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Designer Marcel Wanders : „Lieblingsduft? Meine Freundin!“

Marcel Wanders Bild: Studio Marcel Wanders

Er gilt als „Lady Gaga des Designs“: Marcel Wanders hat gerade seine neue Produktfamilie Circus präsentiert. Ein Interview.

          Mit 25 Jahren flog er von der Design-Akademie Eindhoven, weil er nicht so sein wollte wie die anderen. Heute ist Marcel Wanders die „Lady Gaga des Designs“. Der Designer, der 1963 in Boxtel (Niederlande) geboren wurde, lebt und arbeitet in Amsterdam und neuerdings auch in Mailand. 1996 wurde er mit seinem aus Kohlenstofffaser geknüpften Knotted Chair (Cappellini) bekannt. Seine Designplattform Moooi (Markenzeichen: goldfarbene Clownnase) führt unter seiner Art-Direktion mittlerweile 30 Designer. Für Alessi hat Wanders gerade die Produktfamilie Circus präsentiert, zu der Korkenzieher, Nussknacker, Tischglocke, Keksdose und Spieldose gehören - aus Stahl, Zirkusartisten nachempfunden.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Ich frühstücke nicht. Ich trinke morgens nur Wasser, gegen elf dann oft einen Espresso. Mittags esse ich meist einen Salat.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Viele Jahre habe ich alles bei Pal Zileri in Mailand für mich anfertigen lassen. Nun kaufe ich manchmal auch ein legereres Teil in irgendeinem Laden irgendwo auf der Welt dazu.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?

          Nein. Aber ich gehe gerne mit Frauen einkaufen. Ich liebe es, sie in Klamotten zu stecken, die sie sich selbst nie kaufen würden.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ein Paar Schuhe, mindestens 30 Jahre alt. Es sind ganz normale braune Lederschuhe, aber von bester Qualität. Hin und wieder trage ich sie noch.

          Was war Ihre größte Modesünde?

          Ich versuche seit Jahren, eine gescheite Jacke zu finden. Jedes Mal, wenn ich dann eine gekauft habe, ziehe ich sie nicht an, weil ich Jacken einfach nicht leiden kann. Und dann laufe ich ohne Jacke rum und friere. Das ist wirklich eine Sünde.

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          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen ?

          Nein.

          Haben Sie Stil-Vorbilder?

          Nicht dass ich wüsste.

          Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder ein Möbelstück selbst gemacht?

          Möbelstücke habe ich viele selbst gemacht. Als ich jung war, habe ich auch meine Kleidung selbst geschneidert. Hosen, Hemden, eigentlich alles.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?

          Ja. Es ist das Service Dressed, das ich für Alessi entworfen habe und das mir Alberto Alessi geschenkt hat. Das gehört zu den Vergünstigungen, wenn man als Designer arbeitet.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?

          Pasta all'arrabbiata. Ich bin kein großer Koch, aber seit ich in Mailand lebe, kann ich zumindest dieses Gericht zubereiten.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?

          Eine Reihe von Design-Magazinen blättere ich durch, aber nur, weil sie bei uns im Studio rumliegen. Zeitungen lese ich nicht, sie sind mir zu negativ.

          Welche Websites und Blogs lesen Sie?

          Ich mag dezeen.com. Blogs interessieren mich nicht.

          Eine Auswahl seiner Produkte: Ein Vogelhaus . . . Bilderstrecke

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Im Urlaub an meine Tochter. Wir waren zusammen in Marokko und sind mit Kamelen in der Wüste durch Sandstürme geritten. Großartig! Da habe ich ihr dann einen Brief geschrieben, der hier auf sie wartete, als wir nach Amsterdam zurückkamen.

          Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

          „Eine kurze Geschichte des Kosmos“ von Ken Wilber.

          Ihre Lieblingsvornamen?

          Joy - der Name meiner Tochter.

          Ihr Lieblingsfilm?

          „Rocky“ mit Sylvester Stallone.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Ohne. Ich habe auch kein Auto.

          Tragen Sie eine Uhr?

          Manchmal. Auf meinem Schreibtisch liegt fast immer eine Uhr, die ich mir bei Bedarf überstreife. Gerade ist es eine von meinem Geschäftspartner Casper Vissers, mit dem ich vor 15 Jahren Moooi gegründet habe. Als er 2015 das Unternehmen verließ, schenkte er mir eine Manatee, die Marc Newson für Ikepod entworfen hat. Ein schönes Geschenk, auch weil die Uhr von 2001 stammt, dem Gründungsjahr von Moooi.

          Tragen Sie Schmuck?

          Eine ganze Weile habe ich ein Halsband getragen, das aus Perlen bestand, die ich gesammelt und dann selbst aufgefädelt habe. Perlen zum Beispiel aus Glas, Lavastein und knallorangem Kunststoff, meiner Lieblingsfarbe. Aber seit jedes Porträt in Zeitungen und Magazinen über mich mit dieser Kette anfängt, trage ich sie kaum noch.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Meine Freundin.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Neugierde.

          Was ist Ihre größte Schwäche?

          Ich habe zu viele Schwächen, als dass ich eine besonders hervorheben könnte.

          Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

          Ich mag großzügige Menschen, die sich auf alles einlassen, die sich für andere einsetzen. Und ich mag schöne Menschen.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Im Moment ist es Donald Trump. Ich versuche, das Ganze zu verstehen, aber es gelingt mir nicht. Es ärgert und verblüfft mich, dass so viel Dummheit Erfolg haben kann. Insofern geht es bei Trump auch ums Aufarbeiten, warum die Welt ist, wie sie ist. Darüber muss geredet werden!

          Sind Sie abergläubisch?

          Nein.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?

          In einem Fahrzeug, das ich entworfen und mit Mosaiksteinen aus Glas der Firma Bisazza überzogen habe. Mit ihm in der Gegend herumzufahren ist wie Urlaub. Noch heute hole ich das verrückte Ding manchmal hervor.

          Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

          Wir waren gerade erst in Marokko. Noch haben wir keine Pläne.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Einen guten Roten aus Italien. Nur kräftig muss er sein, für mich hat ein leichter Wein keinen Sinn.

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