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Deutsches Design : Sie richten sich in der Zukunft ein

Bild: Cor

Auf der Kölner Möbelmesse stellten die deutschen Design-Marken ihre Neuheiten vor. Damit wollen sie vor allem das Ausland für sich gewinnen. Billigimporte und die veränderten Einrichtungsvorlieben hierzulande machen den Herstellern zu schaffen.

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          Ein Lastwagen aus Schwaben reihte sich an den anderen, als im vergangenen Sommer die ersten Möbel für die obersten Währungshüter Europas ins Frankfurter Ostend geliefert wurden: Konferenztische in Sonderanfertigung, Schreibtische, Sofas, Stühle, Regal- und Schranksysteme. Für den Möbelhersteller Walter Knoll war es ein prestigeträchtiger Auftrag. Im Neubau der Europäischen Zentralbank hat das Familienunternehmen aus Herrenberg bei Stuttgart die Etagen des Direktoriums ausgestattet, alle Konferenzsäle und die Restaurants. „Mit den ersten Vorbereitungen haben wir schon vor drei Jahren begonnen“, sagt Gesellschafter und Vorstand Markus Benz. Das Auftragsvolumen: ein siebenstelliger Betrag.

          Christine Scharrenbroch
          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Das 150 Jahre alte Unternehmen stattet auf der ganzen Welt Hotels, Firmensitze und Geschäfte aus - zuletzt einen Pop-up-Store von Porsche in New York. Auch für Hugo Boss, Chanel und Armani hat der Mittelständler schon gearbeitet, hat den Reichstag, das Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ und die Opec in Wien beliefert. Die Möbel werden in eigenen Showrooms in Herrenberg, Berlin, Hamburg, London, Paris, Stockholm, Peking, Bombay und Adelaide sowie bei 300 Fachhandelspartnern gezeigt. Der Umsatz von rund 80 Millionen Euro stammt zu etwa zwei Dritteln aus dem Ausland. So wichtig das Geschäft mit Chefzimmern und Konferenzanlagen auch ist - Markus Benz, 53 Jahre alt, hat sich vorgenommen, im Wohnmarkt bekannter zu werden.

          Die Marke soll den Privatkunden in den Geschäften künftig noch stärker ins Auge fallen. Zumal auch Modemarken wie Armani oder Kenzo ins hochwertige Einrichtungssegment drängen. Nachdem es 2014 nur ein kleines Plus gab, soll die bessere Markenpräsentation nun zu einem echten Umsatzwachstum führen.

          „Wir machen Überstunden ohne Ende“

          Auf den Punkt kommen will auch Thonet. Der Sitzmöbelproduzent ist für den Wiener Kaffeehaus-Stuhl bekannt, den Michael Thonet 1859 aus gebogenem Buchenholz entwarf. „Wir müssen unser Profil noch stärker schärfen“, sagt Geschäftsführer Thorsten Muck. Vor gut einem Jahr hat er die Nachfolge von Peter Thonet aus der fünften Familiengeneration angetreten. „Eine Möbelmarke in Deutschland zu führen ist eine große Herausforderung“, sagt Muck. „Hier zu produzieren kostet wahnsinnig viel Geld.“ Anbieter im Hochpreissegment wie Thonet könnten nur bestehen, wenn sie durch einen pointierten Auftritt herausstechen.

          Als „echt, klar, kompromisslos“ will der Hersteller aus Frankenberg an der Eder (gut 20 Millionen Euro Umsatz) wahrgenommen werden. Eine neue Agentur soll dabei helfen. Bei der Ausschreibung ließen die Werber Passanten in einem Film von ihren Erlebnissen mit Thonet erzählen. Manche kannten die Möbel schon seit ihrer Kindheit. Gut gefallen habe ihm das, sagt Muck, der 47 Jahre alt ist und vorher in der Beleuchtungsindustrie tätig war. Mit der Auftragslage ist er zufrieden: „Wir machen Überstunden ohne Ende.“ Im vergangenen Jahr zogen die Bestellungen um mehr als ein Zehntel an. Im neuen Jahr freut er sich über einen guten Auftragsbestand. Knapp 800 Stühle orderte der Internationale Währungsfonds für einen Sitzungssaal, gleich mehrere tausend Stühle werden an das neue World Conference Center in Bonn geliefert. Doch zufrieden ist Muck auch mit den vielen kleinen Aufträgen für die Gestaltung von Wohnzimmern.

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