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Elie Saab, Gründer des gleichnamigen Modelabels, in seinem Pariser Geschäft. Bild: Philipp von Ditfurth

Designer Elie Saab im Porträt : Riecht nach Leben

Schönheit ist heute ein heikles Thema. Designer Elie Saab ist im Krieg aufgewachsen und bis heute mit dem Schrecken vertraut. Gerade deshalb ist sein Bild von Schönheit so klar – und hat vor allem etwas mit Frauen zu tun.

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          Vor Elie Saabs Platz auf dem Konferenztisch liegt ein Blatt Blanko-Papier. Bevor es losgeht mit dem Interview, hat er darauf ein paar schnelle Zeichnungen mit blauem Kugelschreiber hinterlassen. Das macht er häufig so: „Einen Zeichenblock habe ich immer zur Hand.“ Fünf Frauenfiguren hat Elie Saab heute skizziert, alle tragen seine Abendkleider. Das erste Modell ist recht schlicht, dann wird es ausladender, Kragen und Röcke werden größer. Nummer fünf ist pompös und ähnelt dem raumgreifenden Brautkleid, das direkt vor dem Konferenzsaal auf einer Puppe hängt. Die Schleppe misst mehrere Quadratmeter. Der Stoff ist natürlich aufwendig bestickt. Das Brautkleid steht genauso für die Formel Elie Saab wie die fünf schnellen Zeichnungen, aus denen noch Kleider werden sollen.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In dieser Welt geht es um pure Schönheit. Davon hat Elie Saab eine klare Vorstellung. Auch deshalb ist seine Pariser Zentrale hier ansässig, Hausnummer 43, Avenue Franklin Roosevelt. Zur einen Seite ragt der Arc de Triomphe in den Himmel, zur anderen der Obelisk an der Place de la Concorde. Repräsentativer geht es kaum. Hier regiert die alte Schule, hier hat sich ein Mann konsequent der Schönheit von Frauen verschrieben. Das mag nicht unbedingt dem Inbegriff von Modernität entsprechen.

          Schönheit ist heute ein heikles Thema

          Elie Saab ähnelt weniger den Modemachern von heute, die sich als Angestellte in großen Häusern schwer beschäftigt geben, sondern eher den großen Couturiers aus längst vergangenen Zeiten, die scheinbar mühelos ein Imperium aufgebaut haben. Dabei ist Saab gerade mal 57 Jahre alt. Er spricht auch jetzt in seinem Büro so bedächtig und leise, dass man sich seine Stimme gut als Begleitung einer Dokumentation mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen und brüchigem Sound vorstellen kann. Selbst die Hohe Schneiderkunst von heute ist häufig anders, nicht mehr ausschließlich schön. Sie ist offener, so wie Demna Gvasalias Balenciaga-Couture, die auch die männliche Klientel berücksichtigt. Alltagstauglicher, wie zum Beispiel Maria Grazia Chiuris Entwürfe für Dior-Couture. Witziger, wie Daniel Roseberrys Vintage-Levi’s-Teile für Schiaparelli-Couture. Alle drei Beispiele zeigen: Schönheit ist heute ein heikles Thema. Es geht nicht ohne, wenn Menschen für etwas viel Geld ausgeben sollen.

          Viel beachtete Präsentationen: Seine Haute-Couture-Kollektion für Herbst/Winter 2015/16 betitelte Saab als „Shades of Gold“.
          Viel beachtete Präsentationen: Seine Haute-Couture-Kollektion für Herbst/Winter 2015/16 betitelte Saab als „Shades of Gold“. : Bild: Helmut Fricke

          Aber Schönheit allein ist schnell missverständlich, weil es von dort bis zu Geschlechterstereotypen nicht weit ist. Bis hin zu Männern, die hart an der Schönheit von Frauen arbeiten. Und Frauen, die sich für eine Männerwelt schönmachen. Die aufwendig bestickten Kleider, in denen Frauen aussehen wie Ballköniginnen, die Glitzer-Pumps, die dazu in den Regalen stehen, die kleinen Clutch-Köfferchen widerlegen diesen Eindruck auch hier an der Avenue Franklin Roosevelt nicht gerade. Zugleich ist das aber nur eine Sichtweise auf die Personalie Elie Saab. Denn dessen Bild von Schönheit dürfte auch deshalb so klar sein, weil er mit dem Schrecken besser vertraut ist als die meisten Menschen, die heute in Paris an dieser Adresse ein- und ausgehen.

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