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Vor der WM : Wie der Ball rund wird

Dass der Ball überhaupt die auf ihn wirkende Kraft weitergeben kann, liegt an seiner Elastizität. Die Luft im Inneren und die Hülle bilden eine Art Feder-Dämpfer-System, das die Energieumwandlung möglich macht. Diese wird durch die Änderung des Luftdrucks innerhalb des Balls bewirkt. Durch den Fußtritt wird das Volumen des Balls verkleinert, der Druck erhöht sich. Danach breitet sich die Luft wieder aus, und die Energie, die der Ball aufgenommen hat, wird in Bewegung umgesetzt.

Selbst bei Fritz-Walter-Wetter ändert sich an diesen technischen Grundlagen kaum etwas. Das war für Adidas eine der größten Errungenschaften nach der Umstellung von Leder auf Kunststoff: Das Gewicht bleibt auch im Dauerregen fast gleich, es erhöht sich höchstens um ein Prozent – die Regel würde bis zu zehn Prozent erlauben. Die alten Lederbälle hatten zuletzt auch schon wasserdichte Nähte, nahmen bei Nässe aber dennoch spürbar an Gewicht zu. Und noch in den sechziger Jahren wurde bei starkem Regen aus einem Ball von rund 450 Gramm schnell knapp ein Kilogramm.

Zeichenfläche: Auf die Karkasse werden sechs propellerförmige Paneele geklebt.
Zeichenfläche: Auf die Karkasse werden sechs propellerförmige Paneele geklebt. : Bild: Rainer Wohlfahrt

Wichtig ist zudem, dass das Spielgerät immer gleich ist. Längst steht bei wichtigen Spielen mehr als ein Ball zur Verfügung, um Spielunterbrechungen so kurz wie möglich zu halten. Rund 25 Bälle liegen pro Match parat. 1966 in Wembley spielte man noch mit einem einzigen. Den schnappte sich damals Helmut Haller nach dem Abpfiff und behielt ihn jahrelang für sich. Seit 1996 ist er im englischen Fußball-Museum in Manchester ausgestellt.

Der neue Ball für die WM 2018 kam im November auf den Markt. Hergestellt wird er in China. Herzstück ist seit jeher die Blase, die für Elastizität und Spielbarkeit sorgt. Sie besteht aber nicht mehr aus Naturlatex, sondern aus einem synthetischen Kautschuk. Um die Blase herum liegt die runde Karkasse, die zu 40 Prozent aus einer Zuckermischung besteht. Auf sie werden bei etwa 100 Grad Hitze sechs identische, propellerförmige Paneele aufgeklebt. Die Zahl der Paneele ist die gleiche wie beim „Brazuca“, dem Ball für die WM 2014. Der EM-Ball 2004 hatte noch 32 Paneele, bei der WM 2006 waren es 14.

Adidas verlässt sich nicht nur auf die Tests im Labor, zu denen auch Versuche mit der Ballschussmaschine „Roboleg“ gehören, die zusammen mit der englischen Universität Loughborough entwickelt wurde und seit 2014 im Einsatz ist. Sie schießt in der Regel mit 105 Kilometer pro Stunde, möglich ist maximal Tempo 160. So wird auf wissenschaftlicher und nachvollziehbarer Basis das Flugverhalten des Balls untersucht.

Generationenfrage: Der aktuelle WM-Ball „Telstar18“ (rechts) mit seinem Vorfahr, dem „Telstar“ von der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko
Generationenfrage: Der aktuelle WM-Ball „Telstar18“ (rechts) mit seinem Vorfahr, dem „Telstar“ von der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko : Bild: Rainer Wohlfahrt

Aber: „Grau ist alle Theorie – entscheidend is auf'm Platz“, sagte einst Trainer Adi Preißler. So werden auch Spieler befragt, wie sich der neue Ball anfühlt.

Mehr als 600 offizielle Spiele hat der „Telstar18“ schon hinter sich, unter anderem bei der U20-WM in Südkorea im vergangenen Jahr. Von den Nutzern des „Telstar18“ gab es bislang kein negatives Feedback. Das größte Lob ist vielleicht ohnehin, wenn es gar nicht auffällt, dass mit einem neuen Ball gespielt wurde. Auf die Frage, wie er den Neuen finde, antwortete der Kölner Nationalspieler Jonas Hector etwa, er kenne den Ball doch noch gar nicht - dabei war er im Länderspiel gegen Spanien am 23. März (1:1) schon im Einsatz gewesen, und der Außenverteidiger hatte die kompletten 90 Minuten gespielt. Vor der WM 2006 hatte sich der damalige Nationaltorwart Jens Lehmann noch heftig über den Ball beschwert: Er sei sehr schnell, gerate leicht ins Flattern und werde zudem bei Regen glitschig - was ein Nachteil für die Torhüter sei.

Auch über die neuen Fußballschuhe der Nationalmannschaft haben sie sich in Herzogenaurach Gedanken gemacht. Sie sind federleicht, wiegen keine 200 Gramm und sind am Fuß kaum zu spüren. Auch die Schuhe sind in jedem Sportgeschäft zu kaufen, für 280 Euro. Schraubstollen sind längst Geschichte, und auch Schnürsenkel gibt es nicht mehr. Das wird die Zukunft sein, sagt man bei Adidas, schon weil man den Ball so auch in diesem Bereich des Schuhs präziser trifft. Das Einzige, was die Herzogenauracher zum Thema Fußball nicht herstellen, sind übrigens Tore. Um die muss man sich schon selbst kümmern.

Das WM-Trikot

Fußballspieler sind oft abergläubisch. Das neue Trikot, das Adidas zur WM für die Nationalelf kreiert hat, soll an das legendäre Dress der Weltmeisterschaft 1990 erinnern, als Deutschland in Italien zum dritten Mal den Titel gewann. „Ich kenne natürlich die Trikots von 1990, erkenne auch die Parallelen – und sehe deshalb Vielversprechendes für die WM in Russland“, sagte Innenverteidiger Mats Hummels über das neue Trikot.

Etwas in Vergessenheit geraten ist dabei, dass die Hemden von 1990 schon 1988 bei der Europameisterschaft in Deutschland getragen wurden, als die deutsche Elf im Halbfinale gegen den späteren Sieger Niederlande ausschied. Damals kam zum ersten Mal Farbe aufs Trikot – bis dahin liefen die Deutschen streng in Schwarz-Weiß auf. Die Hosen bleiben natürlich auch 2018 schwarz, dazu gibt es weiße Stutzen. Der Torhüter spielt in blauem Outfit.

Das Auswärtstrikot hatte schon immer Farbe. In Russland ist es wieder ein grünes Hemd; ein gezacktes Muster soll ebenfalls an das Design von 1990 anknüpfen. Hier sind die Hosen weiß, die Stutzen grün, und der Torhüter spielt wieder in Blau.

Heftige Diskussionen gab es über die Schriftzüge der Spielernamen und die Nummern. Adidas hat dafür eine eigene Schrift entworfen, in der eine 1 aber kaum von einer 7 zu unterscheiden ist. Gleiches gilt für das Z und die 2, das X und das H und die 5 und das S. Adidas versteht die Aufregung darüber nicht recht, freut sich aber über die Publicity. Das Originaltrikot kostet 130 Euro (inklusive individueller Beflockung), als Replika ist es für 90 Euro zu haben.

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