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André Courrèges gestorben : Kleider für die Mondlandung

Vater des Weltraum-Looks: André Courrèges starb im Alter von 92 Jahren. Bild: dpa

Der Designer André Courrèges zettelte in den sechziger Jahren eine Moderevolution an, von der Kreative noch heute zehren. Jetzt ist der Gründer des Space-Age-Looks gestorben.

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          Ob das Haus, das seinen Namen trägt, ein zweites Mal und 55 Jahre nachdem er es gegründet hatte zu neuem Erfolg finden kann, wird André Courrèges nicht mehr miterleben können. Der französische Modemacher ist im Alter von 92 Jahren gestorben, das teilt das Haus am Freitagabend mit.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An den ursprünglichen Erfolg, den Courrèges in den sechziger Jahren mit seinen monochrom-futuristischen Entwürfen feierte, wird ohnehin kaum jemand anknüpfen können. Wie kein anderer revolutionierte André Courrèges den Look einer ganzen Generation, mit seinen Mini-Kleidern und Mini-Röcken, dem Verzicht auf zu viel Farbe und mit dem konsequenten Einsatz eines Längsstreifenmusters.

          1972: André Courrèges bei der Vorstellung der Bekleidung des offiziellen Personals bei den Olympischen Spielen in München
          1972: André Courrèges bei der Vorstellung der Bekleidung des offiziellen Personals bei den Olympischen Spielen in München : Bild: dpa

          Der Modemacher, der zunächst Bauingenieurwesen studiert hatte, machte Schluss mit der lieblichen Sanduhr-Silhouette der Fünfziger und entwickelte stattdessen eine ganz neue Linie für den weiblichen Körper, ein leicht ausgestelltes A, das dann aber doch möglichst weit über dem Knie enden sollte.

          Den Mut – und die entsprechenden Fähigkeiten – für diese ziemlich gewaltige Moderevolution sammelte er als Assistent von Cristóbal Balenciaga. Über ein Jahrzehnt, seit 1950, arbeitete er für den spanischen Designer, bevor er 1961 zusammen mit seiner Frau Coqueline ein eigenes Haus gründete. Die Erfindung des Minirocks reklamieren einige Designer für sich, unter anderen Mary Quant.

          André Courrèges steckte die Frauen ab 1963 erst einmal in Hosen und ab 1965 ebenfalls in Miniröcke. Zwei Jahre später, und nachdem er sein Haus für kurze Zeit schließen musste, nachdem Kritiker seinen Look als untragbar beschrieben hatten, Frauen weltweit aber trotzdem damit begannen, sich Courrèges-Kopien zuzulegen, lancierte der Modemacher seine „Couture Fouture“-Linie - und gab damit seinem Space-Age-Look den letzten kreativen Schliff.

          Brillendesign: André Courrèges bei einer Augenoptiker-Fachmesse in Köln 1988
          Brillendesign: André Courrèges bei einer Augenoptiker-Fachmesse in Köln 1988 : Bild: dpa

          Eine günstigere Zweitlinie sorgte später für das kommerzielle Übrige. 1969 stattete er Romy Schneider in „Der Swimmingpool“ aus. „André Courrèges hat der französischen Haute Couture seinen Stempel aufgedrückt", erklärte Frankreichs Präsident François Hollande.

          Courrèges‘ Entwürfe gehören heute zum großen Mode-Erbe, aus dem Designer noch immer regelmäßig schöpfen. Ganz abgesehen von den zwei ehemaligen Werbern, die nun also versuchen, das Haus zu neuem Leben zu erwecken, sind die typischen weißen Courrèges-Stiefel, die so aussehen, als könnten seine Kundinnen damit eine Mondlandung überstehen, sowie die monochromen Mini-Kleider bis heute Requisiten, die in den Kollektionen großer Designer auftauchen – und sich nicht selten als Bestseller entpuppen. André Courrèges selbst ist indessen nun an einem Ort, von dem er seinen Look vor über fünfzig Jahren herholte, ganz weit weg. Der Designer verstarb am Donnerstagabend nach langer Parkinson-Erkrankung.

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