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Designer Ingo Maurer : Es werde Licht

„Zettel’z 5“ erinnert an die frühen Zeiten des Schriftsetzers Bild: Tobias Schmitt

Lichtdesigner Ingo Maurer ist überzeugt, dass Energiesparlampen eine Nebenwirkung haben: Mehr Menschen werden sich bei Psychotherapeuten behandeln lassen müssen. Über einen Mann, der eine besondere Beziehung zur Glühbirne hat.

          Wo ist eigentlich seine Glühlampe? Ingo Maurer ist konsterniert. Seit bald zwei Stunden hat er von Licht und noch mehr Licht gesprochen, hat von seinen wichtigsten und schönsten Leuchten aus einem halben Jahrhundert erzählt. Und nun scheint beim Rundgang durch seinen Münchner Showroom ausgerechnet die allererste Leuchte zu fehlen. „Wo ist die ,Bulb'“, fragt er seine Mitarbeiter, die sofort wissen, dass er die Glühlampe in der Glühlampe meint. „Vorne im Fenster“, bekommt er nach einigem Hin und Her zur Antwort. Es gefällt Ingo Maurer gar nicht, wie sie da zwischen zwei Glasscheiben eingequetscht steht, in dem doppelt verglasten schmalen Kasten mit weißem Holzrahmen. Vorsichtig befreit er die 30 Zentimeter hohe gläserne Skulptur aus ihrer misslichen Lage und lässt Platz für sie neben dem Empfangstresen schaffen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ohne die „Bulb“ von 1966 gäbe es den Lichtdesigner Ingo Maurer nicht. Mit dieser ersten Leuchte begann vor einem halben Jahrhundert die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens Design M, aus dem die Ingo Maurer GmbH wurde. Wie er zum Licht kam? Die Anekdote, tausend Mal erzählt, muss einfach wahr sein. Eine Flasche Rotwein, sagt er, sei schuld gewesen. Er habe sie eines Abends in Venedig bei einem guten Essen getrunken. „Müde legte ich mich aufs Bett in meinem billigen Hotel und entdeckte über mir eine wunderschöne 15-Watt-Glühlampe.“ Wunderschön? „Manchmal werden die Dinge ja intensiver, wenn man nicht ganz nüchtern ist.“ Fast möchte man wieder zweifeln an der Geschichte, dass er noch im Rausch begann, die „Bulb“ zu zeichnen.

          Maurer entwarf das „Euro Condom“ für die Glühbirne

          Maurer gelang etwas Ungewöhnliches: Der profanen Glühlampe, die meist im Verborgenen brennt und kaum Beachtung findet, wenn sie nicht gerade kaputt ist, setzte er ein Denkmal. Bis zur „Bulb“ sahen Designer ihre Aufgabe vor allem darin, Glühlampen formschön zu kaschieren, und sei es mit einem selbst gestrickten Lampenschirm. Für Maurer war das fortan ein Unding: Ihn verbindet eine besondere Beziehung zu der gläsernen Birne, die allabendlich das letzte Feuer in unseren Wohnungen entfacht und emotional etwas in uns weckt, das seit Menschengedenken zu uns zu gehören scheint.

          Darum auch war Ingo Maurers Widerstand gegen die Glühlampenausstiegspläne der Europäischen Union besonders groß. Viele Designer unterzeichneten eine Petition gegen das Vorhaben. Maurer entwarf sogar ein „Euro Condom“: Mit Hilfe eines dünnen Silikonüberzugs konnten klare Glühlampen, die vorläufig noch weiter verkauft werden duften, damit in mattierte verwandelt werden. „Schützen Sie sich vor dummen Regeln“, schrieb er 2012 dazu. „Benutzen Sie das ,Euro Condom'.“ Doch nicht einmal ihm gelang es, die Politiker von dem „demoralisierenden“, „dumpfen“, „kalten“ und „ungesunden“ Licht der vermeintlich umweltverträglicheren Energiesparlampe zu überzeugen. „Wir haben zwei identische Räume in derselben Weise mit Licht ausgeleuchtet, einmal mit Glühlampen, einmal mit Energiesparlampen“, erzählt Maurer. „Das hätte jeden davon überzeugen müssen, wie tödlich das Licht der Energiesparlampen ist.“

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