https://www.faz.net/-hrx-9knsk

Adidas-Designerin im Interview : „Das Trikot ist ein Stück Mode“

„Frauenspezifisches Design“: Die Trikots zur WM in diesem Sommer. Bild: F.A.S.

Adidas-Designerin Linn Sickert hat ein Trikot für die Frauenfußball-WM kreiert. In ihrem Entwurf will die deutsche Elf im Turnier auflaufen. Im Interview erklärt sie, was das besondere daran ist.

          Frau Sickert, Sie haben das Trikot für die diesjährige Frauenfußball–WM entworfen und am Freitag vorgestellt. Wenn man sich Bilder der vergangenen Jahrzehnte anschaut, sieht man häufig Spieler der Männer- und Frauenmannschaften in mehr oder weniger den gleichen Trikots. Gibt es überhaupt spezielle Frauenfußballtrikots?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Jahr 1998 haben wir zum ersten Mal ein Trikot mit speziellem Schnitt zur Frauenfußball-WM entworfen und das auch in den Läden verkauft. Für diese WM ist es jetzt ein frauenspezifisches Design, das ist besonders, das haben wir zum ersten Mal für Spanien, Schweden und Deutschland gemacht.

          Was bedeutet frauenspezifisch?

          Das Frauentrikot folgt nicht eins zu eins dem Männertrikot aus dem vergangenen Jahr, sondern das Originaldesign wurde schon 1989 von den Frauen zur Europameisterschaft getragen. Da haben die DFB-Frauen ihren ersten großen Erfolg gefeiert und die EM ’89 gewonnen.

          Als Prämie bekamen sie Porzellan von Villeroy & Boch statt Geld. In Deutschland hat man gestaunt, dass Frauen Fußball spielen können?

          Die ARD hatte damals die Rechte am Tennis in Wimbledon an RTL verloren und deshalb die Übertragungsrechte am Frauenfußball gekauft und zum ersten Mal ein Frauenfußballspiel live ausgestrahlt; das war das Halbfinale gegen Italien. Das hat für Furore gesorgt. Seitdem wurde der Frauenfußball ernster genommen.

          Was ist zu beachten, wenn man ein Frauenfußballtrikot entwirft?

          Der Konsument ist ein ganz anderer. Es sind Frauen, die in dem Trikot spielen sollen, da gibt es körperliche Unterschiede, ein spezieller Schnitt ist wichtig, und vom Design haben wir uns mit verschiedenen Fokusgruppen abgesprochen und uns Input geholt.

          Linn Sickert

          Was hat Sie dabei überrascht?

          Dass es nicht nur ein Performance–Produkt ist, sondern dass neben dem Sport auch die Mode eine größere Rolle spielt; dass die Frauen eine echte Meinung haben, in welcher Farbe sie sich sehen und in welcher Farbe nicht. Das Trikot ist auch ein Stück Mode für die Spielerinnen.

          Was läuft im Verkauf anders?

          Ich schätze schon, dass es mehr auf den Schnitt ankommt. Ich denke, das geht jeder Frau so, dass es wichtig ist, wie das Kleidungsstück sitzt.

          In welchem Land leben die meisten Fans von Frauenfußball, die sich dann auch das Trikot kaufen?

          Ich würde schon sagen: in Deutschland. Die DFB-Frauenmannschaft ist eine der erfolgreichsten der Welt.

          Anders als die deutschen Herren im vergangenen Jahr. Wenn Adidas zur WM 2018 weltweit acht Millionen Trikots verkauft und damit einen Rekord gebrochen hat, lag das gewiss nicht an der Leistung der deutschen Mannschaft. Trotzdem muss es zur Männer-WM auch immer ein Frauentrikot geben. Wann ist mit dem ersten Herren-Trikot anlässlich einer Frauenfußball-WM zu rechnen?

          Natürlich würde ich mir wünschen, dass das Interesse für den Frauenfußball so groß wäre wie für den Männerfußball. Das ist nicht so, da muss man gar nicht drum herum reden. Aber ich glaube, es ist ein guter Anfang, mit dem Input der Frauen das Trikot zu entwickeln, und ich erhoffe mir dadurch auch, dass es vielleicht weitere Kreise in Richtung der Herren zieht.

          Bei den Herren-WMs reagieren viele emotional auf das Trikot. Kaum ein Stück Bekleidung wird mehr diskutiert, jeder scheint dazu eine Meinung zu haben. Der eine ärgert sich über Schwarz-Weiß, dem Nächsten ist die Grafik zu markant. Wie geht man damit als Designerin um?

          Bei uns gibt es das weitverbreitete Motto: Am besten liest man sich nicht zu viel durch. Ich persönlich denke, das Internet ist so anonym, dass da jeder etwas dazu schreiben kann, aber grundsätzlich kann man sich schon überlegen, ob das Sinn macht, was die Leute schreiben. Ich versuche immer, Input zu bekommen. Für die WM der Männer habe ich das Japan-Trikot entworfen. Darauf gab es viel positive Rückmeldung.

          Geht man an das Design eines Fußballtrikots anders ran als an andere Teile der Sportswear?

          Ein Fußballtrikot steht schon sehr im Mittelpunkt. Insofern hat man immer im Hinterkopf, dass kleine Entscheidungen, jedes Weglassen oder Änderungen einer Hauptfarbe starken Einfluss haben. Die Fans sind eben so emotional mit dem Trikot verbunden. Insofern trifft man nicht so leichtfertig Entscheidungen und diskutiert das mehr im Team.

          Weitere Themen

          Keine Rapinoe in Sicht

          Frauenfußball-Bundesliga : Keine Rapinoe in Sicht

          Die Fußball-Bundesliga der Frauen startet in ihre 30. Saison. Es wird wieder einen Zweikampf zwischen Wolfsburg und München um den Titel geben. Aufbruchstimmung ist bislang nicht zu verorten.

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Bastian Benrath

          F.A.Z.-Sprinter : Dunkle Wolken am Sommerhimmel

          In Sachsen beginnt der Prozess im Mordfall Daniel H., und in Paris möchte Boris Johnson weiter Zugeständnisse beim Brexit-Abkommen erwirken. Wie sie dennoch zu einem lockeren Sommertag kommen, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.