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Aus 800 Rubinen: Stuart Weitzman legt Laura Rumble 2003 am Damentag der Royal-Ascot-Pferderennwoche seine Eine-Million-Pfund-Schuhkreation an. Bild: dpa

Stuart Weitzman wird 80 : Frauen tragen ihn zu Füßen

  • -Aktualisiert am

Stuart Weitzman legte mit seinen Schuhkreationen stets Wert auf Passform, Komfort und einzigartige Ästhetik – und wurde so zum Liebling der Stars. Dem Schuhdesigner zum 80. Geburtstag.

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          Das mit dem Stiletto für eine Million Dollar, sagt Stuart Weitzman, sei eigentlich nur so eine Idee gewesen. „Ich habe Schuhe gemacht für Promis, aber nie sah man sie im Fernsehen“, klagte der Designer. „Entweder verdeckte sie das Kleid, oder man sprach nur über Schmuck und Haare und Dress.“ Einer seiner Mitarbeiter fragte, warum er nicht einfach die teuersten Schuhe der Welt entwerfe. Und so fing es an: Zur Oscar-Verleihung 2002 stattete Weitzman die damals noch unbekannte Schauspielerin ​​Laura Harring („Mulholland Drive“) mit einem Stiletto aus, der mit 464 Diamanten besetzt war. Der Wert: eine Million Dollar. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse katapultierte Weitzman über Nacht in eine Liga mit Manolo Blahnik, Christian Louboutin und Sergio Rossi.

          Derlei protzige Tricks hat der Designer, der an diesem Donnerstag 80 Jahre alt wird, längst nicht mehr nötig. Mit unermüdlicher Arbeitsmoral und einer einzigartigen Ästhetik hat sich Weitzman die Regalmeter bei den Einzelhändlern und den Platz in den Kleiderschränken von Kundinnen wie Beyoncé, Jill Biden oder Serena Williams hart erkämpft. Seine ersten Schuhe entwarf Weitzman schon mit 16 Jahren. Seinem Vater gehörte eine Schuhfabrik in Haverhill, Massachusetts. Doch Weitzman wollte an die Wall Street und schrieb sich an der Wharton Business School ein. Das Studium finanzierte er mit Schuhskizzen, die er an den Vater eines Freundes verkaufte, der ebenfalls Schuhfabrikant war. 

          Schuhwerk zum Bruchteil der Preise der Konkurrenz

          Als Weitzmans Vater zwei Jahre nach dem Abschluss starb, war der Designer gerade 24 Jahre alt. Fortan führte er das Unternehmen mit seinem Bruder, wurde Chefdesigner und gründete schließlich 1986 seine eigene Marke, die gehobenes, modisches Schuhwerk zum Bruchteil der Preise der Konkurrenz verkaufte. Das gelang ihm vor allem, weil er alle neun Fabriken in Spanien selbst betrieb. Dort hatte er sich niedergelassen, als die amerikanische Schuhindustrie an Boden verlor; kaufte zunächst Anteile einer Schuhfabrik, schließlich die ganze Firma und dann weitere. So konnte er nicht nur die Prozesse kontrollieren, sondern auch in nur wenigen Tagen auf Trends reagieren.

          Stuart Weitzman gründete 1986 seine eigene Marke, die gehobenes, modisches Schuhwerk zum Bruchteil der Preise der Konkurrenz verkaufte.
          Stuart Weitzman gründete 1986 seine eigene Marke, die gehobenes, modisches Schuhwerk zum Bruchteil der Preise der Konkurrenz verkaufte. : Bild: Picture-Alliance

          Manche seiner Entwürfe wurden zu Bestsellern; wie der oberschenkelhohe Stiefel „5050“, der das Bein umarmt wie eine Leggings. Oder der „Corkswoon“; ein Wedge aus Kork, der zu den Lieblingsschuhen der Herzogin von Cambridge zählt. Am bekanntesten aber ist der „Nudist“, eine High-Heel-Sandale mit dünnen Riemchen und Pfennigabsätzen, die mehr als 50.000 Mal verkauft wurde. Nicht selten kam es vor, dass Prominente wie Diane Kruger oder Blake Lively in derselben Oscar-Nacht dasselbe Modell trugen. Manch Prominente gab zu Protokoll, dies sei der einzige High Heel, den man für längere Zeit tragen könne.

