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Kölner Möbelmesse : Fackel des modernen Wohnens

Es wächst sich aus: „Free Flow” heißt das Sitzsystem von Gordon Guillaumier (für Moroso), das sich durch jeden Raum und in jede Richtung schlängeln kann. Bild: Moroso

Die Möbelproduktion ist kein schnelllebiges Geschäft und mit der Mode nicht zu vergleichen. Trotzdem lassen sich bei der Kölner Messe Entwicklungen erkennen. „Homing“ ist in diesem Jahr das Schlagwort der Messe: In der Krise bleibt der Mensch gern im eigenen Zuhause.

          Die Kölner Möbelmesse ist bescheidener geworden. Nicht nur, dass sie an Größe und Bedeutung eingebüßt hat. Vor zehn Jahren hatte sie noch 1500 Aussteller und fast 150.000 Besucher, in diesem Jahr sind es etwas mehr als 1000 Aussteller und es werden in sechs Tagen bis zum Sonntagabend knapp 100.000 Besucher erwartet. Auch die neuen Chefs der „imm cologne“ (vor allem Geschäftsführer Gerald Böse) scheinen weniger überheblich und anmaßend als ihre Vorgänger. Das beweist schon die Wortwahl im Messeprofil: Aus der „weltweit führenden Möbelmesse“, wie es großspurig in den vergangenen Jahren stets hieß, ist schlicht eine „internationale Einrichtungsmesse“ geworden, die zu Beginn eines jeden Jahres mit neuen Wohntrends und marktfähigen Innovationen überraschen möchte. Neuheiten sind auf der Messe zu entdecken, gutes Design ist nicht immer darunter.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Möbelproduktion ist kein schnelllebiges Geschäft und mit der Mode nicht zu vergleichen. Trotzdem lassen sich längerfristige Entwicklungen erkennen. „Homing“ ist in diesem Jahr das Schlagwort der Messe: Trotz oder gerade wegen der Finanzkrise sei der Mensch gern im eigenen Zuhause und richte sich dort auch gerne ein. Dabei ist der Begriff vom Heim weitgefasst und reicht bis hinaus in den Garten. „Allterior“ nennt das 2007 gegründete Frankfurter Unternehmen April seine Möbel, die drinnen wie draußen bestehen können. Dem Sessel „Loop“ hat Designer Florian Asche ein witterungsbeständiges helles Polster übergezogen, dem weder Ketchup, noch Rotwein oder Vogelkot etwas anhaben können. Schmutz lässt sich abwaschen, Wasser dringt in den Stoff, der aus dem Boots- und Yachtbau bekannt ist, nicht ein. So kann „Loop“ winters wie sommers im Freien genauso wie im Wohnzimmer bestehen.

          Die zeitlose Eleganz des Sofas ist ein „Trend“

          Möbel sollen Alleskönner sein, sowohl was ihre Form als auch ihre Funktionalität angeht. „Free Flow“ ist der passende Name eines Sitzsystems (von Gordon Guillaumier für Moroso), das sich beliebig durch den Raum schlängeln kann. Die zeitlose Eleganz des Sofas ist ein weiterer „Trend“. Kein Wunder, dass wiederentdeckte Klassiker sehr beliebt sind. Richard Lampert, der zwei altbekannte Architekten im Programm hat (Egon Eiermann und Herbert Hirche), hat nun auf Hirches Speicher einen „wahren Schatz“ gefunden – seinen Schalensessel von 1957. Bei dem Entwurf für die Interbau Berlin hatte sich der 2002 verstorbene Designer von den Sesseln Eero Saarinens und Ray und Charles Eames’ inspirieren lassen. Herausgekommen, so Lampert, sei etwas ganz Eigenständiges. Ein besonderer Sessel, gepolstert, und rundum mit Stoff (Velours) oder Leder belegt.

          Allwetterware: Dem Sessel „Loop” (Design: Florian Asche) hat das noch junge Frankfurter Unternehmen April einen hellen Bezug übergezogen, dem weder Rotwein noch Vogelkot etwas anhaben können.

          Dass es beim Rückzug in die vier Wände ruhig schlicht zugehen darf, fast schon spartanisch, beweist Jörg Schellmann. Er mag es sogar besonders minimalistisch. Seine „Staff Lamp“ ist nicht viel mehr als Birne, Fassung, Halter. So wird die Leuchte zur Fackel des modernen Wohnens.

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