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Möbelhersteller Molteni & C : Daheim beim Design

Design als Auftrag: Das Regal Piroscafo, von Aldo Rossi und Luca Meda entworfen, ist der Fassade des Regierungspalasts in Perugia nachempfunden Bild: Hersteller

In der Brianza nördlich von Mailand haben sich schon früh zahlreiche Handwerksbetriebe angesiedelt. Einige wenige wurden zu bedeutenden Möbelproduzenten, die noch heute in Familienhand sind. Molteni & C gehört dazu.

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          Im August war er drei Wochen segeln – an den Tyrrhenischen Inseln vor der toskanischen Küste. „Mit der Familie auf einem Boot auf dem Meer, etwas Besseres kann man doch nicht machen in Corona-Zeiten“, sagt Carlo Molteni. Ganz Italien ist sonst im August in einem Shutdown, nicht wegen eines Virus, sondern um den Sommer zu genießen. In diesem Jahr aber war auch das natürlich anders.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Während der Patriarch der Molteni-Gruppe sich drei Wochen Urlaub gönnte, waren seine Angestellten nur eine Woche in den Sommerferien. Es galt aufzuholen, was der namhafte Möbelhersteller Molteni & C aus der Lombardei im Frühling, als das Unternehmen tatsächlich coronabedingt für zwei Monate schließen musste, versäumt hatte. Auch nach Weihnachten und über Silvester wurde darum in Giussano durchgearbeitet.

          „Corona war ein Schock für uns“

          Während andere Branchen klagen, ist die Möbelindustrie mit einem blauen Auge durch das Corona-Jahr 2020 gekommen. Wer nicht ins Büro geht, braucht eben kein neues Kleid und keinen neuen Anzug. Im Homeoffice aber will man es angenehm und schön haben, also kauft man einen neuen Schreibtischstuhl, ein neues Sofa oder sogar eine neue Küche.

          Das bestätigen auch die Zahlen des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM): Nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr habe der Auftragseingang in den Sommermonaten deutlich zweistellig über dem Vorjahr gelegen und damit auf einem für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Niveau. „Auch im Herbst hielt die hohe Nachfrage an“, sagt VDM-Geschäftsführer Jan Kurth. Bei Küchen habe es ein Auftragsplus von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben, bei Polstermöbeln sei es ein Plus von 17, bei Wohnmöbeln sogar von 31 Prozent gewesen. Insgesamt erwartete der VDM für 2020 ein Umsatzminus von nur fünf Prozent.

          Von klein auf mit dabei: Carlo Moltenis Weg in die Firma war vorgezeichnet. Hier ist er mit vier Jahren stehend als vierter von links zu sehen, sein Vater Angelo Molteni, Gründer von Molteni & C, steht ganz links.
          Von klein auf mit dabei: Carlo Moltenis Weg in die Firma war vorgezeichnet. Hier ist er mit vier Jahren stehend als vierter von links zu sehen, sein Vater Angelo Molteni, Gründer von Molteni & C, steht ganz links. : Bild: privat

          Das deckt sich ziemlich genau mit dem, was Carlo Molteni für sein Unternehmen vorhersagte. „Unser Umsatz im vergangenen Jahr wird ein wenig unter dem von 2019 liegen, vielleicht fünf bis sechs Prozent. Aber 2019 lag unser Zuwachs auch bei gut 20 Prozent.“ Für dieses Jahr geht er hingegen schon wieder von „einem sensationellen Ergebnis“ aus.

          „Corona war ein Schock für uns“, sagt Carlo Molteni. Die Lombardei mit der Brianza, dem Herzen der italienischen Möbelindustrie, war im Frühjahr besonders hart von der Pandemie getroffen worden. Fast 20.000 Corona-Tote hatte es alleine von Anfang März bis Anfang April in der norditalienischen Region mit seiner Metropolitanstadt Mailand gegeben.

          Die ersten Maschinen kamen aus Deutschland

          Für Carlo Molteni war es „eine schreckliche Zeit“, aus der sein Unternehmen aber viel gelernt habe, etwa von zu Hause zu arbeiten und Menschen besser miteinander zu verbinden. Entlassen musste Molteni keinen seiner etwa 1000 Angestellten, davon 400 allein am Sitz der Firma, in Giussano. Im Gegenteil: Als die Produktion wieder anlief, waren 20 zusätzliche Mitarbeiter vonnöten, um die vielen Aufträge abzuarbeiten.

          Den Tisch Lessless hat Jean Nouvel gestaltet
          Den Tisch Lessless hat Jean Nouvel gestaltet : Bild: Hersteller

          Carlo Molteni ist in der Brianza nördlich von Mailand groß geworden, in einer Gegend, die seit jeher als unfruchtbar gilt. Darum siedelten sich keine Bauern, sondern vor allem Handwerker in der Region an. Besonders die Nähe zu der Großstadt Mailand zahlte sich aus. Je reicher deren Einwohner wurden, desto edler und besser wurden die Produkte, die im Umland für die anspruchsvolle Kundschaft aufwendig meist von Hand hergestellt wurden. Heute steht Mailand wie kaum eine andere Stadt auf der Welt für gute Mode und gutes Design.

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