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Designerin Lili Radu : Der Traum und das Risiko

Alles für die Taschen: Lili Radu und ihr Partner Patrick Löwe schreiben vor Messen wie hier in Berlin 5000 E-Mails mit Terminanfragen – und rufen 3000 Leute an. Bild: Johannes Krenzer

In der vergangenen Woche haben etliche Jungdesigner ihre Kollektionen auf der Berliner Modewoche gezeigt, in der Hoffnung auf Erfolg. Aber wie schafft man das? Hausbesuch bei einer, die auf dem besten Weg ist.

          6 Min.

          Dienstag Abend, kurz nach 23 Uhr im sechsten Stockwerk eines schicken Neubaus in Prenzlauer Berg. Lili Radu steht an der verglasten Fensterfront ihrer Wohnung, die zugleich Firmenzentrale ist. Im Hintergrund leuchtet der Fernsehturm, auf dem Küchenblock sammeln sich die Rotweingläser der Einkäufer, der Mitarbeiter, der Besucher. Hier ist noch viel los. Radu erzählt gerade von ihren Taschen-Stangen, schmalen, hohen gusseisernen Teilen in Schwarz und Weiß, die sie extra hat anfertigen lassen und die sie mitnimmt, wann immer sie ihre Modelle irgendwo präsentiert. „Auf den Zentimeter genau passen die Stangen in den Kofferraum unseres Volvos“, sagt sie. Und, als ob sie ihr Glück darüber selbst nicht fassen könnte, betont sie noch mal: „Auf den Zentimeter!“ Darauf ein Schluck Rotwein. „Quatsch!“, ruft ihr Ehemann und Business-Partner Patrick Löwe dazwischen und klingt ernüchtert. „Das habe ich natürlich vorher ausgemessen. Wir verlassen uns doch nicht darauf, dass das schon irgendwie passen wird.“ So viel zum Glück. Glück kommt selten allein.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer es als junger Designer schaffen möchte, sein Label erfolgreich zu etablieren, der braucht Glück. Und Fleiß, Selbstbewusstsein, strategisches Denken, Verständnis von Zahlen, Mut. Der muss risikofreudig sein, spontan, kommunikativ. Und, ach ja, kreatives Talent ist natürlich eine Voraussetzung. Wer als junger Designer erfolgreich sein will, braucht aber vor allem eine gute Idee. Die Zeiten haben sich geändert, seit Designer wie Jil Sander oder Giorgio Armani über Nacht die Welt erobern konnten. Mode gibt es spottbillig und sündhaft teuer, neue Mode erscheint nicht mehr alle halbe Jahr, sondern oft alle zwei Wochen. Mode wird von ein paar wenigen Großkonzernen weltweit gesteuert. Kunden müssen heute nicht mehr nach x-beliebiger Mode suchen, sie ist ja nur zwei Mausklicks entfernt, und die Teile, die man sich im Netz näher anschaut, verfolgen einen daraufhin auf den Werbe-Bannern durchs ganze Internet. Mit einer neuen Prêt-à-porter-Kollektion hingegen verschafft sich ein Jungdesigner kaum sofort Aufmerksamkeit.

          Je einfacher eine Botschaft, desto besser

          Wer als unbekannter Modemacher erfolgreich sein will, tut also gut daran, eine Nische zu finden - und sein Produkt mit einer möglichst einfachen Botschaft auf den Punkt zu bringen. Das ist auch der Eindruck, den man in den vergangenen Tagen auf der Berliner Modewoche gewinnen konnte. Da ist die Cape-Designerin Josephine Gaede, die mit ihrem Label Das Cape Mädchen nun händeringend nach mehr Mitarbeitern sucht. Oder das Abendmode-Label Galvan, das seit neuestem auch im Trendstore „Opening Ceremony“ in Los Angeles verkauft. Oder die Designerin Isabell de Hillerin, deren Markenzeichen rumänische Handwerkstechniken sind, die damit jetzt auch „Manufactum“ überzeugen konnte. In einem gesättigten Markt geht es zunehmend um Spezialisierung, um die besten Capes, die besten Abendkleider, die besten Seidenblusen. Als Designer braucht man heute einen guten Grund, warum Kunden einen mit Aufmerksamkeit verwöhnen sollten.

          Bei Lili Radu lautete diese Botschaft vor vier Jahren zum Beispiel: „Ich mache Laptophüllen, die schön genug sind, um sie wie Clutch-Taschen zu tragen.“ Nach so einer hatte sie selbst gesucht. Weil Radu keine finden konnte, gründete sie ein Label für schöne Laptoptaschen. Nach anderthalb Jahren kam ein gewisser Paul von Apple an ihrem Messestand in Berlin vorbei. Wenige Monate später entwarf die junge Frau unter ihrem Namen für Apple Laptophüllen, schön genug, um damit auszugehen.

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