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MaisonCléo : Wenn aus alten Couture-Stoffen neue Mode wird

  • -Aktualisiert am

Maison Cléo produziert auf Bestellung in Nordfrankreich. Bild: Hersteller / MaisonCléo

Ein Verkaufstag pro Woche und wenn ein Stoff aufgebraucht ist, ist das Kleidungsstück daraus vergriffen – für diese Konsumidee wird ein Mutter-Tochter-Duo aus Frankreich gerade gefeiert.

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          Verspielte Blusen, große Kragen, Puffärmel, Schleifen – so lautet nicht nur die Trendformel des Sommers 2020. Das sind auch die Charakteristika von MaisonCléo. Jenes kleine, französische Modelabel, das seit 2017 erfolgreich einen Hauch laissez-faire in Kleiderschränke bringt und von dem die digitale Modewelt nicht genug bekommen kann. Aber die Gründerinnen Marie und Nathalie Dewet wollen weit mehr als bloß ein Hype sein. Dem Mutter-Tochter-Duo geht es um bewussten Konsum und lokale Produktion. Das erklärte Ziel: Die Kunden zu animieren, ihr Konsumverhalten zu ändern.

          Die Idee dazu entstand vor rund drei Jahren. Marie Dewet, die selbst seit Jahren in der Mode arbeitet und in deren Familie das Schneiderhandwerk seit Generationen großgeschrieben wird, ärgerte es zunehmend, dass die Industrie insgesamt noch immer wenig für Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen tut. Sie beschloss, mit ihrer eigenen Marke zu zeigen, dass es anders geht. Wenn man nur bereit ist, einige Parameter zu justieren. Mit Mutter Nathalie, ebenfalls gelernte Schneiderin, war die perfekte Partnerin gefunden. Ihr Spitzname Cléo gab schließlich auch der Marke ihren Namen.

          Produziert auf Bestellung

          Der Erfolg kam praktisch über Nacht – auch weil prominente Modefans wie Man Repeller-Gründerin Leandra Medine Cohen und Schauspielerin Emily Ratajkowski sich auf Anhieb in die Stücke verliebten. Bis heute. Inzwischen läuft das Geschäft so gut, dass Mutter und Tochter sich dem Projekt Vollzeit widmen.

          Erfolgreiches Mutter-Tochter-Duo: Nathalie und Marie Dewet
          Erfolgreiches Mutter-Tochter-Duo: Nathalie und Marie Dewet : Bild: Hersteller / Maison Cléo

          MaisonCléo folgt dem Prinzip Made-to-Order. Produziert wird auf Bestellung in Nordfrankreich, von Hand durch Nathalie. Bei Bedarf können die Stücke den individuellen Maßen der Kundin angepasst werden. Der Onlineshop öffnet immer mittwochs um die gleiche Uhrzeit. Verkauft werden maximal 30 Stücke. Das günstigste liegt bei 25 Euro, das teuerste bei 260 Euro. Verwendet werden ausschließlich natürliche Materialien, meist alte Stoffreste aus französischen Couture-Häusern.

          Es geht auch um die Geschichte der Kleidungsstücke

          Ist ein Stoff aufgebraucht, ist das Modell vergriffen. Außerdem arbeitet MaisonCléo Saisonunabhängig. Stattdessen werden über das gesamte Jahr hinweg regelmäßig Stücke gelauncht. Am Entstehungsprozess lässt Marie ihre Fans über Social Media teilhaben. Denn bei MaisonCléo geht es auch um die Geschichte hinter jedem Kleidungsstück, die im Atelier beginnt und sich mit jeder Kundin fortschreibt. Die Namen der Modelle stammen übrigens allesamt von Frauen aus Dewets Familie.

          Gelauncht wird bei MaisonCléo unabhängig von Saisons.
          Gelauncht wird bei MaisonCléo unabhängig von Saisons. : Bild: Hersteller / MaisonCléo

          Und noch etwas hebt die Marke ab: Die Herstellungskosten sind offen auf der Website einsehbar. Marie Dewet, die Design und Marketing von MaisonCléo verantwortet, will damit ein Bewusstsein dafür schaffen, wie viel Arbeit und Zeitaufwand in einem einzelnen Kleidungsstück stecken.

          Es geht um Wertschätzung. Und das nicht nur handwerklich. Denn immer häufiger werden die MaisonCléo-Designs kopiert. Das ist in der Branche leider keine Seltenheit. Für kleine Labels, die nicht nur Energie und Geld, sondern vor allem auch Herzblut investieren, ist das umso bitterer. Marie Dewet aber lässt das nicht durchgehen. Auch das ist Teil ihres Engagements für mehr Nachhaltigkeit in der Mode: Öffentlich stellt sie betreffende Marken daher an den Pranger und verlangt Erklärungen.

          Diese Konsequenz und schonungslose Ehrlichkeit begeistert die stetig wachsende Fangemeinde und es macht die Marke umso nahbarer und authentischer. Inzwischen erreicht das auch große Player, wie Net-a-Porter. Für das Online-Luxusversandhaus hat MaisonCléo im Juni 2020 schon die zweite Capsule Collection umgesetzt. Ein Schritt in die richtige Richtung.

          Ihrem nachhaltigen Ansatz bleiben Mutter und Tochter auch dabei konsequent treu.

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