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Farbenlehre : Ein Lack ist nicht genug

Beim Rolls Royce-Coupé Wraith sind die Kunden experimentierfreudig: Jeder zweite Besteller will zwei Farben. Bild: Hersteller

Rolls Royce ruft zweifarbige Geister, Opels Adam ist ein bunter Riese, Mini sieht schon lange rot. Über die neue Farbenlehre der Autos.

          Mal ehrlich, wer kauft einfach nur ein Auto? Ein jeder erwirbt doch gleichzeitig ein Lebensgefühl, will zu einer Peergroup gehören oder sich gar von dieser absetzen. Mit dem Fahrzeug fährt auch immer eine Botschaft mit, die im schlechtesten Falle lautet: „Ist mir vollkommen egal, wie die Kiste aussieht. Hauptsache, das Ding fährt.“ In den meisten Fällen jedoch wird Wert gelegt auf ein gepflegtes Äußeres, auf den sportlichen Auftritt, den selbstbewussten, den ausgeflippten – eben ganz nach persönlichem Geschmack. Individualisierung ist das Zauberwort, das Designer und Marketing-Fachleute gleichermaßen in die Waagschale werfen, wenn es darum geht, ihr Produkt (in der Gunst der Käufer) in den Vordergrund zu rücken.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Zur Kunst der Verführung gehören nicht mehr länger allein eine hinreißende Karosserieform, schicke Scheinwerfer oder coole Felgen. Immer mehr Hersteller bieten zweifarbige Lackierungen an. Das Dach hebt sich in Kontrastfarbe vom Körper ab, das gibt dem Auto eine eigene Note, die sich wachsenden Zuspruchs erfreut. Der zu BMW gehörende Hersteller Mini nimmt für sich in Anspruch, Trendsetter in dieser Hinsicht zu sein. Wohlgemerkt: Wir reden hier von der jüngeren Zeit. Natürlich hat es in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Automobils schon vorher zweifarbig lackierte Fahrzeuge gegeben. Aber vielleicht nie zuvor sprangen sie so ins Auge. „Der Trend hin zur Individualisierung nimmt grundsätzlich stark zu“, heißt es bei der britischen Marke. „Viele unserer Konkurrenten versuchen mittlerweile, uns bei dem Thema Individualisierung, insbesondere auch beim Thema Dachfarbe in Kontrastlackierung, nachzueifern. Wir bieten die Dachfarbe in Kontrastlackierung schon seit dem Relaunch der Marke Mini im Jahr 2001 an.“

          Auch Rolls Royce fährt gerne zweifarbig

          Jüngstes Beispiel für diesen Trend ist der Renault Captur. Das im Juni auf den Markt kommende Modell ordnet sich zwischen Minivan und Geländewagen ein und wird natürlich in Mehrfachlackierung angeboten. Zur Präsentation lackierten die Franzosen unter der Aufsicht ihres Chefdesigners Laurens van den Acker ihren Captur in orange mit weißem Dach, in orange mit schwarzem Dach und in weiß mit schwarzem Dach. Welcher der schönste ist? Zwei Farben sollten es jedenfalls sein, uni sieht im Vergleich geradezu langweilig aus.

          Wer nun glaubt, eine doppelte Lackierung sei etwas für Besitzer von Kleinwagen zur Steigerung des Selbstbewusstseins, der möge einen Blick auf den Inbegriff britischen Luxusfahrzeugbaus werfen: Rolls Royce ist auch gerne zweifarbig unterwegs. Sieht das nicht edel aus?  Die Produktion stellt der Wunsch nach der doppelten Farbe freilich vor gewisse Schwierigkeiten. Ist nur eine Fertigungsstraße vorhanden, muss das Auto zunächst in einer Farbe lackiert, dann teilweise abgeklebt, wieder hinten an das Band angestellt und abermals lackiert werden.

          Das kostet Zeit und Geld. „Wir haben das Glück, in unserem Werk zwei Bänder parallel laufen zu haben“, sagt Laurens van den Acker. „Deswegen verursacht die zweifarbige Lackierung kaum Mehraufwand.“ Bei Opel etwa sieht das anders aus. Dort fährt für den frischen Kleinwagen Adam nur ein Band. Nun wird dem Vernehmen nach überlegt, das Band zu verlängern, damit sich die zweifarbig gewählten Adams ohne größere Verzögerung wieder in den Ablauf eingliedern können.

          Auch der neue Opel Adam fährt auf zwei Farben ab.

          Eine Ausnahme, wie könnte es anders sein, ist Rolls Royce. Denn hier gehört Handarbeit zum Geschäft. „Im Vergleich zum konventionellen Fahrzeug wird erst in der Basisfarbe lackiert. Im zweiten Schritt wird das Fahrzeug zur Hälfte maskiert“, heißt es bei dem Automobilhersteller. „Das geschieht manuell und erfordert zwei sehr gut ausgebildete Lackierer. Hier ist hohe handwerkliche Fähigkeit gefordert. Bei anderen Herstellern erfolgt dieser Schritt automatisch. Danach wird in der Kontrastfarbe lackiert, dann das Fahrzeug demaskiert und zum Schluss der zweite Klarlack aufgetragen.“

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