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Jonathan Anderson im Interview : „Wenn ich mich langweile, dann langweilt sich auch der Kunde“

  • -Aktualisiert am

Fasziniert vom weißen T-Shirt: Designer Jonathan Anderson Bild: Lukas Korschan

Designer Jonathan Anderson kooperiert gleich mit Uniqlo und Converse, zwei Unternehmen der Massenmode. Ein Gespräch darüber, was ihn an seinem Job reizt und warum er sich wünscht, das weiße T-Shirt erfunden zu haben.

          Jonathan Anderson gilt als einer der spannendsten Designer unserer Zeit. Mit gerade 32 Jahren ist er Kreativdirektor des spanischen Luxushauses Loewe und hat mit seiner eigenen Marke J.W. Anderson in diesem Jahr den renommierten Preis des British Fashion Councils in zwei Kategorien, Frauen- und Männermode, gewonnen. Seine letzte Show zur Pitti Uomo in Florenz im vergangenen Juni zeigte eine fast schon zahme und kommerzielle Kollektion. Dazu passen seine Kooperationen mit gleich zwei Schwergewichten der Massenmode, Converse und Uniqlo – vielleicht ein Zeichen dafür, das J.W. Anderson immer persönlicher wird, trägt er doch selbst in der Regel nur weiße T-Shirts, Jeans und Sneaker.

          Herr Anderson, ihre letzte Kollektion für J.W. Anderson ist deutlich zahmer geworden, gleichzeitig kollaborieren Sie mit kommerziellen Marken wie Converse und Uniqlo. Besteht dabei nicht die Gefahr, dass sich ihre Kunden übersättigt fühlen?

          Ich glaube, das muss man anders sehen: Wirklich langweilig wäre, wenn ich jede Saison exakt dasselbe machen würde. Ich führe seit zehn Jahren meine eigene Marke in einer Industrie, die sehr didaktisch ist. Ich gehe da heute mit derselben Energie ran wie am ersten Tag. Für mich ist meine gesamte Arbeit ein großes, globales Bild – J.W., die Ausstellung, die ich gerade im Kunstmuseum Hepworth Wakefield kuratiert habe und die für mich eine Offenbarung war, und die Kooperationen. Letztere sind wie Kommas, die den stetigen Strom unterbrechen und neue Impulse reinbringen. Das ist das Spannende daran. Es geht darum sich selbst zu überraschen. In den vergangenen Jahren habe ich meine eigene Marke mit 50 Mitarbeitern aufgebaut und Loewe verdoppelt. Aus dieser Position heraus möchte ich weiter wachsen und neue Veränderungen. Was genau sich für mich ändert, werde ich in sechs Monaten wissen. In dem Moment, in dem ich meine eigenen Methoden vorhersehen kann, wird es langweilig. Und wenn ich mich langweile, dann langweilt sich auch der Kunde.

          Fast schon zahm: J.W. Anderson-Kollektion bei der Pitti Uomo in Florenz

          Sowohl in ihrer kommenden Kollektion für J.W. Anderson als auch in der Zusammenarbeit für Uniqlo sind britische Klassiker eine prägenden Elemente. Woher kommt das?

          Ich bin in Irland aufgewachsen, da dreht sich alles um kulturelles Erbe und Handwerk. Mein Label habe ich dann in London aufgebaut, und wenn man ein Label aufbaut, muss man lokal arbeiten. Durch meine Position bei Loewe pendele ich für meine Arbeit zwischen London, Paris und Madrid. Jeder dieser Orte hat seine eigene Art von Klassizismus, jedes dieser Länder ist geprägt von einem sehr speziellen, eigenen Stil. Am britischen Klassizismus mag ich, dass er eine sehr schöne Primitivität hat, er wirkt immer ein bisschen schräg, da ist immer irgendwas, das nicht so richtig stimmt.

          Was ist ihr Lieblingsteil unter den Klassikern?

          Yves Saint Laurent hat mal gesagt, er wünschte sich, er hätte die Jeans erfunden. So geht es mir mit dem weißen T-Shirt. Am Anfang meiner Karriere hat mich ein Foto von Patti Smith und Robert Mapplethorpe besonders ergriffen. Sie trugen auf dem Foto beide ein weißes T-Shirt, aber dieses gleiche weiße Shirt hatte jeweils eine ganz andere Bedeutung. Es ist das Teil, das so viele verschiedene Sachen an verschiedenen Menschen und Körpertypen bedeutet.

          Sehen Sie ihren Schaffensprozess heute anders als am Anfang ihrer Karriere?

          Vor fünf, sechs Jahren hätte ich gesagt, dass nie irgendjemand jemals meine Arbeit verstehen würde und dass mich das frustrieren würde. Heute denke ich, genau das ist gut. Kleidung bedeutet unterschiedlichen Menschen unterschiedliches. Ich war lange nur auf die Industrie selbst konzentriert. Als ich angefangen habe, wollte ich Bestätigung. Je mehr ich lerne, desto mehr realisiere ich, dass das Spannende genau in dem Umstand liegt, dass Dinge nicht immer verstanden werden. Es eine wunderbare Freiheit, nicht mehr nach Bestätigung zu suchen, sondern Kreationen einfach rauszubringen und zu schauen, was passiert und wie Menschen ihre eigenen Vorstellungen darin projizieren.

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