sondern seit den siebziger Jahren die Instanz, wenn es um High Heels geht – und ein Mann der alten Schule. Fast könnte man ihn für einen Briten halten: Sein Englisch ist nach Jahrzehnten in London, von wo aus er seine Marke noch immer kreativ leitet, so gut wie akzentfrei, seine Manieren sind ausgezeichnet.

          Herr Blahnik, sind Sie abergläubisch?

          Nicht sonderlich, außer, dass ich in kritischen Momenten Holz anfasse (fasst an den Holzschrank hinter sich). Das habe ich in den italienischen Fabriken gelernt, mit denen ich zusammenarbeite.

          Also ist es für Sie okay, Schuhe zu Weihnachten zu verschenken. Angeblich sollte man das ja nicht tun, denn es könnte Unglück bringen.

          Was? Wirklich? Dann müsste ich ja pleite sein! All diese Leute, die Schuhe zu Weihnachten kaufen, besonders die Pumps mit den großen Steinen auf der Spitze, das Modell Hangisi. Die Chinesen kaufen den in jeder Farbe, gerade zu Weihnachten. Der ist so beliebt, und ich kann mir nicht erklären, weshalb.

          Carrie Bradshaw hat in Ihrem Hangisi-Schuh – in sattem Blau, mit Seide bezogen und den typischen funkelnden Steinen – geheiratet. Glauben Sie, das macht den Erfolg aus?

          Carrie, wer?

          Carrie Bradshaw aus der Serie „Sex and the City“.

          Ach, klar, Entschuldigung, Carrie Bradshaw ist Mrs. Parker. Die Serien-Namen kann ich mir nicht merken. Sie hat darin geheiratet, wann?

          Im Film.

          Ach so, die Filme habe ich mir nicht angesehen, und ehrlich gesagt bin ich auch nicht verrückt nach zeitgenössischen amerikanischen Filmen. Das können wir Europäer viel besser, die kleinen unabhängigen Produktionen.

          Was war der letzte gute Film, den Sie gesehen haben?

          Laufen noch immer gut: Auch nach über vier Jahrzehnten sind High Heels von Manolo Blahnik so aktuell wie damals – und das trotz des Trends zu flachen Schuhen.

          „Die Königin und der Leibarzt“ mit Mads Mikkelsen. Amerika zerstört diese elegante sensible Art, mit der europäische Künstler an die Arbeit gehen, mal abgesehen von den Fernsehserien von dort. Die gefallen mir schon besser. Auch die Mrs.-Parker-Serie hat damals in den neunziger Jahren ja überall auf der Welt einen Nerv getroffen.

          Ähnlich wie nun zuletzt „Girls“. Die Serie spiegelt ein aktuelleres Frauenbild wider. Dazu passen eher flache Schuhe statt High Heels.

          Ja, stimmt, das beobachte ich auch. Seit einiger Zeit verkaufen sich bei uns flache Schuhe wie verrückt. Die werden immer wichtiger.

          Warum?

          Wahrscheinlich weil es Frauen zunehmend auf Bequemlichkeit ankommt. Aber natürlich tragen sie auch noch oft genug High Heels, keine Sorge. Ich mag feminine Frauen. Gerade Turnschuhe geben Frauen etwas sehr Maskulines, das gefällt mir nicht.

          Die Zeiten haben sich seit den siebziger Jahre geändert, als Sie anfingen, Schuhe zu entwerfen.

          Ja, das war die Zeit der hohen Plateausohlen, des Glamrocks, des ganzen Mülls. Deshalb habe ich damals auch das glatte Gegenteil davon gemacht, ganz kleine Absätze und flache Schuhe.

          Dann haben Sie sich aber doch sehr schnell einen Namen mit High Heels gemacht. Alexandra Shulman, die Chefredakteurin der britischen „Vogue“, lobpreiste Sie im Jahr 1994 mit den Worten: „Wenn Gott gewollt hätte, dass Frauen flache Schuhe tragen, dann hätte er nicht Manolo Blahnik geschaffen.“

          Das hat sie gesagt? Gut, jede Art von Lob nehme ich gerne an.

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