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Melli Zampanella hat eine feine Nase. Bild: Dominik Zagarovsky

Besuch bei einer Duftstylistin : Sie riecht alles

  • -Aktualisiert am

Melli Zampanella kann Düfte nicht nur bloß riechen, sondern auch sehen, erinnern und fühlen. Die Kölner Duftstylistin berät bei der Auswahl eines Parfums – und blickt dafür tief in die Persönlichkeit.

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          Attraktiver wirken, selbstbewusster auftreten, schlanker aussehen: Diese verlockenden Angebote will Melli Zampanella wahr werden lassen – allein mit dem richtigen Parfum. Die Kölnerin ist Duftstylistin, also nicht Parfümeurin, nein: Sie hat ihre Begabung, Düfte nicht bloß riechen, sondern auch sehen, erinnern, hören und fühlen zu können, einfach mit ihrem Beruf als Stylistin verknüpft. Seitdem berät sie als Deutschlands erste und einzige Duftstylistin ihre Kunden, persönlich oder per Videoanruf.

          Selbstbewusster? Attraktiver? Das klingt vielversprechend. Ich buche eine „Duftberatung der Extraklasse“. Melli Zampanella empfängt mich in ihrer Kölner Wohnung, und wie ich es erwartet habe: Trotz Mund-Nasen-Schutz nehme ich so viele Düfte wahr, dass ich kurz glaube, am Ende des Tages „geruchsblind“ zu sein. „Es ist wichtig für mich, die Person wenigstens einmal zu sehen, wie sie redet, agiert und auftritt“, sagt Zampanella. Auch wenn es in diesen Tagen schwieriger ist als sonst, sich persönlich zu treffen. Generell bevorzugen Männer die Online-Beratung, während Frauen aus ihrer Duftberatung gerne ein Ereignis machen.

          Sie riechen einfach nur gut

          Der erste Eindruck reicht ihr nicht. Um mehr über den Kunden zu erfahren, hat Melli Zampanella einen Fragenkatalog entwickelt – sie arbeitet auch als Autorin und Moderatorin und ist von Berufs wegen neugierig. Für welche Gelegenheit soll der Duft sein? Für den Abend, einen bestimmten Anlass, den Alltag im Büro, ein bestimmtes Ziel? Ich nenne ihr die Namen der Parfums, die ich normalerweise trage. Und erfahre daraufhin: Diese Düfte sind kräftig, warm und schreien nach Extravaganz. Das hätte mir Melli Zampanella, die schon mit ihrem Kunstnamen eine starke Aussage macht, nicht zugetraut. Solche Überraschungen können durchaus gewollt sein: „Der Kontrast zwischen der Wirkung einer Person und ihrem Duft kann interessant sein und Neugierde wecken.“ Nur habe ich mir bei der Auswahl meiner Düfte nichts gedacht – sie riechen einfach nur gut.

          Die Auswahl in Dubbens Duftkunsthandlung in Köln hilft bei der Suche nach dem persönlichen Duft.
          Die Auswahl in Dubbens Duftkunsthandlung in Köln hilft bei der Suche nach dem persönlichen Duft. : Bild: Anna Wender

          Dabei können Parfums mehr. „Den Menschen ist gar nicht bewusst, welche Macht Düfte haben. Der Geruchssinn ist einer der ältesten Sinne und direkt mit dem limbischen System verbunden“, sagt die Duftsylistin. Das limbische System ist unter anderem für die Steuerung von Emotionen verantwortlich. Dort setzen Düfte an, indem sie Bilder erzeugen und Gefühle erwecken. Wie stark ein Duft sein kann, merke ich, als Zampanella mir einen Papierstreifen unter die Nase hält, der mich gedanklich ans Meer reisen lässt: Die frische Brise und die Hafenluft nehmen gleich gefangen.

