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Streit um Löwenstatue : Welfenfamilie streitet mit Harzstadt um Löwenstatue

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Der Braunschweiger Löwe: Noch steht er im Terrassengarten vor dem Kleinen Schloss in Blankenburg Bild: dpa

Zwischen dem Adelshaus Hannover und der Harzstadt Blankenburg herrscht Zoff. Die Familie von Ernst August Prinz von Hannover will dem Ort sein liebstes Wahrzeichen nehmen.

          Für Außenstehende mag das Streitobjekt bloß eine belanglose Bronzestatue sein, die mit den Jahren grün angelaufen ist. Für die Bürger der Harzstadt Blankenburg dagegen ist die Löwenplastik ungefähr das, was den Bremern die Stadtmusikanten sind oder den Einwohnern von Kopenhagen ihre Meerjungfrau.

          „Der Löwe“, sagt Bürgermeister Hanns-Michael Noll, „ist ein Kulturgut von herausragender Bedeutung.“ Jeder Blankenburger kenne die rund zwei Meter hohe Statue, die im Garten vor dem Kleinen Schloss steht. „Beinahe jeder“ habe als Kind schon auf ihr gesessen. Davon zeugt auch der Rücken des Bronzetieres: Von den vielen Hintern, die dort schon Platz genommen haben, ist der blitzeblank gescheuert.

          Die Welfen wollen ihn wiederhaben

          Doch jetzt droht den Blankenburgern ihr Wahrzeichen abhandenzukommen. Rechtlich gehört der Löwe – eine Nachbildung des Braunschweiger Löwen von 1166 – nämlich gar nicht ihnen, sondern dem ältesten Fürstenhaus Europas: dem Haus Hannover. Das war einst eng mit Blankenburg verbunden.

          Der Uropa des heutigen Welfenprinzen Ernst August von Hannover lebte ab Anfang der 1930er Jahre samt Familie auf dem Großen Schloss im Harz. Als der Zweite Weltkrieg endete, flohen die Blaublütigen vor den sowjetischen Truppen nach Niedersachsen. Viel Hab und Gut blieb zurück, darunter auch der Bronzelöwe. Die Welfen wollen ihn nun wiederhaben.

          Eine Welle der Entrüstung

          Das Recht haben die Adeligen dabei auf ihrer Seite. Das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen in Sachsen-Anhalt hat dem Antrag der Familie auf Rückübertragung des Löwen stattgegeben. Weil die Statue nach dem Ausgleichsleistungsgesetz ein „bewegliches Vermögen“ sei, müssten die Blankenburger das Bronzetier zurückgeben. Bis Ende 2014 haben sie dafür Zeit. Die Einwohner der Harzstadt sind entsetzt. Unter ihnen hat der Beschluss eine Welle der Entrüstung ausgelöst.

          „Eine Frechheit“ sei die Rückforderung, schreibt etwa ein wütender Bürger im Forum der städtischen Website. Für die Welfen, ist er überzeugt, sei der Löwe doch nur „ein Stück Metall“. Und schimpft: „Hier geht es wieder nur ums Geld, und das finde ich traurig“.

          Mehr als 40 Millionen Euro

          Der Vorwurf liegt nahe. Das Adelshaus war aus einem ähnlichen Grund bereits 2005 in die Kritik geraten. Damals veräußerte die Familie in einer der größten Auktionen der Nachkriegsgeschichte rund 20 000 Kunstschätze und Antiquitäten aus ihrem Besitz. Die Versteigerung antiker Gemälde, Möbel, Porzellan, Waffen und Textilien brachte weit mehr als 40 Millionen Euro. Kritiker sprachen von einem Ausverkauf der niedersächsischen Landesgeschichte.

          Ähnliches befürchtet man jetzt auch in Blankenburg. Denn in Sachsen-Anhalt geht es den Welfen nicht nur um den Bronzelöwen, sondern um weit mehr als 1000 Kunst- und Kulturgüter an verschiedenen Standorten. Sie stehen dem Adelshaus zu, betont dessen Bevollmächtigter Mauritz von Reden. Einige davon habe man sich bereits zurückgeholt - darunter sieben barocke Gemälde aus dem Kaisersaal des Blankenburger Schlosses. Dass dies Wutgefühle wecke, sei verständlich. Man versuche aber, die Sache nüchtern zu betrachten. „Dem Gesetz nach ist das unser Eigentum“, sagt von Reden.

          Eine Frage des Preises

          Blankenburgs Bürgermeister Noll ist von dieser Haltung empört. Zwar sei auch er der Meinung: Bei der Eigentumsfrage für bewegliche Güter gebe es nichts zu diskutieren. „Aber bei dem Löwen geht es doch um ein Denkmal, das fest mit der Stadt verbunden ist.“ Er sei daher kein „bewegliches Vermögen“, sondern eine „bauliche Anlage“. Deswegen habe die Stadt gegen den Beschluss des Landesamtes Klage beim Landesverwaltungsgericht in Magdeburg eingelegt.

          Das Gebaren des Adelshauses findet Noll unerträglich. „Das ist von wenig Geschichtsbewusstsein geprägt“, schimpft er - und betont: „Ohne die Blankenburger würde es den Löwen doch gar nicht mehr geben.“ Als die Kommunisten die Plastik 1952 vernichten wollten, seien es Bürger der Stadt gewesen, die sich für den Erhalt eingesetzt hätten - und den Löwen vor der Einschmelzung bewahrten. Seiner Meinung nach benutzt das Haus Hannover die Statue sowieso nur als emotionales Druckmittel, um vom Land eine Gesamtlösung zu erzwingen.

          Dies sieht man im Kultusministerium anders. Man sei jedoch bereit, die Stadt beim Ankauf bedeutender Kunstgegenstände wie dem Braunschweiger Löwen zu unterstützen, erklärte eine Sprecherin. Am Mittwoch will man sich deswegen mit Vertretern aus Blankenburg zusammensetzen. Vorab gibt Vermögensverwalter von Reden schon mal die Richtung vor: „Das ist alles eine Frage des Preises.“

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