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Designer Kevin Carrigan : „Ich will Calvin Klein etwas auftauen“

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Kevin Carrigan, Modemacher bei der Marke Calvin Klein in New York, macht mit seiner neuen Kollektion „Platinum“ straßentaugliche Mode mit Design-Anspruch. Bild: Neil Rasmus / BFA NYC / Sipa USA

Er ist der Mann hinter den Unterhosen und den Jeans von Calvin Klein. Jetzt macht Kevin Carrigan auch noch eine Kollektion für die breite Masse. Im Interview spricht er über Produktion am Fließband, Frauen in Bomberjacken und die Kunst, Unterwäsche sexuell aufzuladen.

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          Herr Carrigan, Ihre erste „Platinum“-Kollektion für Calvin Klein liegt seit August in den Läden. Was ist daran Calvin Klein, und was kommt von Ihnen?

          Für die Männerlinie der neuen Kollektion habe ich mir überlegt, für was Calvin Klein eigentlich steht, wofür ich stehe, was Calvin Klein einer neuen Generation bedeutet. Ich wollte weg vom Minimalismus, obwohl ich minimalistische Details nutze. Ich wollte Purismus, Einfachheit und Natürlichkeit, keinen kalten Minimalismus. Ich will die Calvin-Looks der Neunziger etwas auftauen.

          Sind das also Designerstücke oder Massenware?

          Ich bin ein Industrie-Designer, der Bekleidung macht. Industriedesigner und Architekten schaffen Langlebiges. Warum können wir Kleidung nicht nach den gleichen Maßgaben entwerfen? Eine zweidimensionale Idee wird zur dreidimensionalen Form! Ich mache keine Laufstegmode, ich arbeite nicht auf ein Überraschungsmoment hin. Meine Kleidung soll zeitlos und klassisch sein, aber trotzdem dem Zeitgeist entsprechen. Es gibt den Markt dafür in Deutschland, zwischen Designer-Mode und Fast Fashion. Ich bin sehr preisbewusst. Die Mode wird erschwinglich, weil die Produktion weiter industrialisiert wird, Details reduziert, Arbeitsschritte optimiert. Ich experimentiere mit neuen Stoffen, beispielsweise mit neoprenartiger Textur, die an Leder haftet. Das wärmt und ist trotzdem nicht steif. Meine Kleidung ist technisch avanciert, aber ohne Firlefanz. Die Menschen sollen es tragen. Manche denken, es sei schlecht, wenn ein Designer so kommerziell denkt. Das finde ich gar nicht.

          Sie stehen im Gegensatz zu anderen Designern kaum in der Öffentlichkeit, kontrollieren aber eine schier unüberschaubare Schar verschiedener Linien und Labels.

          Wir nennen es die Calvin-Klein-Pyramide: Calvin Klein Collection, Calvin Klein Platinum Label, Calvin Klein Jeans und Calvin Klein Underwear. Ganz oben die Collection von Chefdesigner Francisco Costa. Schmale Distributionskanäle, viele Prominente, viel Laufsteg. Je breiter die Pyramide wird, umso größer wird die Distribution, umso erschwinglicher die Produkte. Ich kümmere mich um alles unterhalb der Collection, also Platinum, Jeans, Unterwäsche. Meine Teams sind auf der ganzen Welt verstreut, etwa 200 Leute in Amsterdam, Brasilien, China, Hongkong und New York. Also sitze ich die ganze Zeit im Flugzeug. Ich glaube, ich habe mehr Meilen als George Clooney in diesem Film. Der einzige Monat, in dem ich nicht im Flugzeug sitze, ist August, da bin ich mit meinem Partner in unserem Strandhaus in der Nähe von New York. Aber ich reise gern, weil ich mir dann ansehe, wie Menschen ihre Sachen tragen. Ich mache Mode für reisende Männer. Es geht um geschicktes Layering. Wenn es kalt draußen ist, packe ich einfach noch eine Lage drauf. Ich will luxuriöse Stoffe zu erschwinglichen Preisen. In dem Sakko hier für 699 Euro sind die Einlagen klassisch vernäht. Das hier kostet nur 399 Euro, dafür sind die Wattierungen nur geklebt.

          Lage auf Lage: Look der aktuellen Platinum-Kollektion

          Calvin Klein macht Milliardenumsätze. Was bringt das meiste Geld?

          Wir machen etwa ein Drittel des Umsatzes mit Sportswear, ein Drittel mit Unterwäsche, ein Drittel mit Jeans.

          Die Jeans trugen maßgeblich zum Erfolg von Calvin Klein bei. Was macht eine Jeans von Ihnen heute aus?

          Der Schnickschnack ist weg. Alles ist reduziert, zurückhaltend, ruhig. Die meisten Jeans werden mit Zwillingsnadel gefertigt, gewaschen, abgewetzt, versteift und gerissen. Ich glaube an das Gegenteil: Man behalte den rohen, schönen Jeansstoff bei, vielleicht mit einer leichten Waschung. Die Naht darf nicht sichtbar sein. Alles, was stört, kommt weg. Ich verbanne die Details der five pocket jeans. Auf das blasse Blau in leichter Stonewashed-Optik, blasses Beige und blasses Grau des Sommers folgt im Winter dann Dunkelgrau, dunkles Indigoblau. Keine Nähte, keine Abnutzungsspuren, keine Waschung. Die Innenseite muss so sauber sein wie die Außenhaut, auch die Taschen soll man von innen nicht sehen. Das Nähen und Falten muss man den Leuten in der Fabrik erst einmal beibringen.

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