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Alle im Kimono: „Miss USA“ Shanel James bei der Wahl zur „Miss International“ im Oktober in Tokio Bild: AFP

Modischer Jahresrückblick : Der Kimono hatte seine Chance

Der Kimono wird inzwischen nicht mehr als Verkleidung betrachtet. Dieses Jahr schaffte es das traditionelle Kleidungsstück aus Japan, als Modetrend ernst genommen zu werden. Ein Sieg der Gemütlichkeit.

          Es ist wieder die Zeit der Jahresrückblicke, im Fernsehen, in den Zeitungen, auch bei FAZ.NET. Aber wenn wir später einmal, in sagen wir fünf oder zehn Jahren, zurückschauen auf das Jahr 2017 und dabei zufällig an Mode denken, dann stehen die Chancen gut, dass der Kimono eine Rolle spielen wird. 2016 handelte es sich dabei noch um traditionelle Bekleidung aus Japan. Hierzulande streiften sich wenige Menschen wie selbstverständlich einen Kimono über. Wenn sie es doch taten, riskierten sie, kostümiert auszusehen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber die Mode wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht die Fähigkeit hätte, Kleidungsstücke umzudeuten. Der Kimono ist eines der jüngsten Beispiele, und er folgt paradoxerweise auf die fließenden Seidenhosen, die aussehen, als wären sie Teile vom Pyjama, in Wahrheit aber schon länger am hellichten Tag über die Straßen wandeln.

          Der Kimono ist ähnlich bequem zu tragen, zum Beispiel die Jacke von FRS – das ist die Abkürzung von For Restless Sleepers. Für die Kimonos war das die Chance für 2017! Auch für die Entwürfe des Berliner Labels Rianna und Nina, das aus Vintagestoffen neue Kleider näht. Der Kimono wirkt nicht nur auf gedruckten Seiten, sondern ist auch markant genug, um Instagram-Nutzer kurz innehalten zu lassen. Und er wirkt natürlich auf der Stange im Restaurant Sushimoto in Frankfurt, das uns SushiMeister Mitsumoro Sakamoto für die Fotoaufnahme netterweise zur Verfügung gestellt hat.

          One day you will look back and see that all along you were blooming.

          Ein Beitrag geteilt von Valerie Villena (@vaalvillena) am

          Der Kimono also hat echte Fähigkeiten, die manche Modemacher schon lange kennen - Dries van Noten zum Beispiel oder Veronica Etro, die unter ihrem Familiennamen das Erbe der Großeltern fortsetzt. Sie nutzen für ihre Mode stets Traditionsgewänder verschiedener Kulturen, nehmen sich das Paisley-Muster aus Indien vor oder Stickereien vom Balkan. Am Ende wirken ihre Kleidungsstücke, wie Jacken oder Mäntel eben aussehen müssen, um in ein westliches Stadtbild zu passen. Und trotzdem sehen sie besonders aus.

          2017, das ist auch das Jahr, in dem der Vorwurf der kulturellen Aneignung zum Thema wurde, und kein Stück steht dafür mehr als der Kimono. Dürfen wir das überhaupt, ihn nehmen und umdeuten? Zum Beispiel wie Elizabeth & James, das junge Label von Mary-Kate und Ashley Olsen, dessen Kimono auch ein Morgenmantel ist und trotzdem auf westliche Straßen gehören soll, nachdem man ihn über den Online-Shop Net-a-porter bestellt hat.

          Trendteil 2017: Der Kimono in seiner vollen Vielfalt.

          Oder die Luxusvariante von der Kaschmir-Manufaktur Agnona. Oder gleich das Modell mit untergehender roter Sonne von Rixo London, ebenfalls von Net-aporter. Das Muster deutet Richtung Japan und Richtung Südsee. Ein Kulturschock auf einem Kleidungsstück. Also ebenfalls eindeutig 2017.

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