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Rolf Sachs im Porträt : Der Alleskünstler

Was ist „typisch deutsch“?

In der Schau, die noch bis zum 9. Juni im MAKK zu sehen ist, setzt sich Rolf Sachs mit deutschen Eigenschaften und Klischees auseinander. „Pünktlichkeit“ gehört natürlich dazu und wird in der Ausstellung von einem ausgestopften Kuckuck und einer Digitaluhr symbolisiert. Für „Reinlichkeit“ hat er die Borsten von Bürsten auf zwei Wandgemälde drapiert. Für „Fleiß“ steht ein Gartenzwerg ganz aus Kohle, der eine Bergmannskluft trägt. Doch nicht nur vermeintlich deutsche Tugenden hat er verarbeitet, auch „Amtsschimmel“, „FKK“ und „Autobahn“ nimmt er aufs Korn.

Im hundertsten Jahr nach Beginn des Ersten Weltkriegs und mit Blick auf die von Deutschen begangenen Greueltaten im Zweiten Weltkrieg wollte er aber auch diese Seiten der Geschichte beleuchten - mit einem „Memento Mori“. So lässt er in einem Käfig den verrosteten Helm eines Wehrmachtssoldaten baumeln.

Rolf Sachs hebt die Grenzen zwischen Design und Kunst auf. Er selbst nennt sich Designer und Konzeptkünstler, auch wenn er etwas ganz anderes studiert hat. „Künstler und Designer“, sagt Rolf Sachs, „wird man nicht durchs Studium.“ Allerdings hätte er gerne Kunst studiert. Doch der Abiturient beugte sich zunächst den Familienverpflichtungen, denen er, wie er zugleich versichert, auch gerne nachgekommen ist. Ihm war schon in die Wiege gelegt worden, dass er einmal viel Geld verwalten müsste. Darum studierte er zunächst Mathematik an der London School of Economics, wechselte dann, weil die Ablenkungen in der Metropole zu groß waren, wie er sagt, nach Kalifornien ans Menlo College, in den kleinen Ort Atherton im Silicon Valley. Dort machte er seinen Abschluss in Business Administration.

Berühmte Familienmitglieder

Bis heute wird Rolf Sachs als „Sohn von“ wahrgenommen. Der Schatten des Vaters Gunter, der sich 2011 das Leben nahm, reicht weit. Rolf Sachs war schon als Kind klar, wessen Erbe er eines Tages antreten würde.

Die Geschichte beginnt mit Karl Ernst Josef Sachs (1867 bis 1932), dem Radrennfahrer, der eine Fahrradnabe erfand, die auf Kugellager gesetzt ist und in Kugeln rollt. 1895 gründete Ernst Sachs mit dem Kaufmann Karl Fichtel die „Schweinfurter Präcisions-Kugellagerwerke Fichtel & Sachs“. Nach Fichtels Tod 1911 ging das florierende Unternehmen in den Besitz von Ernst Sachs über. Der Sohn Willy, verheiratet mit Elinor von Opel, der Enkelin des Opel-Gründers Adam Opel, übernahm nach dem Tod des Vaters 1932 das Unternehmen. Willy Sachs und Elinor von Opel trennten sich schon 1935. Die junge Mutter siedelte mit ihren beiden Söhnen - Ernst Wilhelm war 1929 zur Welt gekommen, Gunter 1932 - in die Schweiz über.

Rolf Sachs beim Mittagessen mit Mitarbeitern und Gästen in seinem Londoner Studio.

Gunter Sachs war Mitte 20, als sich sein Vater Willy mit einem Jagdgewehr tötete. 1958 war auch das Jahr, in dem seine erste Frau Anne Marie Faure wegen eines tragischen Narkosefehlers in einer Klinik in Lausanne starb. Gunter Sachs war somit junger Witwer, zusammen mit seinem Bruder zudem Erbe eines großen Vermögens, und er war alleinerziehender Vater. Sein Sohn Rolf war 1955 in Lausanne zur Welt gekommen.

Strenge Erziehung in der Kindheit

Der zwei Jahre alte Junge kam zu seiner Großmutter nach Kronberg im Taunus. Von ihr vor allem und von dem zweiten Mann von Elinor von Opel, „einem sehr miltärischen Herrn“, lernte der Enkel „deutsche Tugenden“. Pünktlichkeit zum Beispiel: „Wir kamen immer zu früh zu Terminen und blieben dann bis zur festgesetzten Zeit im Auto sitzen“, erzählt Rolf Sachs. Bei Tisch bekam der kleine Junge Bücher unter die Ellbogen geklemmt, damit er gerade saß. Bestraft wurde er mit Strammstehen. Der Vater flog meist zu den Wochenenden ein, um mit dem Sohn Fußball zu spielen. Der angehende Playboy, der von 1966 an drei Jahre lang mit Brigitte Bardot verheiratet war, konnte ebenfalls streng sein: Briefe, die der Junge seinem Vater schrieb, kamen korrigiert zurück.

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