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Berliner Modewoche – Tag 1 : Die Party geht doch weiter

  • -Aktualisiert am

Die Kreation von Charlotte Ronson bringt Frühling in den Herbst. Bild: AP

Der erste Tag der Fashion Week zeigt, welche Bedeutung die Mode für Berlin hat – und warum sich das dringend ändern sollte.

          6 Min.

          Auf den ersten Blick scheint in Berlin zur Fashion Week alles ganz super zu laufen: Das Modezelt steht wieder an seinem Stammplatz, wenige 100 Meter hinter dem Brandenburger Tor, und für die Eröffnungsschau konnte der Veranstalter IMG die New Yorker Designerin Charlotte Ronson gewinnen, Schwester von Mark und Samantha Ronson. Soviel zur Provinzveranstaltung, wie man die Fashion Week in Berlin gerne abtut. Vom Podium der Fotografen dringen Montagmorgen kurz vor zehn Uhr italienische Wortfetzen, und wenig später laufen da Models den Laufsteg rauf und runter in Charlotte Ronsons Trekkingsandalen, floral gemusterten flatternden Kleidern, kurzen Röcken und Shorts. Nur, welche Saison haben wir noch gleich?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eigentlich präsentieren in Berlin nämlich von heute und noch bis Donnerstag die Designer ihre Entwürfe für den nächsten Herbst. Charlotte Ronson hingegen zeigt ihre Kollektion für dieses Frühjahr - sozusagen watch now, buy now. Magazinredakteure und Einkäufer können damit wenig anfangen, für sie sind die Teile so gut wie last season. Damit bringt die Eröffnungsschau jedenfalls gleich einmal auf den Punkt, mit welchem Problem die Berliner Modewoche zurzeit zu kämpfen hat.

          Was auf dem Laufsteg gezeigt wird, also die Mode, wird leider auch nach 15 Modewochen-Ausgaben, bis auf wenige Ausnahmen, immer noch kaum erst genommen. Sie ist jedenfalls nicht so wichtig wie die Show, die Promis, die von den Paparazzi in der ersten Reihe abgelichtet werden, die Empfänge und Partys am Abend.

          Freizeit können die Berliner gut

          Legendär zum Beispiel die Party der Jungs von Dandy Diary in der Nacht zum Montag. Dieses Mal treffen zu einem Anti-Pegida-Gipfel etwas anderer Couleur Gäste der Männermodekommune in einem Rohbau unweit der Möckernbrücke ein. Es riecht nach Patschuli. Zur inoffiziellen Eröffnungsparty der Modewoche, die unter dem Motto „Love and Peace and Zalando“ steht – auf Kommerz verstehen sich die Blogger Jakob Haupt und David Roth – kommen Prada-Gesicht Antonia Wesseloh, Alt-Kommunarde Rainer Langhans und Balkan-Königin Miss Platnum zusammen und tanzen, zunächst bei indischer Meditationsmusik, später zu psychedelischer Elektromusik, zusammen mit – warum auch immer – brandenburgischen Alpakas und einer überlebensgroßen Spongebob-Figur, selbst wenn nicht klar ist, welche Lebensgröße Spongebob eigentlich hat. Sahen so etwa die Siebziger aus?

          Bei Sadak kommen Kimonos, Chinohosen und Hoodies zusammen. Bilderstrecke

          Draußen vor der Tür ist die Hölle los: „Hier kann man gar nicht selektieren“, sagt einer der Türsteher, „hier kann man nur domestizieren.“ Drinnen spricht Langhans, der wegen eines Fernsehspots mit dem Sponsor Zalando 2010 im Clinch lag, sich aber mittlerweile versöhnlich zeigt, dann vor kleiner Gruppe. „Ich hab sie überlebt, die große Liebe, und heute geht es weiter. Es erinnert mich an damals, als es alles anfing. Wir lieben uns heute mehr denn. Durch das Internet.“ So ganz springt der Funke dann aber doch nicht über; statt freier Liebe machen die Leute lieber Selfies mit Langhans. Die meisten der jüngeren Gäste kennen ihn eh nur aus dem Dschungelcamp.

          Tja, Freizeit können die Berliner eben gut, oder die Berlin-Besucher. Es muss ja nicht gleich „RTL“ sein. So erzählt auch Mario Testino, dessen Foto-Ausstellung „In Your Face“ ab heute im Kulturforum zu sehen ist, am Montagmittag von seinem Lieblingshobby, wenn er mal in Berlin ist. „Freinehmen, und dann ein Fahrrad mieten“, lacht der Star-Fotograf. Gut, manchmal ist er auch zum Arbeiten hier, drei der 125 Bilder aus „In Your Face“ sind in Berlin entstanden.

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