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Designer Ingo Maurer : Es werde Licht

Eine Kindheit ohne Bomben am Bodensee

Dabei ist der angebliche Querulant durchaus offen für Neues. Schon 1997 stellte er eine der ersten LED-Leuchten für den Wohnbereich vor. Der Prototyp, der während der Mailänder Möbelmesse seinen großen Auftritt hatte, bestand aus einem Strauß aus Leuchtdioden-Blüten. Das damals fast unbezahlbare Einzelstück bekam von ihm den vielsagenden Namen „Bellissima Brutta“ verpasst – die „schöne Hässliche“. 2001 brachte Maurer mit „EL.E.DEE“ die allererste LED-Tischlampe auf den Markt. Heute hat er mehr als 50 LED-Leuchten im Programm, auch wenn die Diode, wie er sagt, „keine Wärme schafft“.

Woher die Faszination für das Licht kommt, das wurde ihm erst nach und nach bewusst. Ingo Maurer, Jahrgang 1932, wuchs mit vier Geschwistern in Niederzell auf der Bodensee-Insel Reichenau auf. Sein Vater Theodor war eigentlich Fischer, zugleich aber auch Erfinder und Buddhist, wie der Sohn erzählt. Die Insel erlebten die Kinder als abgeschiedenes Idyll. „Vom Krieg war nicht viel zu spüren, auf der Insel fielen keine Bomben.“ Über den Vater kam der Sohn schon früh mit bedeutenden Künstlern in Kontakt, die den Bodensee zu nationalsozialistischen Zeiten als Rückzugsort nutzten. In Hemmenhofen, nur wenige hundert Meter von der Insel Reichenau entfernt, lebte und arbeitete damals der Maler Otto Dix (1891 bis 1969). Er war 1936, nachdem er schon 1933 seine Professur an der Dresdener Akademie verloren hatte, am Bodensee in die innere Emigration gegangen. Auch der Schriftsteller und „Siddhartha“-Autor Hermann Hesse, der allerdings lange vor Ingo Maurers Geburt in Hemmenhofen wohnte, dürfte den Vater beeinflusst haben.

Licht spielt bereits in Kindheit große Rolle

„Als Junge war ich sehr viel auf dem See“, erzählt Ingo Maurer. „Ich lag auf dem Rücken in einem Boot und schaute verträumt in den Himmel.“ In diesen Erinnerungen spielt Licht eine große Rolle, wie ihm später klar wurde. Die Reflexion der Sonnenstrahlen auf dem Wasser und in den Blättern der Bäume habe sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Auch wie herrlich das Licht durch die Fenster der Kirche St. Peter und Paul in Niederzell nach draußen fiel. Seine Erinnerungen setzte Maurer im Laufe der Jahre in Projekte um. Für eine Schau des japanischen Modedesigners Issey Miyake entwarf er 1999 zum Beispiel eine „Symphonia Silenziosa“: Es waren silberfarbene Blätter aus dünnem Stahl, die sich sanft hin und her bewegten und für ein Spiel aus Licht und Schatten sorgten.

Eine Flasche Rotwein führte ihn zum Licht: Ingo Maurer. Bilderstrecke
Eine Flasche Rotwein führte ihn zum Licht: Ingo Maurer. :

An noch einem Element versucht sich der einstige Inselbewohner immer wieder: Wasser. Es dient ihm ebenfalls als Reflexionsfläche, und er lässt Licht hindurchscheinen, sich brechen und verfärben. Wasser in Verbindung mit Licht, kaum etwas fasziniere ihn mehr. „Vielleicht, weil Wasser und Licht nicht mit Händen zu fassen sind.“

Im Jahr 1989 konnte er erstmals Licht auf einer riesigen Fläche frei von jeglichen auch kommerziellen Zwängen inszenieren. Die Möglichkeit bot ihm die damalige Direktorin der Fondation Cartier, Marie-Claude Beaud, in einem Bunker in Jouy-en-Josas bei Paris. Der Titel der Ausstellung, „Lumière Hasard Réflexion“, war Programm: Es gab zum Beispiel ein Wasserbecken gefüllt mit Glasund Kunststoffteilen, die von starken Strahlern beleuchtet wurden. Ein Gummifrosch platschte von Zeit zu Zeit von oben ins Wasser, schlug Wellen und sorgte für Bewegung, die sich in Lichtblitze an Wände und Decke übertrug. „Plastic Allegory“ nannte Maurer diese Installation.

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