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Rolf Sachs im Porträt : Der Alleskünstler

Rolfs Mutter war Kunststudentin, als Gunter Sachs sie traf. Sie begannen, Gemälde, Objekte, Fotos zu kaufen. Der Vater interessierte sich vor allem für das dritte Viertel des 20. Jahrhunderts, wie er einmal sagte. Den Kern seiner legendären Kunstsammlung erwarb er zwischen 1958 und 1968 für etwa 800.000 Dollar, darunter die Vorreiter des Informel wie Jean Fautrier und Hans Hartung, Künstler der Nouveaux Réalistes wie César Baldaccini, Yves Klein und Jean Tinguely sowie Surrealisten wie Max Ernst, René Margritte, Giorgio de Chirico und Salvador Dalí. In den Sechzigern entdeckte und förderte er die Pop Art.

Kunst, um mit ihr zu leben

Berühmt geworden ist seine Wohnung im Turm des Badrutt’s Palace, eines Fünf-Sterne-Hotels in St. Moritz. Nachdem der Turm abgebrannt und wiederaufgebaut war, pachtete Gunter Sachs im Jahr 1968 das 200-Quadratmeter-Apartment für 30 Jahre und ließ es von befreundeten Künstlern wie Roy Liechtenstein und Andy Warhol einrichten.

„Mein Vater glaubte fest daran, dass Kunst dazu da ist, um mit ihr zu leben“, sagt Rolf Sachs. Und das tat nicht nur Gunter Sachs mit seiner dritten Frau, dem schwedischen Model Mirja Larsson. Das tat auch der Sohn, wenn er bei seinem Vater in St. Moritz, Paris, Manhattan oder Hamburg zu Besuch war.

In Hamburg hatte Gunter Sachs auch 1972 in seiner eigenen Galerie die erste Andy-Warhol-Ausstellung in Europa organisiert. Sie war ein Riesen-Flop. Aus Mitleid kaufte Gunter Sachs die meisten Werke des erfolglosen Künstlers auf. Für eines der Bilder, das er 1972 für 20.000 Mark erstanden hatte, bekam er 2004 bei einer Auktion gut das Tausendfache. Weit mehr als 1000 Kunstwerke trug der Vater zusammen. Etwa 300 Werke aus der „Gunter Sachs Collection“ ließ der Sohn 2012 bei Sotheby’s versteigern. Erlös: rund 56 Millionen Euro.

„Ins kalte Wasser springen und untergehen“

Das Vermögen der Familie wird in München und Lausanne verwaltet. Dort entdeckte der Finanzfachmann Rolf Sachs in den Achtzigern Kunst und Design für sich. Erste Möbelentwürfe entstanden. Es war ein Aufbruch auch im Design, Ron Arad zum Beispiel stellte handgefertigte Möbel aus Metall her. Sachs beteiligte sich an der Ausstellung „Wunderhaus“ in München. Das Kreative in ihm, sagt er rückblickend, habe einfach raus gemusst. „Tagelang habe ich mit einem Schmied in einer Werkstatt gearbeitet. Man muss halt mal ins kalte Wasser springen und untergehen.“ Inzwischen ist er längst wieder aufgetaucht. In ihm sieht heute niemand mehr den gelangweilten Reichen, der sich an Kunst und Design versucht.

Auch sein bislang letztes Projekt sagt viel über den Künstler und Designer aus. Mit seiner Frau Maryam hat Rolf Sachs ein Jahr lang mit einer Still Camera Aufnahmen aus einem fahrenden Zug gemacht. Entstanden sind überraschende Bilder in Großformat: Trotz der Bewegung ist oft ein einziger Punkt des Bildes scharf gezeichnet, was irreal aussieht. Natürlich hat er nicht irgendeinen Zug ausgewählt: Er fuhr mit der Rhätischen Bahn zwischen Chur in der Schweiz und Tirano in Italien. Auch die Bahn zählt zu seinen Erinnerungen: Mit dem Zug ist er immer hinauf ins Internat und zum Vater gefahren.

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