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Interview Manolo Blahnik : „Carrie, wer?“

Noch eine wichtige Frau mit einem guten Spruch zu Ihrer Karriere: „Konzentriere dich auf Extremitäten.“ Das sagte Ihnen Diana Vreeland, ehemals Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“, dann Beraterin am New Yorker Metropolitan Museum of Art, bevor Sie Ihr Label gründeten. War das der beste Ratschlag, den Sie in Ihrem Leben bekommen haben?

Ja, das war einer der besten, aber auch alles, was mir Anna Piaggi im Leben gesagt hat.

Anna Piaggi, Ihre langjährige gute Freundin und Stil-Ikone, die 2012 verstorben ist.

Ja, erst kürzlich war ich in Mailand. Dort übernachte ich immer im selben Hotel, und dort rief sie mich früher jeden Tag an. Dann klingelte wieder das Telefon, ich nahm ab und sagte „Anna“. Und auf der anderen Seite: „Nein, hier ist nicht Anna, das ist Ihr Weckruf.“

Vreeland und Piaggi waren ihre Ratgeberinnen?

Beide Frauen waren echte Kämpferinnen, diese Neugierde. Mrs. Vreeland war in den letzten Jahren ihres Lebens blind, und als sie irgendwann in der Zeit in New York mal wieder mit einem Preis ausgezeichnet wurde, schickte ich ihr am nächsten Tag einen Strauß Rosen. Sie rief an und bedankte sich überschwänglich: „Manolo, diese Rosen, das perfekte Rot.“ Gut, vielleicht hat ihr jemand gesagt, dass sie rot waren. Aber trotzdem, so eine Frau war sie. Selbst mit der Erblindung hat sie ihre Neugierde nicht verloren.

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Ihre Schwester und deren Tochter kümmern sich um die geschäftliche Seite der Marke, Sie sind noch immer für den kreativen Teil verantwortlich. Sie sind jetzt 73, werden Sie bis an Ihr Lebensende Schuhe entwerfen?

Solange ich Einfälle habe und mein Gehirn richtig funktioniert, tue ich auf jeden Fall das, was mir am meisten Spaß macht. Vielleicht werde ich irgendwann nicht mehr jeden Tag von morgens bis abends im Büro sitzen können und durch die Weltgeschichte reisen.

Denken Sie über diese Zeit nach?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin doch erst Mitte siebzig (lacht).

In London wächst jetzt eine neue Generation wichtiger Schuhmacher heran, Sophia Webster, Nicholas Kirkwood, Charlotte Olympia.

Oh, ich liebe Charlotte. Erst neulich habe ich mit ihr gesprochen, sie hat so eine tolle Persönlichkeit, spielerisch, jung. Für einen Dokumentarfilm, der nächstes Jahr fertig wird, wurde ich neulich gefragt, wen ich mag, und ich antwortete: Charlotte Olympia. Sie macht ihr Ding und ist so originell. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich kopiert werde. Erst vorgestern sah ich vom Taxi aus diesen Laden mit meinen Schuhen im Schaufenster, und ich wunderte mich, weil wir an den gar nichts verkaufen. Das waren alles Kopien.

Für Sie ist das kein Kompliment?

Nein, ich kämpfe seit Jahren zum Beispiel gegen die Chinesen, die das Hangisi-Modell wie verrückt kopieren. Das ist despektierlich gegenüber dem Handwerk, das wir hier in Europa haben. Ich verwende noch nicht mal Stickereien aus China oder Indien. Dafür sind mir unsere europäischen Traditionen zu wichtig.

Wie arbeiten Sie mit dem chinesischen Markt?

Ich verkaufe meine Schuhe, zum Beispiel in Schanghai und Hongkong, damit hat es sich. Aber das Internet macht die Bekämpfung von Markenpiraterie zu einem hoffnungslosen Fall. Das Internet hat ja sehr viel Wunderbares geschaffen, aber es bleibt für mich trotzdem ein zweischneidiges Schwert.

Wie kommunizieren Sie eigentlich?

Natürlich per E-Mail, aber eigentlich irritiert mich das zu sehr. Ich habe jemanden im Büro, den ich für solche Fälle herbeirufe. Neulich drückten mir meine Mitarbeiter dieses schreckliche iPhone6s in die Hand. Das schaute ich mir kurz an: Zu kompliziert. Ich verwende jetzt einfach weiter mein altes Fünfer.

Der Bildband „Obsession & Leidenschaft“ von Manolo Blahnik ist bei Callwey erschienen, 488 Seiten, 150 Euro.

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