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Designer De Lucchi : „Beim Smalltalk ist mein Bart das Thema“

Michele de Lucchi spricht gern über seinen Bart. Bild: Frank Röth

Architekt und Designer Michele De Lucchi ist ein Romantiker und liebt seine Seidenkrawatten im Memphis-Stil. Wer sein erstes Vorbild in der Mode war und was sein Talent ist, verrät er im Magazin-Fragebogen.

          3 Min.

          Sein Name ist mit der Mailänder Designgruppe Memphis verbunden – wie der seines einstigen Mentors Ettore Sottsass. Michele De Lucchi, 1951 in Ferrara geboren, zählte 1980 zu den Mitbegründern dieser Anti-Design-Bewegung, die sich gegen die vorherrschenden Regeln des Funktionalismus wandte. De Lucchi ist Designer und Architekt zugleich. Besonders für den georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili hat er viele Prestigeobjekte geplant und erbaut. Zudem entwirft er seit vielen Jahren für das Unternehmen seines Freundes Alberto Alessi, zuletzt den Wasserkocher Plissé, aber auch für Artemide, Cassina, Danese oder Riva 1920.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Was essen Sie zum Frühstück?
          Früchte und Tee, am liebsten zu Hause mit Blick auf den Lago Maggiore. Oft aber fahre ich schon ganz früh am Morgen mit dem Zug nach Mailand und frühstücke im „Radetzky“, gleich ums Eck von meinem Studio.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
          Bei meinem Freund Issey Miyake.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?
          Ja, denn man lernt viel über Menschen, unabhängig davon, ob man etwas kauft oder nicht. Für mich ist Einkaufen eher eine anthropologische Studie.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
          Vermutlich einige Seidenkrawatten im Memphis-Stil. Wenn ich extravagant sein will, trage ich sie auch noch.

          Was war Ihre größte Modesünde?
          Vermutlich würden manche sagen: meine Seiden-Krawatten im Memphis-Stil.

          Sein Bart und sein Zwillingsbruder sind die besten Themen für Small-Talk mit dem Architekten Michele De Lucchi.

          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?
          Nein.

          Haben Sie Stil-Vorbilder?
          Als ich in den Siebzigern für Ettore Sottsass arbeitete, wollte ich so sein wie er. Über ihn lernte ich Issey Miyake und seinen Stil kennen, den ich sehr schätze, weil er elegant und bequem ist, aber nicht extravagant.

          Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?
          Nein, aber ich arbeite gerne mit Holz und mache Tabletts, die man wie Bilder an die Wand hängen kann, was praktisch ist, weil sie sonst nur viel Platz wegnehmen.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?
          Ein sehr altes sogar. Mein Vater hat es mir geschenkt. Es ist aus England und für 24 Personen, komplett mit Besteck und Gläsern dazu. Wunderschön, nie benutzt.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?
          Kochen habe ich als Student in Florenz gelernt, als ich erstmals alleine lebte. Von dort habe ich „Roastbeef à l'anglaise“ mitgebracht, ein Rezept, das auf den Einfluss der vielen Engländer dort in früheren Zeiten zurückgeht. Es wird nicht im Ofen, sondern im Topf zubereitet.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?
          In Italien „Corriere della Sera“ und „La Repubblica“, dazu Design- und Architektur-Magazine.

          Welche Websites und Blogs lesen Sie?
          „ArchDaily“, „Divisare“ und viele andere mehr.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
          Gestern morgen. Ich schreibe noch immer sehr viel von Hand, zum Beispiel Anfragen oder Benachrichtigungen an Kollegen und Anweisungen an meine Mitarbeiter.

          Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?
          Einige. Zuletzt zwei Bücher von dem israelischen Anthropologen Yuval Noah Harari: „Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen“ und das etwas ältere „Eine kurze Geschichte der Menschheit“.

          Ein Trüffelhobel von Michele De Lucchi für Alessi

          Ihre Lieblingsvornamen?
          Die Namen meiner Kinder: Pico, Arturo, Lelia und Lavinia.

          Ihr Lieblingsfilm?
          Ich liebe „Doktor Schiwago“ mit Omar Sharif und Julie Christie.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
          In der Stadt ohne. Doch ich fahre gerne durch die Berge.

          Tragen Sie eine Uhr?
          Ja. Seit kurzem ist es eine Apple Watch, weil ich auf dem Laufenden sein möchte.

          Tragen Sie Schmuck?
          Nein, nur meinen Ehering.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?
          Den Duft von frischem grünem Gras.

          Was ist Ihr größtes Talent?
          Ich habe einen Zwillingsbruder, der genauso aussieht wie ich, er hat nur keinen Bart. Genauer: Ich habe meinen, um mich von ihm zu unterscheiden. Wir haben beide schon früh versucht festzustellen, was den Unterschied zwischen uns ausmacht. Ich denke, das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen und könnte ein Talent sein: Unterschiede zu finden, man könnte auch sagen, alternative Lösungen aufzuzeigen.

          Was ist Ihre größte Schwäche?
          Ich bin ein Romantiker, dadurch werde ich manchmal etwas dünnhäutig.

          Womit kann man Ihnen eine Freude machen?
          Ich liebe meine Arbeit und rede auch gerne darüber. Darum schätze ich Gesprächspartner auf Augenhöhe, die mir gute Argumente liefern.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
          Mein Bart und mein Zwillingsbruder.

          Sind Sie abergläubisch?
          Meine Mutter war schrecklich abergläubisch. Das beeinflusst mich bis heute, auch wenn ich nicht abergläubisch sein will.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?
          Meine Frau kommt aus Deutschland. Viele Jahre reisten wir durch Italien, damit sie das Land kennenlernt. Inzwischen sind wir gerne in Georgien, wo ich viel für die Regierung gebaut habe, etwa die Friedensbrücke in Tiflis. Ich besitze sogar einen georgischen Pass.

          Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?
          Mit der ganzen Familie in Georgien.

          Was trinken Sie zum Abendessen?
          Wenn ich am nächsten Tag früh aufstehen muss, nur Wasser. Sonst gerne ein Glas Weißwein.

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