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Designer Ingo Maurer : Es werde Licht

Eine andere hieß „Le jour et la nuit arrivent sans bruit“, „der Tag und die Nacht kommen lautlos heran“. Mit den fliegenden Glühlampen mit Flügeln war die Idee für „Lucellino“ geboren, eine seiner erfolgreichsten Leuchten. Die geflügelten Wesen, die noch heute jeweils von Hand mit Gänsefedern ausgestattet werden, sind zum Markenzeichen des Münchner Designers geworden. Ihnen verdankt er wohl auch das lyrische Prädikat des „Lichtpoeten“. Maurer, der für Scherze zu haben ist, hat sich mehr als einmal mit seinen gefiederten Freunden in Szene gesetzt: Ein Bild zeigt ihn mit einem Schwarm Glühlampen, die um seinen Kopf flattern und die er zu vertreiben versucht.

Miteinander von Licht und Wasser

Das zufällige Miteinander von Wasser und Licht lässt Maurer nicht los. Im Hof seines Showrooms an der Kaiserstraße 47 in Schwabing wirbeln in einer vier Meter hohen leuchtenden Wassersäule Luftbläschen und silberne Partikel herum. Den lang gezogenen Strudel erzeugt ein Propeller im Boden des Acrylglas-Zylinders, der einen Durchmesser von etwa einem Meter hat und 3000 Liter fasst. Die immer neuen Wasserformationen haben eine anziehende Wirkung. „Die Kinder aus dem Viertel hier lieben sie“, sagt Maurer. Auch darum hat er zusammen mit Sebastian Hepting aus seinem Designteam ein kleineres Modell für den Hausgebrauch geschaffen: „Delirium Yum“, 92 Zentimeter hoch, gluckert leise vor sich hin, während sich eine weiße Kugel aus Corian im Strudel dreht.

Ursprünglich entwarf Maurer die große Wassersäule für das „Kruisherenhotel“ in Maastricht. Das einstige Kreuzherrenkloster aus dem 15. Jahrhundert mit seiner gotischen Kirche wurde vor gut zehn Jahren komplett umgebaut. Maurer gestaltete unter anderem den Eingang: Die Gäste durchlaufen einen Tunnel aus hochglänzenden Kupferplatten, der sie ins Kirchenschiff leitet. Leuchtende Streifen im Boden sind die einzige Lichtquelle.

Im Inneren scheinen Satelliten unter der Decke zu hängen. Maurer hat die futuristische Pendelleuchte „Big Dish“ aus Fiberglas, Aluminium und Stahl anfangs nur für das Hotel entworfen. Die 2,30 Meter großen Schüsseln, neun an der Zahl, hängen an jeweils drei Seilen und haben einen Leuchtkopf, mit dem sich Helligkeit und Farben stufenlos einstellen lassen. Aus der Einzelanfertigung „Big Dish“ wurde ein Serienprodukt.

Scherbenhaufen unter der Decke

Maurer hat viele Leuchten zunächst nur für einen Kunden hergestellt, die Unikate kamen später aber oft doch noch auf den Markt. 1990 beauftragten ihn Sissi und Uwe Holy, der Enkel von Hugo Boss, für die Villa Wacker bei Lindau am Bodensee Lichtskulpturen zu entwerfen. Die Arbeit in der schlossartigen Villa, die um die Jahrhundertwende von dem Unternehmer Alexander Ritter von Wacker erbaut worden war, schritt zügig voran. Nur ein Raum bereitete Schwierigkeiten: das Esszimmer. Ein Entwurf aus Papier mit Straußenei gefiel Frau Holy nicht, und auch dem Designer war bald klar, dass es nicht zu perfekt werden durfte: „Es muss ein Bruch rein!“ Und es kam ein Bruch rein. Porzellanbruch. Zusammen mit Werner Berthold schuf Maurer ein Leuchtobjekt, das aussieht, als hätte jemand Geschirr vor Wut an die Wand geworfen und dann den Scherbenhaufen unter die Decke gehängt.

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