https://www.faz.net/-hrx-8j06t

70 Jahre Bikini : Vier Dreiecke und etwas Schnur

Passt ohne Inhalt durch einen Ring: Micheline Bernardini präsentierte am 5. Juli 1946 den ersten Bikini in einem Pariser Schwimmbad. Bild: dpa

Dem Franzosen Louis Réard kam die Idee für den Bikini am Strand von St. Tropez. Als er seine Kreation aber am 5. Juli 1946 der Öffentlichkeit vorführen wollte, weigerten sich die Pariser Models.

          2 Min.

          Vor dem Patent kam der Skandal. Als der französische Ingenieur Louis Réard seine Neuerung in der Bademode am 5. Juli 1946 der Öffentlichkeit präsentieren wollte, weigerten sich die Mannequins, den Zweiteiler zu tragen. Vier Dreiecke aus nur 194 Quadratzentimeter Stoff wurden mit einer Schnur so dünn wie Paketband zusammengehalten. Man sah alles und doch nichts, für die Models aber eben immer noch zu viel. Vor allem der zum ersten Mal entblößte Bauchnabel rief Wirbel hervor – auch Jahre später noch an konservativen Stränden. An jenem Julitag nun wollte eben kein Modell seinen Bauchnabel und schon gar nicht so viel Haut drumherum zeigen, also engagierte Réard kurzerhand die 19 Jahre alte Micheline Bernardini. Die hatte keine Probleme damit, in dünnen Fähnchen vor die Kamera zu treten, hauptberuflich zeigte sie sich im Casino de Paris sowieso ganz nackt.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ihr Auftritt im Pariser Schwimmbad Piscine Molitor schlug ein wie eine Bombe, und in diesem Sprachbild hatte sich das wohl auch Réard gedacht, denn nicht umsonst nannte er seinen Badeanzug „Bikini“, nach jenem Pazifikatoll, auf dem zwei Wochen zuvor der erste Atombombentest nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hatte. Die Zeitungen waren voll mit Nachrichten darüber, und Réard zielte auf eine ähnliche mediale Aufmerksamkeit: Die ersten vier Stoffdreiecke waren mit Schlagzeilen bedruckt.

          Immerhin ist der Bauchnabel bedeckt: Schauspielerin Hildegard Knef posiert im Juli 1951 in New York in einem Bikini, der selbst an einem konservativen Strand getragen werden konnte. Bilderstrecke
          70 Jahre Bikini : Vier Dreiecke und etwas Schnur

          Vierzehn Tage nach der Präsentation im Schwimmbad meldete Réard seine Erfindung als Patent an, Nummer 19431. Kopiert wurde sie trotzdem schnell und viel. Réard war natürlich nicht der erste, der auf die Idee mit dem Badezweiteiler kam. Ähnliche Zweiteiler gab es schon bei den Römern, wie ein Mosaik im sizilianischen Casale zeigt. Damals war das Modell aber wohl eher als Sportleibchen und nicht wegen der geringen Bräunungsstreifen beliebt. Die waren es nämlich, die Réard auf seine Idee mit den Schnüren und Stofffähnchen brachten.

          Als Sohn einer Lingerie-Verkäuferin, deren Geschäft er Mitte der vierziger Jahre übernommen hatte, suchte er nach neuen Ideen und fand sie am Strand von St.Tropez, wo die Frauen ihre langen Badeanzüge hochkrempelten, um sich besser bräunen zu können. Réard setzte bei seiner Kreation also auf einen Hauch von Nichts mit viel Platz für Bräune. Die kleine Box, die Bernardini auf unserem Bild oben so strahlend in die Höhe hält, war die Verpackung des Kleidungsstücks und sollte seine Winzigkeit noch unterstreichen. Später wurde der Erfinder Réard mit dem Werbespruch zitiert, ein „Bikini“ sei nur echt, wenn man ihn durch einen Ring ziehen könne.

          In den folgenden Jahren garantierte der Bikini seiner Trägerin auch ohne Schlagzeilen-Print große Aufmerksamkeit in den Medien: Die junge Brigitte Bardot promotete ihren Film „Und ewig lockt das Weib“ mit einem Auftritt im geblümten Bikini am Strand von Cannes, Marilyn Monroe rekelte sich in einem, und als Ursula Andress in „Doktor No“ im weißen Bikini wie Venus aus dem Wasser stieg, war der Mythos des Bond-Girls geboren.

          Louis Réard jedenfalls konnte sich auf seiner Erfindung ausruhen. Er eröffnete ein Bikini-Geschäft in Paris und betrieb es 40 Jahre lang.

          Weitere Themen

          Das nehmen wir in die Hand

          Ringe für Männer : Das nehmen wir in die Hand

          Sie erfahren durch die Pandemie einen Aufschwung: Ringe findet man nicht mehr nur an verheirateten Männer-Händen. Als Modeaccessoire sind sie sowohl vor der Computer-Kamera als auch auf der Baustelle ein echter Hingucker.

          Wiedergeburt in Schlaghosen

          100 Jahre Gucci : Wiedergeburt in Schlaghosen

          Alessandro Michele feiert den 100. Geburtstag von Gucci mit einer rätselhaft glitzernden Schau im Netz. Wie nebenbei hebt der italienische Designer das Geschäft mit „collaborations“ auf eine andere Ebene.

          Topmeldungen

          Mobbing: 95 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone. 
Leider nutzen Kinder die Geräte auch, um Angst und Hass zu verbreiten, wie auf dem Foto zu sehen ist. Der Studie „Cyberlife III“ zufolge können die Folgen fatal sein: Jedes vierte digitale Mobbingopfer hatte Suizidgedanken, jedes fünfte trank Alkohol, jedes dritte Opfer fühlte sich dauerhaft belastet.

          Cybermobbing : Wenn das eigene Kind per Whatsapp bedroht wird

          „Du kleine Schlampe“: Wenn das eigene Kind per Whatsapp übel beleidigt und mit Gewalt bedroht wird, ist eine Grenze überschritten. Was passiert, wenn man dagegen juristisch vorgeht? Ein Erfahrungsbericht.
          Geschieht immer häufiger auf digitalen Wegen: die besten Köpfe finden und die eigenen Talente pflegen.

          HR-Tech-Start-ups : Die jungen Wilden

          Digitale Start-ups wirbeln Personalabteilungen durcheinander – ob Mitarbeitersuche mit KI oder Online-Burnout-Prävention. Wir stellen einige von ihnen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.