          Ich rieche anders, als ich bin

          „Der richtige Duft kann ein Türöffner für Gespräche sein“, sagt sie. „Ich könnte ewig über Düfte und ihre Macht reden.“ Sie fragt nach meinem Lieblingsdessert, meinem Lieblingsdrink, nach Duftkerzen, die ich anzünde, wohin ich gerne verreise, welche Gerüche ich überhaupt nicht mag. Ihr Resümee: „Sie sind ein Paradebeispiel dafür, dass Sie nicht den passenden Duft für Ihren Typ tragen.“ Ich rieche anders als ich bin. Das soll sich ändern. Sie sieht an mir eine skandinavische Frische, Unisex, Richtung Jil Sander.

          Zampanella hat dafür schon etwas im Kopf – in ihrer Sammlung von mehr als 100 Düften wird sie jedoch nicht fündig. Wir treffen Holger Dubben, Inhaber der Duftkunsthandlung im Kölner Zentrum. Auch der gelernte Apotheker hat seine Leidenschaft für Düfte zum Beruf gemacht, auch für ihn sind Düfte Kunst. „Es gibt Nischendüfte“, sagt Zampanella, „die mit ihrer Raffinesse einfach herausstechen. Ein Parfum ist auch immer ein Experiment und eine Komposition, wie man sie nur in der Kunst findet.“

          Nach mehr als 20 Teststreifen ist Schluss

          Bei Dubben holt sie eine weitere Expertenmeinung ein. Sein Sortiment wird man in keiner normalen Parfümerie finden. Auf einem alten Apothekerschreibtisch reihen sich mehr als 100 Flakons aneinander, noch einmal doppelt so viele stehen auf den Wandregalen. Gut, dass zwei Fachleute schon mal die Vorauswahl übernehmen. Dubben bestätigt die Vorstellung, die Zampanella für mich hat. Gemeinsam suchen sie nach meinem Duft.

          Beziehungsweise nach zwei Düften: einem, der meinem Typ entspricht, und einem weiteren, der meiner bisherigen Parfumauswahl ähnelt. Die beiden schauen die Flaschen durch, besprühen Teststreifen und schnuppern sich durch das Sortiment. Anhand meiner Reaktionen schlagen sie eine neue Richtung ein. Nach mehr als 20 Teststreifen ist Schluss. Ich suche nach einer Kaffeedose, wie es sie in vielen Parfümerien gibt – vergebens. „Es reicht völlig, an einer duftfreien Hautstelle zu riechen“, sagt Dubben, der mir meine Überforderung wohl ansieht. Ich fühle mich wie Harry Potter beim Aussuchen seines Zauberstabs bei Ollivanders: Wann beginnt mein Parfum zu leuchten? Ich fange an zu sortieren und vergesse dabei, welchen Duft ich gerade noch gerochen habe, anders als die beiden Experten, die schon beim Namen des Dufts wissen, wie er riecht. Manche Düfte fallen schon allein deshalb raus, weil sie mich zu sehr an andere Menschen erinnern. „Das“, sagt Dubben, „ist die Macht der Düfte.“

          Meine Nase braucht erst einmal eine Pause

          Am Ende kann ich mich nicht entscheiden und verlasse die Duftkunsthandlung mit drei Düften. Der erste entspricht der Vorstellung der beiden. Coriander von D.S. & Durga riecht nach Skandinavien, nach frischer Luft, Natur, Wald und Meer – ein Unisex-Duft, der mir schon vor einigen Stunden vorausgesagt wurde und zu meinem Typ passt. Trotzdem komme ich nicht von den Düften eines bestimmten Luxus-Parfumhauses los: Lamar by Kajal und Kajal by Kajal riechen aufregend, fast schon magisch. Egal welche Streifen Dubben und Zampanella mir unter die Nase halten, ich greife immer wieder zu diesen zwei Düften, die Fernweh wecken, geheimnisvoll orientalisch wirken und eine schwer erklärbare Anziehungskraft ausüben.

          Melli Zampanella kann Dutzende Düfte riechen, ohne geruchsblind zu werden. Meine Nase braucht erst einmal eine Pause. Ich bin gespannt, ob meine neuen Parfums etwas daran verändern, wie andere mich wahrnehmen. Ob ich jetzt so rieche, wie ich auch bin. Tatsächlich bestätigen einige Tage später Freunde, dass ich vitaler wirke. Ich verbuche das unter dem Aspekt schlanker und sportlicher und bin zufrieden.

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