          „Schuhe sind meine Goldmedaillen“ 

          Denn Weitzman legte viel Wert auf Passform und Komfort. Er wandte sich ab vom alten Credo, dass Schönheit immer auch Leid mit sich bringe. „Frauen tragen meine Schuhe vor allem, weil sie sich gut anfühlen“, sagte der Designer, der Schuhe nicht als alberne Accessoires verstanden wissen wollte, sondern als Rüstzeug, das seine Besitzerin im wahrsten Wortsinne durch die Welt trägt. „Es gibt Schuhe, die vor einer Frau den Raum betreten und ihn erst nach ihr wieder verlassen“, sagte Weitzman bei einer Ehrung in der New Yorker Historical Society. „Schuhe sind meine Goldmedaillen.“ Der Designer hat sich nie viel aus den prominenten Namen auf seiner Kundenliste gemacht. Vielmehr ehrte es ihn etwa, wenn er Frauen in der U-Bahn mit seinen Taschen sah. Oder dass er in der Stadt Elda als erster Nicht-Spanier zum „Hijo Predilecto” ernannt wurde, zum „Lieblingssohn“ der Stadt – „und zwar von den Arbeitern, nicht den Fabrikbesitzern“.

          Sammlerstück von Weitzman auf einer Auktion: Die Doppeladler-Münze
          Sammlerstück von Weitzman auf einer Auktion: Die Doppeladler-Münze : Bild: AFP

          Weitzman ist auch ein begeisterter Sammler. Er sammelt nicht nur historisches Schuhwerk, sondern interessiert sich auch für Philatelie und Numismatik. Mit seinem Vermögen erfüllte sich der Designer Kindheitsträume. So kaufte er 2014 unter anderem die „British Guiana 1¢ magenta“ für die Rekordsumme von 9,5 Millionen Dollar – die teuerste Briefmarke der Welt. „In meinem Album aus Kindertagen“, scherzte er in der „New York Times“, „war der Platz ganz oben für diese Briefmarke noch frei.“ Neben mehreren seltenen Postwertzeichen gehörte ihm auch der „St. Gaudens Double Eagle“, eine 20-Dollar-Münze aus Gold. Er kaufte sie 2002 für 7,59 Millionen Dollar.

          Er hat noch viel vor

          Nach einer Ausstellung im Nationalen Postmuseum in Washington ließ er seine Pretiosen im Juni versteigern: die Münze für 18,87 Millionen Dollar, die „British Guiana“ für 8,3 Millionen. Liquiditätsprobleme waren nicht die Ursache; schon 2015 hatte Weitzman sein Unternehmen für mehr als eine halbe Milliarde Dollar an den amerikanischen Luxuskonzern Coach (heute Tapestry) verkauft. Zwei Jahre blieb er noch als Chairman Emeritus an Bord, mittlerweile ist der ehemalige Loewe-Designer Giovanni Morelli als Kreativchef an Bord.

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          Weitzman, der mit seiner Frau Jane zwei Kinder hat, will sein Geld und die 16 Stunden täglich, die er in den letzten 40 Jahren mit Arbeit zugebracht hat, nun karitativen Projekten zukommen lassen. In Madrid will er ein Museum bauen, das sich der spanisch-jüdischen Geschichte widmet. Im Nationalen Olympische Komitee der Vereinigten Staaten will er sich stärker engagieren als bisher, zudem trainiert er für Tischtennis-Meisterschaften. Und ein Broadway-Musical über Andy Warhol will er auch noch auf die Bühne bringen: „Ich kann es kaum erwarten, loszulegen.“ 

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