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Christian Haas im Fragebogen : „Lieblingsvornamen? Eine absurde Frage, wenn man kinderlos ist.“

  • -Aktualisiert am

Der 48 Jahre alte Christian Haas entwirft erfolgreich Möbel und Produkte für Marken wie Vitra, Classicon, Villeroy & Boch, Karimoku New Standard und Karakter. Bild: Foto Markus Jans

Der deutsche Designer Christian Haas entwirft Möbel und Produkte für zahlreiche bekannte Marken. Seit einigen Jahren lebt er in Portugal. Dort geht es ihm bestens, wie er in unserem Fragebogen erzählt.

          3 Min.

          Ein Haus mit Garten mitten in der Altstadt von Porto: Dort lebt und arbeitet der deutsche Designer Christian Haas seit 2014 – nach Stationen in Paris und München. Der Achtundvierzigjährige entwirft erfolgreich Möbel und Produkte für Marken wie Vitra, Classicon, Villeroy & Boch, Karimoku New Standard und Karakter. Zu den neuesten Arbeiten des gebürtigen Mittelfranken (Erlangen) gehört das Beistelltisch-Programm Pical für Interlübke. Es besteht aus unter Hochdruck verpresstem Laminat (HPL) und setzt sich aus schablonenartigen Halbkreisen und deren positivem Pendant zusammen.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Unter der Woche entweder Porridge, Granola oder Banana-Pancakes, mit Früchten. Am Wochenende klassisch kontinental, mit Eiern, Schinken, Käse, Avocado und Tomaten.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Ich bin Impulskäufer. Ich kaufe ein halbes Jahr lang gar nichts, und dann denke ich: „Ich brauche neue Sachen.“ Das Geschäft von Andreas Murkudis in Berlin mag ich gerne – auch wenn es teuer ist. Ich habe einige Lieblingsstücke von ihm im Schrank, seit acht oder zehn Jahren, die ich immer noch anziehe. So rechnet es sich.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ein melangegraues Sweatshirt, das ich am Anfang meines Studiums in München gekauft habe, in einem Secondhand-Laden.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Das mache ich immer an Weihnachten. Unterm Jahr schreibe ich keine Briefe.

          Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?

          Ich muss gestehen, ich lese nicht so viel. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, auch in meiner Freizeit. Wenn ich lese, dann bezieht sich das oft auf die Arbeit. Als Japan-Fan lese ich über japanische Ästhetik, Titel wie „Lob des Schattens“ oder „In einem japanischen Garten“.

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Über portugiesische Nachrichten und das „Heute-Journal“. Dazu bekomme ich jeden Morgen den Newsletter der „New York Times“ mit den wichtigsten internationalen Ereignissen.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Ich versuche, im Smalltalk nicht über meinen Beruf zu sprechen. Da langweile ich mich selbst. Meine Themen resultieren eher daraus, was ich erlebt habe, also Konzerte, Ausstellungen, Restaurants, Begegnungen. Japan ist immer ein gutes Thema, genauso wie Gärtnern oder Wandern.

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Kürzlich habe ich den belgischen Film „Girl“ von Lukas Dhont gesehen, eine Transgender-Geschichte. Wahnsinnig emotional.

          Sind Sie abergläubisch?

          Nein, überhaupt nicht.

          Worüber können Sie lachen?

          Missgeschicke, wenn jemand ausrutscht. Versteckte-Kamera-Momente, seltsame Situationen, da lache ich am meisten. Auch über mich selbst.

          Ihr Lieblingsvorname?

          Keine. Das finde ich eine absurde Frage, wenn man kinderlos ist.

          Machen Sie eine Mittagspause?

          Ja, immer! Das habe ich hier angefangen, die Mittagspause wird in südlichen Ländern sehr hoch gehalten.

          In welchem Land würden Sie gerne leben?

          Ich bin immer dahin gezogen, wo ich gerne leben wollte. Und Portugal ist für mich in Europa der ideale Standort. Es gibt eine große Nähe zur Produktion, zu Handwerkern, mit denen ich zusammenarbeite. Ich habe ein Haus, das ich mir in Bayern nie leisten könnte.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Im Kühlschrank ist immer Käse, portugiesischer und französischer. Und selbstgemachte Marmelade. Eier, frische Kräuter, Salat.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Hundertprozentig mit Auto. Auch wenn es politisch nicht korrekt ist. Aber ich fahre gerne raus am Wochenende, ans Meer zum Spazieren oder zum Wandern in die Berge.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Mein größtes Talent? Ich bin brillant in gar nichts! Ich verdiene in gar nichts eine 1+. Aber ich bin in vielen Dingen gut. Ich habe einen gesunden Geschäftssinn, ich kann mich durchsetzen, bin ausdauernd und zäh. Die Leute arbeiten gerne mit mir zusammen. Ich bin ein sehr vermittelnder Mensch, ich mag es, wenn es allen um mich herum gut geht.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          Jetzt kann ich nicht mehr sagen: Rauchen. Bis vor eineinhalb Jahren habe ich noch geraucht. Was ich jetzt wieder entdecke, ist Verreisen. Das bringt mir so viel Input, einfach mal rauszukommen, ein paar Tage woanders zu sein. Ich kann es einschränken, aber komplett lassen würde ich das Fliegen ungerne.

          Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?

          Ich hätte gerne Isamu Noguchi getroffen, den japanischen Bildhauer. Ich bin schon immer von seinem Werk beeindruckt, war in New York in seinem Skulpturengarten und in Japan in seinem Atelier.

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Weder Uhr noch Ringe. Wofür ich ein Faible habe, sind Sonnenbrillen.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Alles, was aus der Natur kommt. Ich mag am liebsten erdige und holzige Noten.

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          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Das war in Island, Anfang März, wir haben kleine Wandertouren gemacht. Einmal sind wir auf dem Grund eines Flusses gelaufen, rechts und links war Erde und über uns der Fluss zu Eis gefroren, eine Eisdecke von etwa zwei Metern. Ein magischer Moment!

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          Ich gehe relativ häufig in die Casa de la Música hier in Porto, das Gebäude von Rem Koolhaas. Früher habe ich mich nie für klassische Musik interessiert, aber jetzt war ich ein paar Mal bei Konzerten des Symphonieorchesters und des Barockorchesters.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Ich bin ein rundum glücklicher Mensch. Ich bin gesund, das Leben meint es gut mit mir. Ich hatte auch private Tiefschläge, meine Mutter ist gestorben, mein Partner ist gestorben nach dreijähriger Partnerschaft. Aber ich bin da gut rausgekommen. Ich habe gemerkt, ich habe einen sehr stabilen Charakter, ich gehe offen und sensibel durch die Welt. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. Mir fehlt nichts zum Glück. Und das sehe ich keinesfalls als selbstverständlich an!

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Wenn Gäste da sind, portugiesischen Weißwein. Ansonsten Wasser. Oder, ganz revolutionär hier in Portugal: Saftschorle! Damit habe ich meine portugiesischen Freunde infiziert.

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