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Liebster Look: T-Shirt und lange Lederhandschuhe zum voluminösen Rock aus der Kollektion für diesen Herbst Bild: Hersteller

Designer Lutz Huelle : „Ein Mode-Abend mit Angela Merkel wäre fantastisch“

  • -Aktualisiert am

Mit seiner alltagsnahen Mode erlebt der deutsche Designer Lutz Huelle gerade einen Hype. Im Interview spricht er über die Kategorien „cool“ und „uncool“ und darüber, was man der Kanzlerin mal sagen sollte.

          Herr Huelle, seit 2000 führen Sie Ihr eigenes Label, das lange als Geheimtipp galt. Das hat sich erst vor ein paar Jahren geändert.

          Es ist eine einzigartige Situation. Ich kenne niemanden, der so spät plötzlich so viel Erfolg hatte. Aber in der Mode ist alles eine Frage des Timings. Ich war einfach zu früh dran. Ich bin immer schon interessiert gewesen an der Realität, wollte alltagsnahe Kleider entwerfen, lediglich kleine Verschiebungen in der Wirklichkeit. Vor zehn Jahren haben das nur wenige Menschen verstanden.

          Inwiefern?

          Für meine erste Kollektion hatte ich zum Beispiel gut geschneiderte Jacken entworfen, sie aber aus einem Sweatshirt-Stoff fertigen lassen. Das fanden die Leute absurd. Genauso wie die Tracksuits, also Sporthosen, denen ich anstatt der Reflexstreifen am Bein ein Ripsband wie bei einem schicken Smoking verpasste. Für mich war klar: Genau so will ich vor dem Fernseher faulenzen und anschließend in den Club. High und Low, Tag und Nacht — dass das viel näher zusammenliegt, als bis dato gedacht, war damals noch nicht common sense.

          Mittlerweile hat sich der straßennahe Alltagslook durch junge Marken wie Vetements in der Mode etabliert.

          Früher gab es eine idealisierte Form von Mode, für perfekte Männer oder Frauen. Heute gestalten die Designer das, was sie selbst auch gern tragen würden. Das ist eine absolut positive Erfahrung. In der Mode soll es immerhin um den Menschen gehen und um nichts anderes.

          Designer Lutz Huelle nach seiner Schau im Frühjahr in Paris

          Würden Sie das als Demokratisierung der Mode bezeichnen?

          Sicherlich ist die Gegenwart demokratischer. Wobei man natürlich aufpassen muss: Wenn alle das Gleiche machen, wie das gerade passiert, ist das auch schrecklich. Dann entscheidet nämlich nur noch ein Etikett über die Distinktion.

          Sie kommen aus Remscheid. Mit den Künstlern Wolfgang Tillmans und Alexandra Bircken sind Sie gemeinsam zur Schule gegangen und seit Ihrer Jugend befreundet. 1988 gingen Sie gemeinsam nach Hamburg, dann nach London und später nach Paris. Als Trio wollten Sie immer anders sein, ausbrechen aus der Kleinstadtkonvention. Wurmt es Sie da eigentlich nicht, dass Ihre Ideen heute der breiten Masse gefallen?

          Das ist ein Missverständnis. Uns ging es nie darum, anders zu sein als alle anderen – sondern die Freiheit zu haben, so zu leben, wie wir es wollten, sich anziehen, wie man sich fühlt, sich sieht, wie man ist. Das hat damals einige Menschen provoziert. Weh tun wollten wir niemandem. Insofern freue ich mich natürlich, wenn das, was mir Spaß macht und gefällt, heute Leute berührt. Falls sich daran jemand stört, ist mir das egal. Ich habe nie in Kategorien wie „cool“ oder „uncool“ gedacht.

          Dabei würde manch einer behaupten, dass es in der Mode im Kern um genau diese Unterscheidung geht.

          In meinen Augen ist dieses Blasierte der Menschen absolut unzeitgemäß. Letztens erwähnte ich in einem Gespräch, dass ich Bill Kaulitz von Tokyo Hotel für den letzten großen deutschen Popstar halte. Seine gigantische Frisur, das Make-up: einfach toll. Und das in dem jungen Alter! Dazu gehört Mut. Mal abgesehen davon, dass „Durch den Monsun“ ein guter Song ist. Da haben alle am Tisch die Nase gerümpft.

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