https://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/designer-joop-entschuldigt-sich-fuer-frauenfeindliche-aussagen-17635314.html

Missbrauch in Modebranche : Wolfgang Joop bittet nach frauenfeindlichen Aussagen um Entschuldigung

Die Grünen-Europaabgeordnete Katrin Langensiepen bezeichnete Joops Wortwahl im Spiegel als „Verherrlichung von Gewalt und Demütigung von Frauen“. Bild: dpa

Nach Kritik an seiner Wortwahl in einem Interview hat sich Wolfgang Joop öffentlich entschuldigt. Der Designer hatte darin sexuellen Missbrauch von Frauen beschrieben und von einer einst so „wunderbar frivolen“ Modebranche gesprochen.

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          Wolfgang Joop hat für seine Äußerungen über Frauen in der Modebranche um Entschuldigung gebeten. Der deutsche Modedesigner schrieb auf Instagram und Facebook, er wolle sich bei all jenen entschuldigen die durch seine Aussage verärgert oder verletzt worden seien. In einem Gespräch mit dem Magazin Der Spiegel hatte Joop gesagt, die frühere Modewelt sei „so wunderbar frivol und frigide“ gewesen: „Alles war käuflich“, ist in dem Interview seitens des Designers zu lesen. „Die Agenturen gaben die Schlüssel zu den Zimmern der Models, die nicht so viel Geld brachten, an reiche Männer.“ Wenn sich ein „Mädchen“ darüber beschwert habe, sei der Frau klargemacht worden, dass man auch auf sie verzichten könne. Auf die darauffolgende Entgegnung des Interviewers, dass dies fürchterlich sei, antwortete der gebürtige Potsdamer: „Ja. Aber wirklich schön ist die Modewelt nur, wenn es auch die Sünde gibt.“

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft & Stil.

          Worte, die nicht unkommentiert blieben: Auf Twitter wurde der Sechsundsiebzigjährige nach Veröffentlichung der frauenfeindlichen Äußerungen stark kritisiert. Joop sei wohl traurig, dass Modeschöpfer dieser Tage keine Zuhälter mehr sein dürfen, schreibt etwa der Spiegel-Redakteur Anton Rainer auf Twitter. „Diese Ignoranz, sexuellen Missbrauch zu etwas schönem, frechen, zu verklären ist einfach krank“, beklagt der Juso-Kreisvorsitzende Tim Vollert. Und die Grünen-Europaabgeordnete Katrin Langensiepen bezeichnete Joops Wortwahl zudem als „Verherrlichung von Gewalt und Demütigung von Frauen“.

          Kein Einzelfall in der Branche

          In Wolfgang Joops Entschuldigung auf seinen Social-Media-Accounts heißt es hingegen, dass der Designer auf „die Korruption und Frivolität der siebziger und achtziger Jahre der Branche“ hingewiesen habe, „deren Bestandteil bedauerlicherweise auch der respektlose und missbräuchliche Umgang mit Models war.“ Seine Aussage sei deplaziert gewesen und er lehne jegliche Form von Machtmissbrauch und Gewalt damals wie heute zutiefst ab. „Die respektvolle Behandlung eines jeden Menschen steht für mich innerhalb als auch außerhalb der Branche an erster Stelle“, schreibt Joop in der Entschuldigung abschließend.

          Dass der Designer im Spiegel-Interview in solch unverblümter Weise über sexuellen Missbrauch von Frauen spricht, zeigt, welch erschütterndes Frauenbild in Teilen der Modebranche bis heute vorherrscht. Und es wäre nicht der erste Skandal dieser Art: Designer, Agenten und Fotografen wurden in der Vergangenheit wegen sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch angeklagt, darunter auch prominente Gesichter wie Modefotograf Mario Testino, der frühere Marketingchef von Victoria’s Secret Ed Razek und der ehemalige Europa-Chef der Modelagentur Elite Model Management Gérald Marie.

          Letzterem wird von mehreren Frauen vorgeworfen, sie in den achtziger und neunziger Jahren sexuell missbraucht oder belästigt zu haben. „Niemand ist eingeschritten“, sagte etwa die Betroffene und ehemalige BBC-Journalistin Lisa Brinkworth. „Alle haben gelacht und geklatscht. Als wäre das etwas ganz Alltägliches.“ Die Staatsanwaltschaft leitete bereits im September 2020 ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Ehemann von Model-Ikone Linda Evangelista ein. Demnach gingen 15 Beschwerden gegen Gérald Marie ein – einige der Frauen waren zum Tatzeitpunkt minderjährig.

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