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Kölner Möbelmesse : Gesteckt, gestrickt, gestapelt

Bild: E 15

Die Kölner Möbelmesse ist wieder belebt. Hersteller und Designer überraschen gleich zu Beginn des Jahres mit neuen Einrichtungstrends. Wir zeigen acht Entdeckungen.

          Endlich ein Schaukelstuhl. Es wurde aber auch Zeit! Mittlerweile haben fast alle bedeutenden Hersteller ihren Stühlen und Sesseln Kufen verpasst, da musste Classicon einfach irgendwann nachziehen. Oliver Holy ließ sich Zeit, Trends läuft er normalerweise nicht hinterher. Doch einen Schaukelstuhl wollte der Mann aus München schon länger im Programm haben. Da traf es sich, dass sich der Brasilianer Jader Almeida mit einem passenden Entwurf bei Holy meldete. „Euvira“, erstmals in diesen Tagen auf der Kölner Möbelmesse zu sehen, zeugt vom Heimatland seines Entwerfers, ist aus Holz und Leder oder auch mit Kordel bespannt. Zugleich meint man die Handschrift von Sérgio Rodrigues zu erkennen, der Vorbild von Almeida, Designer bei Classicon und Brückenbauer zwischen beiden Welten ist.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wäre es nicht ein wenig abgedroschen, so könnte der Stuhl, der so unverdrossen durch die Zeiten schaukelt, Sinnbild der gesamten Kölner Möbelmesse sein. Sie wächst wieder nach Jahren des Niedergangs. Noch hat sie nicht ihre alte Größe erreicht, 1250 Aussteller sind noch immer 250 weniger als vor gut zehn Jahren, doch bereits 250 mehr als noch vor drei Jahren. Und auch die wichtigen Italiener lassen sich wieder und fast ein wenig demütig bei der „imm Cologne“ am Rhein blicken. Ihr Markt ist um 30 Prozent eingebrochen, Möbel lassen sich in Europa derzeit fast nur noch im deutschsprachigen Raum gut verkaufen. Das haben auch die südländischen Nachbarn erkannt, die darum über die Alpen und aus ihren Showrooms in der Kölner Innenstadt wieder aufs Messegelände zurückgekehrt sind.

          Die gute Form in zwei Hallen

          Die Wiederbelebung Kölns ist eng mit dem Namen Dick Spierenburg verbunden. Der niederländische Architekt und Designer hat Teile der Messe neu gestaltet, die gute Form auf nunmehr zwei Hallen verteilt und zugleich doch konzentriert. So gesellt sich Gleiches zu Gleichem, denn wer Qualität bietet, möchte auch in einem Umfeld von Qualität wahrgenommen werden. Am schönsten zeigt sich das in diesem Jahr in Halle 3.2, „Pure Editions“ genannt. Offenheit ist Pflicht, viele der Stände haben demgemäß ihre Wände verloren und sind zu von allen Seiten begehbaren Bühnen geworden. Darüber hinaus sind auf zehn Podesten kleine Ausstellungen und Installationen zu sehen. Zehn Unternehmen, darunter Thonet und e 15, Muuto und String, Vitra und Flötotto, die vom Frankfurter Unternehmen Stylepark ausgewählt wurden, zeigen jeweils besondere Inszenierungen, die meist mit Neuheiten und viel mit ihren Kollektionen zu tun haben.

          Auch dabei darf man ruhig mutige Wege beschreiten. Und so präsentiert eines der ältesten deutschen und noch immer familiengeführten Möbelunternehmen, Thonet aus Frankenberg, gemeinsam mit Kegelmann Technik eine innovative Designstudie. Die alte Holzschale des Stuhls „S 664“ von Eddie Harlis aus dem Jahr 1954 wird nun aus Carbongewebe, Kunststoff und Epoxidharz zu einer neuen Einheit „verschmolzen“. Ob der Hightech-Entwurf „S 774“ in Serie geht, wird vielleicht schon die nächste „imm cologne“ zeigen.

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